LOGINKapitel 6
Die luxuriöse Limousine kam schließlich vor dem Eingang der Lobby eines der exklusivsten Privatkrankenhäuser der Hauptstadt zum Stehen. Die von Glas dominierte Fassade spiegelte die Silhouetten von Kael und Hellena wider, als sie beinahe gleichzeitig ausstiegen. „Steig aus“, sagte Kael kurz angebunden, ohne die geringste Gefühlsregung. Hellena nickte gehorsam. Ihre Finger schlossen sich fester um den Riemen ihrer Arbeitstasche, während sie versuchte, das heftige Pochen ihres Herzens zu unterdrücken. Nach Herrys Verrat und der überstürzten standesamtlichen Trauung am selben Tag musste sie nun eine neue Rolle in diesem Täuschungsspiel übernehmen: Vor der Mutter des CEOs eine liebevolle Ehefrau zu spielen. Sie betraten die Hauptlobby. Der starke Geruch von Desinfektionsmittel schlug Hellena sofort entgegen. Kael schritt mit langen, entschlossenen Schritten voran, während Hellena ein wenig hinter ihm zurückblieb und versuchte, die Schmerzen in ihrem Knöchel zu verbergen, den sie sich in der vergangenen Nacht verstaucht hatte. „Kannst du laufen?“, fragte Kael tonlos, ohne sich die Mühe zu machen, sich umzudrehen. „Ja, Sir.“ „Gut. Du darfst vor meiner Mutter weder nervös wirken noch hinken“, sagte Kael kalt. Hellena hielt für einen Moment den Atem an und schob ihr körperliches Unbehagen beiseite. „Ich verstehe.“ Der private VIP-Aufzug brachte sie reibungslos in die oberste Etage. Sobald sich die Aufzugtüren mit einem leisen Klingeln öffneten, begrüßte die Oberschwester sie mit einer respektvollen Verbeugung. „Mr. Kael, Madam Hansel wartet bereits auf Sie.“ Kael erwiderte dies lediglich mit einem leichten Nicken. Doch unmittelbar bevor sie die Schwelle zum Krankenzimmer überquerten, legte sich plötzlich eine ungewohnte Wärme um Hellenas Finger. Kael ergriff ihre Hand und verschränkte seine Finger fest mit ihren. Hellena zuckte überrascht zusammen, doch sie hielt sich davon ab, ihre Hand zurückzuziehen. Kaels Hand fühlte sich warm und kräftig an. „Setz deine besten Fähigkeiten ein“, flüsterte Kael mit sehr leiser Stimme dicht an ihrem Ohr. „Spiel deine Rolle perfekt.“ Die Teakholztür schwang auf. Im Inneren des geräumigen, ruhigen VIP-Zimmers, das mit modernsten Einrichtungen ausgestattet war, lag eine Frau mittleren Alters mit blassem Gesicht schwach auf dem Bett. Als sie die Tür hörte, drehte sie langsam den Kopf. „Kael ...“ Ihre Stimme klang heiser und schwach, doch die Überreste ihrer Autorität als Matriarchin der Familie waren noch immer deutlich zu spüren. Kael trat an das Bett und nahm Hellena mit sich. Zum ersten Mal in den fünf Jahren, in denen Hellena für ihn arbeitete, sah sie, wie die Härte im Gesicht des CEOs ein wenig nachließ. „Mutter“, begrüßte Kael sie sanft. Madam Hansels müde Augen wanderten langsam zu Hellena und blieben schließlich vollständig auf ihr ruhen, die aufrecht neben ihrem Sohn stand. Ihre Brauen zogen sich zusammen, während deutliches Misstrauen in ihrem Blick lag. „Wer ist diese Frau, Kael?“ Hellena schluckte schwer. Ihre üppige Figur unter der formellen Kleidung ließ sie sich plötzlich unbehaglich fühlen, während der prüfende Blick der älteren Frau auf ihr ruhte. Kael zog Hellena sanft ein wenig näher zu sich und verringerte den Abstand zwischen ihnen, als wolle er sie beschützen. „Mutter, lass mich sie dir vorstellen. Das ist Hellena.“ Madam Hansel kniff die Augen zusammen und musterte Hellenas Gesicht, das ihr vage bekannt vorkam. „Deine persönliche Sekretärin? Diejenige, von der du so oft erzählst?