Mag-log inDer Nachmittag war drückend, und die Luft roch nach feuchter Erde nach dem Regen am Morgen. Paolo ging den kleinen Pfad hinter dem Haus entlang, mit einer Axt auf der Schulter und einem Seilkorb in der anderen Hand. Die Bäume des kleinen Waldes flüsterten im leichten Wind, und das Sonnenlicht fiel in gebrochenen Strahlen durch die Blätter.
Er mochte diesen Ort. Er mochte das Gefühl, dass ihn hier niemand für Erinnerungen zur Rechenschaft zog, die er nicht hatte. Es war nur er, das Rascheln der Blätter, der Geruch von Holz — und die Gedanken an Alya, die wahrscheinlich in der Apotheke Medikamente sortierte oder Bestellungen notierte. — Noch zwei Stämme, dann reicht’s. — sagte er zu sich selbst und ließ die Axt in ein weiteres Stück Holz sausen. Als er fertig war, band er das Holz zusammen und machte sich auf den Rückweg über den hinteren Pfad zum Haus. Schon von Weitem konnte er das schlichte Dach sehen und den dünnen Rauch, der aus dem Schornstein aufstieg. Für einen Moment wirkte alles normal. Fast perfekt. Doch Alya spürte drinnen etwas anderes. Sie stand in der Küche und wischte die Arbeitsfläche ab, als eine Bewegung draußen ihre Aufmerksamkeit erregte. Als sie aufblickte, sah sie ein schwarzes Auto auf der Schotterstraße stehen, etwas entfernt, nahe der Einfahrt des Grundstücks. Die getönten Scheiben ließen nicht erkennen, wer darin saß. Ein Schauder lief ihr über den Rücken. — Wie seltsam… — murmelte sie und drückte das Geschirrtuch in ihren Händen zusammen. Es war nicht üblich, dort Autos zu sehen. Die Straße war fast immer verlassen, höchstens fuhr ab und zu ein Nachbar mit einem alten Pickup vorbei, mit dem Fahrrad oder einem lauten Motorrad. Aber dieses Auto… wirkte fehl am Platz. Zu groß, zu teuer für diese einfache Gegend. Alya trocknete sich hastig die Hände an der Hose und trat vorsichtig näher ans Fenster. Sie streckte sich ein wenig, um besser sehen zu können. Das Auto stand noch immer dort, der Motor lief, eine unangenehme Präsenz am Straßenrand. Ihr Magen zog sich zusammen. — Da ist jemand draußen… — flüsterte sie mehr zu sich selbst als zu irgendwem. In diesem Moment kam Paolo bereits durch den Garten, den Korb mit dem Holz auf einem Arm. Als er sich der Hintertür näherte, hörte er den seltsamen Ton in ihrer Stimme. — Alya? — rief er und stieß die Tür mit dem Fuß auf — Was ist los? Sie drehte sich schnell um, die Augen erschrocken. — Da steht ein Auto auf der Straße. Schwarz. Es ist schon seit ein paar Minuten da. — sagte sie und deutete zum Fenster — Ich kenne es nicht. Paolo stellte den Korb neben der Tür ab und ging zum Fenster, ohne sichtbare Eile, aber mit wachem Blick. Er trat näher, neigte sich leicht vor, um besser sehen zu können. Das Auto stand noch immer da. Motor an. Scheiben geschlossen. Irgendetwas tief in seiner Brust regte sich. Er konnte nicht sagen, was. — Bleib hier drin. — sagte er, ohne den Blick von der Straße zu nehmen. — Paolo, nein… — Alya. — wiederholte er und sah sie nun an — Bleib. Schließ die Hintertür ab. Wenn ich merke, dass etwas nicht stimmt, komme ich sofort zurück. Sie zögerte einen Moment, doch der Ton seiner Stimme ließ sie gehorchen. Paolo hatte eine seltsame Art, gleichzeitig ruhig und