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Kapitel 3: Die Ungeliebte

작가: RoguePumpkin
last update 게시일: 2026-10-18 00:47:09

DRAEVORISCHES REICH

Hauptstadt: Dunkelspitze

Lady Elyssara beschwerte sich nun schon seit fast einer Stunde. Ihre Tante hatte vor zwanzig Minuten aufgehört zu antworten. Sie saß am geöffneten Gitterfenster und schenkte gelassen Tee in ihre Tasse, während Elyssara im privaten Salon des väterlichen Anwesens auf und ab lief.

„Ich kann das nicht mehr."

Die Tante seufzte. „Das hast du gestern auch gesagt."

„Und gestern habe ich es ernst gemeint."

„Vorgestern auch."

„Da auch."

Endlich sah die Tante auf. Elyssara ließ sich theatralisch aufs Sofa fallen.

„Ich bin mit dem unmöglichsten Mann der Welt verheiratet."

Die Mundwinkel der Tante zuckten. „Du bist mit dem Kaiser verheiratet."

„Genau das ist das Problem."

„Elyssara."

„Was?"

„Weißt du, wie viele Frauen alles dafür geben würden, an deiner Stelle zu sitzen?"

Elyssara verdrehte die Augen. „Sollen sie ihn haben."

Die Tante starrte sie an. „Das meinst du nicht ernst."

„Doch." Sie griff nach einem Kissen und drückte es an die Brust. „Vaelric ist langweilig."

Die Tante verschluckte sich beinahe an ihrem Tee. „Langweilig?"

„Sterbenslangweilig."

„Er ist der Kaiser."

„Trotzdem langweilig."

„Elyssara."

„Er redet nie."

„Er regiert ein Reich."

„Mit mir spricht er auch kaum."

Die Tante stellte ihre Tasse ab. „Vielleicht, weil du die meiste Zeit damit verbringst, dich zu beschweren."

„Ich würde mich nicht beschweren, wenn er mir einen Grund gäbe, es nicht zu tun."

Die Tante sah sie nur an. Elyssara seufzte.

„Weißt du, wie es ist, mit einem Mann zu leben, der jeden wachen Augenblick sein halbes Gesicht verbirgt?"

„Er ist der Kaiser."

„Ich weiß!"

„Dann hör auf, es zu sagen."

„Das ist mir gleich." Elyssara stand wieder auf. „Wie soll ich einen Mann lieben, dessen Gesicht ich kaum je gesehen habe?"

Der Ausdruck der Tante veränderte sich. „Von der Maske wusstest du, bevor du ihn geheiratet hast."

„Ich dachte, es wäre anders."

„Inwiefern?"

„Ich weiß es nicht." Sie verschränkte die Arme. „Ich dachte, die Ehe würde ihn wärmer machen."

Die Tante warf ihr einen vielsagenden Blick zu. „Du hast den Kaiser der Fünf Gebiete geheiratet, keinen Dorfjungen."

Elyssara schnaubte. „Er hat mich gewählt, weil ich gehorsam war."

„Nein." Die Stimme der Tante wurde fester. „Er hat dich gewählt, weil er jede Frau am kaiserlichen Hof hätte wählen können, und er hat dich genommen."

Elyssaras Miene verhärtete sich. „Du lässt es klingen, als wäre es romantisch."

„Das war es."

„Das war es nicht."

Die Tante lehnte sich zurück. „Erinnerst du dich an die Auswahlzeremonie?"

„Leider."

„Es gab neun Töchter aus königlichen Linien."

„Ich weiß noch."

„Vierzehn Edelfrauen."

„Ja."

„Siebenunddreißig Konkubinen, die sich vorstellten."

Elyssara runzelte die Stirn.

„Und er hat sie alle abgelehnt. Er hat dich gewählt."

Elyssara sah weg. „Das heißt nicht, dass ich ihn liebe."

„Das hat niemand behauptet."

„Ich liebe ihn nicht."

Die Tante musterte sie aufmerksam. „Du hast jemand anderen."

Elyssara erstarrte. „Ich weiß nicht, wovon du redest."

Die Tante lächelte schwach. „Du vergisst, wer dich großgezogen hat. Du konntest deine Gefühle schon immer schlecht verbergen."

Schweigen. Elyssaras Finger krallten sich in das Kissen.

„Ich liebe einen anderen."

