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Kapitel 4: Liebe auf den Wiesen

ผู้เขียน: RoguePumpkin
last update วันที่เผยแพร่: 2026-10-18 00:47:22

Elyssara wartete nicht, bis ihre Tante ein weiteres Wort sagte.

Kaum war der Diener zur Seite getreten, raffte sie die Röcke ihres Kleides und eilte durch die Tür.

„Eure Majestät!", rief ihr eine der Mägde nach.

Elyssara blieb nicht stehen. Sie konnte nicht, nicht jetzt. Ihr Herz hämmerte so heftig, dass sie die Diener, die über den Hof rannten, kaum hörte.

Kaum war sie ins Freie getreten, kam ein junger Palastdiener auf sie zugeeilt. „Eure Majestät, hier entlang."

„Wohin?"

„Eure Kutsche steht bereit."

Elyssara stellte keine Fragen. Sie hob ihr Kleid und stieg in die wartende Kutsche. Die hölzernen Räder drehten sich schon, ehe sie richtig saß. Die Vorhänge flatterten, als die Kutsche durch die Tore des Anwesens jagte.

Erst da fiel Elyssara auf, dass etwas nicht stimmte. Sie sah zu dem Diener, der draußen auf dem Kutschbock saß.

„Warum verlassen wir das Anwesen über die Weststraße?"

Keine Antwort. Der Diener hielt den Blick stur nach vorn gerichtet. Elyssaras Verdacht wuchs.

„Wohin bringt Ihr mich?"

Endlich drehte sich der Diener um. Für einen kurzen Moment trafen sich ihre Blicke. Dann griff er durch das Kutschenfenster. Ein gefalteter Brief erschien in seiner Hand.

„Für Euch, Eure Majestät."

Elyssara starrte ihn an. Ihr Puls beschleunigte sich. „Wer hat Euch das gegeben?"

Der Diener schwieg und reichte ihn ihr einfach. Sie erkannte die Handschrift, noch ehe sie ihn öffnete. Kaedren. Ihre Finger zitterten, als sie das Siegel brach.

*Ich bin zurück.*

*Ich bin früher aus dem Nachbarkönigreich zurückgekehrt, als erwartet.*

*Triff mich dort, wo die Weiden den See berühren.*

*Komm allein.*

*Ich habe dich vermisst.*

*– K*

Elyssara las die letzte Zeile zweimal. Dann presste sie den Brief an die Brust. Langsam breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Die Angst, die sie vom Anwesen mitgenommen hatte, verschwand.

Es hatte keinen Angriff gegeben. Keine kaiserlichen Soldaten, die sie holen kamen, keine Entdeckung. Alles war Teil der Abmachung gewesen. Der verletzte Gardist. Die Warnung. Der Alarm. Sogar der Diener, der sie so eilig fortgebracht hatte.

Sie hatten das schon früher getan. Immer wenn Kaedren von einer Reise zurückkehrte, immer wenn der kaiserliche Hof zu wachsam wurde, erfanden sie einen Vorwand, der Elyssara unauffällig fortgehen ließ. Und jedes Mal nahm sie dieselbe Straße. Zu ihm. Zu dem einzigen Ort, an dem sie sich frei fühlte.

Die Kutsche rollte weiter durch das Land. Stunden später öffneten sich die Bäume zu einer weiten grünen Wiese. In ihrer Mitte lag ein stiller See, umgeben von uralten Weiden, deren lange Zweige zum Wasser hinabhingen und einen grünen Vorhang um das Ufer bildeten.

Elyssara stieg aus. Sie wartete nicht einmal, bis der Diener ihr half. Sie rannte. Ihre Schuhe rutschten im Gras, ihr Haar löste sich aus den Nadeln. Dann sah sie ihn.

Kaedren stand unter der größten Weide, schlicht gekleidet, ohne die schweren Gewänder, die er bei Hof trug. Als er sie sah, veränderte sich sein ganzer Ausdruck.

„Elyssara."

Sie lief direkt in seine Arme. Er fing sie auf. Sie vergrub das Gesicht an seiner Brust.

„Du bist gekommen."

„Ich habe dir gesagt, dass ich es tue."

„Ich dachte, ich müsste noch eine Woche warten."

„Ich konnte nicht fernbleiben."

Sie wich zurück. „Du lügst."