bestimmt zu sein. Als wäre er daran gewöhnt, schnell Entscheidungen zu treffen. Er ging zur Haustür hinaus und schloss sie vorsichtig hinter sich. Die Sonne brannte, doch ein kalter Wind zog durch seine Brust. Seine Schritte waren zunächst langsam, als wollte er keine Aufmerksamkeit erregen. Doch innerlich beschleunigte sich etwas. Das schwarze Auto wirkte aus der Nähe noch bedrohlicher. Der Lack glänzte zu stark für diese einfache Umgebung aus Erde und Gestrüpp. Paolo machte noch ein paar Schritte in Richtung Tor. Als er gerade den Mund öffnen wollte, ohne zu wissen, was er sagen sollte, setzte sich das Auto in Bewegung. Das Motorengeräusch wurde lauter. Der Wagen fuhr langsam an und entfernte sich. Nicht schnell genug, um auffällig zu wirken, nicht langsam genug, um unentschlossen zu erscheinen. Er fuhr einfach… davon. Er verfolgte das Auto mit dem Blick, bis es in einer Kurve der Straße verschwand. Dann blieb er einige Sekunden reglos stehen, die Hand am Tor, als bräuchte er Halt, um nicht zu fallen. Ein Schmerz pochte in seinem Nacken. Eine scharfe Spitze. Dann noch eine. Bruchstückhafte Bilder flackerten hinter seinen Augen auf, als würde jemand ein Licht in seinem Kopf an- und ausschalten. Ein dunkler Flur. Ein weiteres schwarzes Auto. Verschwommene Gesichter. Schreie. Blut. Sehr viel Blut. Sein Atem stockte. — Nein… — flüsterte er und presste beide Hände gegen den Kopf. Er versuchte, einen Schritt zurück zum Haus zu machen, doch der Schmerz wurde stärker, wie ein innerer Schlag. Seine Knie gaben nach. Paolo sank zu Boden und stützte sich mit einer Hand ab, um nicht mit dem Gesicht in die Erde zu fallen. Schweiß lief ihm über die Stirn, trotz des Windes. In der Küche sah Alya, die kein Auge vom Fenster ließ, genau den Moment, in dem er ins Taumeln geriet. — Paolo! — der Name brach wie ein erstickter Schrei aus ihr heraus. Sie ließ das Geschirrtuch fallen und rannte los, ihr Herz raste. Sie riss die Tür so heftig auf, dass sie gegen die Wand schlug. — Paolo! Er kniete nahe dem Tor, eine Hand am Nacken, die andere in die Erde gepresst. — Seltsame Bilder… — murmelte er, die Stimme rau und abgehackt — Blut… Schreie… Als sie näher kam, sah er sie an — und in seinen Augen lag etwas anderes. Es war nicht nur körperlicher Schmerz. Es war Angst. Eine Angst, die nicht zu dem sanften Mann passte, den er ihr jeden Tag zeigte. — Ich… ich habe eine Waffe gehalten? — fragte er, kaum bewusst, dass er laut sprach. Die Frage traf sie wie ein Schlag. Für einen Moment erstarrte Alya. Sie sah diesen großen Mann vor sich, kniend im Dreck, mit verlorenem Blick. Das Wort „Waffe“ hallte in ihrem Kopf nach. Sie kniete sich schnell vor ihn und nahm sein Gesicht in beide Hände. — Hey, sieh mich an. — sagte sie fest — Paolo. Atme. Das war nur eine Erinnerung. Ein wacher Albtraum oder so. Ruhig. Er schloss die Augen fest und atmete tief durch, versuchte, sich auf ihre Stimme zu konzentrieren. Nach und nach wurde das Dröhnen seines Herzschlags leiser. Der Schmerz ebbte ab, wie eine Welle, die sich zurückzieht. — Ich habe gespürt… — flüsterte er noch immer außer Atem — ich habe gespürt, dass… es echt war. Es fühlte sich nicht wie ein Traum an. — Schh. — Alya strich mit dem