Die Tante verzog keine Miene. „Wen?"

Elyssara flüsterte: „Prinz Kaedren."

Im Raum wurde es still. Das Amüsement verschwand aus dem Gesicht der Tante.

„Vaelrics Bruder?"

Elyssara nickte.

„Das kann nicht dein Ernst sein."

„Doch."

„Er ist der jüngere Bruder des Kaisers."

„Ich weiß."

„Der Bruder deines Mannes."

„Ich weiß!"

Die Tante senkte die Stimme. „Dann weißt du auch, wie gefährlich das ist."

In Elyssaras Augen stand Verzweiflung. „Er versteht mich."

„Das reicht nicht."

„Er hört mir zu."

„Das tut deine Tante auch."

„Er bringt mich zum Lachen."

„Dein Mann ist nicht verpflichtet, dich zu unterhalten."

„Er sieht mich an."

Die Tante verstummte. Elyssara lächelte bitter.

„Weißt du, wann Vaelric mich zuletzt länger als ein paar Sekunden angesehen hat?"

Die Tante antwortete nicht.

„Ich weiß nicht einmal, wie seine Augen aussehen."

„Du hast sie gesehen."

„Nicht richtig."

„Er trägt die Maske aus einem Grund."

„Sein Grund interessiert mich nicht." Ihre Stimme sank. „Mich interessiert, was aus meinem Leben geworden ist."

Sie ging zum Fenster.

„Ich sitze in einer Ehe mit einem Mann, den ich nicht liebe, während der Mann, den ich liebe, jeden Tag vor meinem Gemahl knien muss."

Die Tante stand auf. „Elyssara, hör auf."

Doch Elyssara sprach weiter. „Kaedren sollte Kaiser sein."

Die Augen der Tante weiteten sich. „Sag das nicht."

„Warum nicht?"

„Weil die Wände Ohren haben."

„Das ist das Haus meines Vaters."

„Das macht dich nicht sicher."

Elyssara drehte sich um. „Er wäre der bessere Kaiser."

„Genug."

„Er ist klug."

„Genug."

„Ihm liegen die Menschen wirklich am Herzen."

Die Tante packte sie am Handgelenk. „Genug."

Elyssara starrte sie an. Dann flüsterte sie: „Und er hat mir etwas erzählt."

Langsam ließ die Tante sie los. „Was?"

Elyssara sah zu den geschlossenen Türen. „Er sagte, Vaelric könne nicht ewig herrschen."

Das Gesicht der Tante veränderte sich. „Was genau hat er gesagt?"

Elyssara zögerte. Dann trat sie näher. „Er sagte, wenn Vaelric stirbt …"

Der Tante stockte der Atem.

„… fällt der Thron an ihn."

„Sprich diesen Satz nicht zu Ende."

„Aber er hat noch etwas gesagt."

„Was?"

Elyssara senkte die Stimme. „Er sagte, wenn ich ihm helfe …"

Von draußen drang ein lauter Knall herein. Beide Frauen fuhren zusammen.

Die Türflügel des Salons sprangen auf. Ein staubbedeckter kaiserlicher Gardist stolperte herein. Elyssara schrie auf. Ihre Tante eilte auf ihn zu.

„Wer seid Ihr?"

Der Gardist sank auf die Knie. Sein Atem ging stoßweise.

„Lady Elyssara …"

Sie erstarrte. „Was ist los?"

Er sah sie mit angstgeweiteten Augen an. „Der Kaiser …"

Elyssaras Herz hämmerte gegen ihre Rippen. „Was ist mit ihm?"

Der Gardist schluckte. „Er ist …"

Der Raum verstummte.

„Quält mich nicht, Ihr Idiot!", fuhr Elyssara ihn an. Ihre Tante legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter.

Der Blick des Gardisten wanderte zur Tür. Dann flüsterte er: „Ich bringe schlimme Nachricht."

Einen Augenblick später ertönte draußen ein Horn. Einmal. Zweimal. Dreimal.

Das kaiserliche Alarmsignal.

Elyssara wurde weiß im Gesicht. Ihre Tante flüsterte: „Jemand hat den Palast angegriffen."

Der Gardist schüttelte den Kopf. „Nein."

Er sah Elyssara direkt an. Seine Stimme zitterte.

„Den Palast haben sie nicht angegriffen. Sie haben den Kaiser angegriffen."

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