Ein Lächeln huschte über seine Lippen. „Ja."

Sie lachte, zum ersten Mal seit Tagen aufrichtig, und berührte sein Gesicht.

„Ich habe dich vermisst."

„Ich dich mehr."

„Unmöglich."

Er beugte sich näher. „Ich habe jede Nacht an dich gedacht."

Ihr Blick wurde weich. „Wirklich?"

„Jede Nacht."

Sie lehnte ihre Stirn an seine. „Ich hasse es, zurückzugehen."

„Das musst du nicht."

„Noch nicht."

Seine Miene veränderte sich. „Wie lange noch?"

Elyssara sah weg. „Wie lange noch was?"

„Wie lange willst du noch auf mich warten?"

Sie schwieg. Die Frage stand seit Monaten zwischen ihnen. Schließlich flüsterte sie: „Wie lange wird dieser Plan noch dauern?"

Kaedrens Kiefer spannte sich. „Du weißt, dass sich solche Dinge nicht überstürzen lassen."

„Das höre ich seit Monaten."

„Wir müssen vorsichtig sein."

„Ich bin es leid, vorsichtig zu sein."

„Elyssara."

„Ich bin seine Frau." Sie löste sich von ihm. „Ich schlafe im selben Palast wie er. Ich sitze neben ihm bei Hof. Ich lächle, wenn alle erwarten, dass ich lächle." Ihre Stimme wurde bitter. „Und jede Nacht kehre ich zu einem Mann zurück, den ich nicht liebe."

Kaedren betrachtete sie. „Das wirst du nicht ewig tun müssen."

„Das hast du letztes Mal auch gesagt."

„Ich meine es ernst."

Sie sah ihm direkt in die Augen. „Dann sorg dafür, dass es geschieht."

Er schwieg. Elyssaras Miene verhärtete sich.

„Tut dein Diener noch, worum du ihn gebeten hast?"

Kaedrens Blick wich aus. „Ja."

„Wirkt das Gift?"

Er antwortete nicht sofort. Elyssara trat näher. „Kaedren."

„Der Kaiser ist schwächer geworden."

Ihr Herz machte einen Sprung. „Es wirkt also?"

„Ich sagte, er ist schwächer geworden."

„Wie lange noch?"

„Ich weiß es nicht."

Sie blickte zum See. „Ich will, dass es vorbei ist."

Kaedren griff nach ihrer Hand. „Wir werden den Thron bekommen."

Elyssara sah ihn an. „Und ich?"

Er lächelte. „Du wirst Kaiserin."

Sie schüttelte den Kopf. „Die Krone ist mir egal."

„Was ist dir nicht egal?"

„Du."

Seine Miene wurde weich. Sie lächelte. „Ich will nur dich."

Eine Weile sprach keiner von ihnen. Der Wind strich durch die Weidenzweige, der See glitzerte in der Nachmittagssonne. Elyssara schlüpfte aus ihren Schuhen. Kaedren lachte.

„Was tust du da?"

„Ich will schwimmen."

„Jetzt?"

„Warum nicht?"

„Du bist die Kaiserin."

„Nicht hier."

Sie stieg ins seichte Wasser. Kaedren folgte ihr. Bald lachten sie wie zwei gewöhnliche Liebende, die das Wort Kaiser nie gehört hatten. Sie bespritzten einander, und danach saßen sie am Ufer, die Kleider feucht, die Schultern aneinander.

Elyssara lehnte den Kopf an ihn. „Ich wünschte …"

„Was?"

Sie sah über das Wasser. „Ich wünschte, alles würde verschwinden."

Kaedren sah sie an. „Der Thron?"

„Der Palast."

„Der Hof?"

„Alles."

Sie schloss die Augen. „Ich will ihn nicht." Ihre Stimme wurde leiser. „Ich will Vaelric nicht." Sie wiederholte es fast wie ein Gebet. „Ich will ihn nicht."

Kaedren küsste ihre Schläfe. „Das musst du nicht."

Elyssara lächelte. Dann veränderte sich ihr Ausdruck.

„Kaedren."

„Hm?"

„Ich muss dir etwas sagen."

Er wandte sich ihr zu. „Was denn?"

Sie zögerte. „Ich glaube …" Sie schluckte. „Ich glaube, ich bin vielleicht schwanger."

Das Lächeln verschwand aus seinem Gesicht.

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