Daumen über seine warme Haut — Komm, wir gehen rein. Du solltest hier draußen nicht stehen und zusammenbrechen. Komm. Mit Mühe kam er wieder auf die Beine, stützte sich mehr auf sie, als ihm lieb war. Alya führte ihn zurück ins Haus und schloss das Tor mit dem Fuß. Das schwarze Auto war verschwunden, doch das Gefühl, beobachtet zu werden, klebte noch immer wie eine kalte Hand in ihrem Nacken.Als Paolo mit Matheo an seiner Seite die Villa betrat, schien die Luft innerhalb der Mauern stillzustehen. Die Angestellten hielten unauffällig inne, wo sie gerade waren, einige taten so, als würden sie etwas richten, andere erstarrten mit einem Tablett in der Hand. Niemand wagte es, laut zu sprechen.Es war, als würde das ganze Haus auf das Ende eines Films warten, den alle gemeinsam zu sehen begonnen hatten.Alya stand schon an der Tür, noch bevor sie die Eingangshalle durchquert hatten. Das lockere, bequeme Kleid schwang mit ihrer Eile mit. Ihr Gesicht war nass von Tränen, die sie vor den anderen zu verbergen versucht hatte, nicht aber vor ihm. Als sie die kleine Gestalt an Paolos Seite sah, setzte sich ihr Körper wie von selbst in Bewegung.— Matheo! — rief sie, lauter, als sie beabsichtigt hatte.Auch der Junge rannte los. Er warf sich mit solcher Kraft in die Arme seiner Mutter, dass er sie beinahe aus dem Gleichgewicht brachte. Sie umarmte ihn, als wolle sie seinen Körper an ih
Die Nachricht, dass Felicity hinter der Entführung steckte, traf Alya wie ein Messer, das sich in ihrer Brust drehte.Nachdem sie das Gespräch mit Paolo beendet hatte, blieb sie einige Sekunden mitten im Wohnzimmer stehen, das Handy noch in der Hand, das Herz jagend. Es war nicht nur Angst. Etwas Roheres war in ihr aufgewacht.Sie begann durch die Villa zu laufen wie ein eingesperrtes Tier, maß jeden Schritt, die Hände zu Fäusten geballt.— Wenn diese Frau Matheo auch nur mit einem Finger berührt … — sagte sie mit leiser, tödlicher Stimme — dann bringe ich sie eigenhändig um. Mit meinen eigenen Händen. Ich will nichts von Kodex hören, nichts von Rat. Ich reiße sie auseinander.Die Angestellten mieden ihren Blick, spürten die Stimmung, wagten aber nicht, sich einzumischen. Gael und Ravi waren in einem der Zimmer, unter der Aufsicht eines vertrauten Wachmanns, und versuchten zu spielen, ohne sich wirklich lösen zu können.Paolo kam für ein paar Stunden in die Villa zurück, nur um sie zu
Matheos Entführung wurde innerhalb von Sekunden zum Mittelpunkt von Paolos Welt. Er ließ sich kaum den Verband an der Schulter wechseln.Die Gaze war noch feucht von Blut, als er bereits die Treppe der Villa hinunterging, als hätte er gar keinen Schuss abbekommen. Sein Körper schmerzte, aber in seinem Kopf wiederholte sich nur ein einziger Satz … Sie haben meinen Sohn mitgenommen. Alya kam keuchend hinter ihm her.— Ich komme mit dir. — sagte sie entschlossen — Ich bleibe nicht hier und warte, während …Paolo drehte sich um, nahm ihr Gesicht in beide Hände und zwang sie, nur ihn anzusehen.— Bleib bei Gael und Ravi. — bat er mit fester Stimme — Sie brauchen dich ganz. Ich komme mit unserem Sohn zurück.Ihr Blick schnitt ihm tiefer in die Haut als jede Kugel.— Wenn du nicht mit ihm zurückkommst … — begann sie, und ihre Stimme brach.Er legte seine Stirn für einen Moment an ihre.— Ich komme zurück. — wiederholte er — Und wenn ich kriechen muss.Sie nickte, doch ihre Brust brannte.— G
Die Villa schien größer, wenn sich ihr Herz zusammenzog. Seit Paolo gegangen war, lief Alya von einer Seite zur anderen und zählte im Kopf die Minuten, die Stunden, alles, was half, ihren Kopf beschäftigt zu halten. Sie wusste nur, dass er die Stadt verlassen hatte, um ein Problem zu lösen, das „zu ernst“ war. Sie fragte nicht nach Einzelheiten. Sie musste es nicht. Vor den Jungen tat sie normal. Sie machte Frühstück, diskutierte darüber, wer zuerst baden durfte, tat so, als würde sie über Ravis Witze lachen, hörte Gael zu, als er von einer neuen Zeichentrickserie erzählte, und Matheo, als er fragte, warum sein Vater so oft weg musste. Mit jeder Antwort zerbrach ein Teil von ihr und ein anderer klebte sich darüber. Als sie schließlich das Geräusch des Autos hörte, das durch das Tor fuhr, raste ihr Herz los. Sie rannte nicht sofort. Sie wartete, bis sie die Haustür hörte. Als Paolo die Halle betrat, verengte sich ihre ganze Welt. Sie sah das Blut auf seinem Hemd, noch bevor sie irg
Die Nachricht über die Veruntreuung kam so, wie ernste Dinge kommen — ohne Umschweife. Paolo war im Arbeitszimmer der Villa, als einer seiner Vertrauten eintrat, blass, mit einer Mappe in der Hand und einem unaufhörlich vibrierenden Handy in der Tasche. Kaum legte er die Mappe auf den Tisch, änderte sich die Atmosphäre.— Sprich. — forderte Paolo ernst.— In den Zahlen der Filiale in der Nachbarstadt ist ein viel zu großes Loch. — erklärte der Mann — Kein Buchhaltungsfehler. Das war jemand mit Absicht. Diebstahl.Paolo blätterte schnell durch die Unterlagen, sein Blick wurde mit jeder Seite dunkler. Es ging nicht nur um Geld. Es war eine Provokation. Wer es wagte, so offen an sein Eigentum zu gehen, war nicht nur auf Profit aus. Jemand testete Grenzen.Ein paar Stunden später war der Ratssaal voll. Die Älteren saßen wie immer. Paolo stand wie immer, wenn es um klare Position ging. Die Luft war schwer, voller Erwartung und Spannung.— Ich werde die Stadt verlassen. — verkündete er mit
Das Anwesen wirkte an einem dieser Tage, an denen alles zu ruhig erschien. Die Jungen waren mit einem der Sicherheitsleute in den hinteren Garten gegangen, Paolo hatte sich im Arbeitszimmer eingeschlossen, um Mafiaangelegenheiten zu klären, und Alya nutzte die seltene Stille im Hauptsalon, um die Bücher der Drillinge in einem Regal zu ordnen.Sie trug ein Kleid, das ihren Körper genau richtig betonte, bequem, aber anziehend, und ihr Haar war zu einem einzigen Zopf geflochten, der über eine Schulter fiel. Es wirkte wie eine ganz gewöhnliche häusliche Szene, wäre da nicht das Gewicht des Nachnamens gewesen, den sie nun trug. Sie sortierte die Bücher in Stapel.— Geschichten, Schule, Chaos. — murmelte sie und stellte sie einzeln hinein — Ihr drei solltet lernen, das selbst aufzuräumen.Da hörte sie das Klackern von Absätzen auf dem Boden. Es war nicht irgendein Geräusch. Es war dieses Geräusch — fest, bestimmt, gewohnt, bemerkt zu werden. Mit jedem Schritt hallte es durch die Halle und k






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