“ „Nicht nur meine Sekretärin, Mutter“, unterbrach Kael sie ruhig und überzeugend. „Sie ist meine Ehefrau.“ Sofort legte sich Schweigen über den Raum. Madam Hansel starrte ihn schockiert an, während sich ihre Brust hastig hob und senkte. „Was hast du gesagt? Deine Ehefrau?“ „Wir haben unsere Ehe heute Morgen offiziell eintragen lassen“, fuhr Kael fort, ohne auch nur die geringste Unsicherheit in seinem Blick zu zeigen. „Das ist unmöglich!“ Madam Hansel schüttelte langsam den Kopf, unfähig, das Gehörte zu glauben. „Kael, benutze niemals etwas so Heiliges wie eine Ehe, um deine kranke Mutter zu beruhigen.“ Kael stieß einen leisen Seufzer aus. Er hob ihre noch immer ineinander verschränkten Hände und zeigte sie seiner Mutter. „Wir sind seit einem Jahr zusammen, Mutter. Wegen Hellenas Position als meine Sekretärin mussten wir es vor der Öffentlichkeit geheim halten. Ich wollte nicht, dass böswillige Gerüchte ihre Arbeit beeinträchtigen.“ Hellena war einen Moment lang sprachlos darüber, wie mühelos Kael diese Lüge vortrug. Doch sofort übernahm ihre Professionalität als leitende Sekretärin die Kontrolle. Sie setzte ihr bestes Lächeln auf und nickte sanft, wobei sie ihren Gesichtsausdruck so freundlich wie möglich wirken ließ. „Das stimmt, Mutter“, sagte Hellena sanft, aber bestimmt. „Bitte verzeih uns, dass wir es dir erst jetzt gesagt haben. Wir haben einfach auf den richtigen Moment gewartet.“ Madam Hansel sah Kael direkt in die Augen und suchte nach jedem noch so kleinen Anzeichen einer Täuschung. „Ihr seid also wirklich seit einem Jahr zusammen?“ „Ja, Mutter.“ „Und du hast deine eigene Mutter jeden Tag um eine Schwiegertochter bitten lassen, ohne ihr irgendetwas zu sagen?“ Ihre Stimme zitterte zwischen Unglauben und Rührung. Ein schwaches Lächeln erschien auf Kaels Lippen – ein Lächeln, das in den Augen seiner Mutter vollkommen aufrichtig wirkte. „Es tut mir leid, Mutter.“ „Wo ist der Beweis? Ich werde es ohne offizielle Dokumente nicht glauben“, verlangte sie und hielt noch immer einen Anflug von Skepsis aufrecht. Ohne ein Wort stellte Kael seinen Aktenkoffer ab, holte die schwarze Mappe heraus, die sie vom Standesamt mitgebracht hatten, und legte sie auf den Schoß seiner Mutter. Mit zitternden, von der Krankheit geschwächten Fingern öffnete Madam Hansel die Mappe. Ihre Augen weiteten sich, als sie die darin abgedruckten Namen und das frische offizielle Staatssiegel sah. „Du ... ihr seid wirklich verheiratet ...“ Kael nickte schweigend. Madam Hansel schloss die Augen fest. Eine einzelne Träne rann aus dem Winkel ihres faltigen Auges. „Ich dachte ... ich dachte, du würdest dein Herz niemals wieder für eine andere Frau öffnen, Kael.“ Kael entschied sich zu schweigen, während sein Gesichtsausdruck erneut undurchschaubar wurde. Langsam öffnete Madam Hansel die Augen und streckte die Hand, an der eine Infusion angeschlossen war, nach Hellena aus. „Komm her, Kind. Komm näher zu Mutter.“ Hellena trat vorsichtig näher. Die schmale Hand der älteren Frau, kühl und zugleich sanft, schloss sich sofort fest um ihre.Kapitel 82Das Hauptschlafzimmer des Anwesens der Familie Smith wirkte unerträglich still und kalt, als Hellena es betrat. Der Nieselregen draußen war stärker geworden und klopfte sanft gegen die Fensterscheiben, als würde auch er um die Zerstörung des Herzens der fülligen Frau trauern.Hellena schaltete das Licht im Schlafzimmer ein und ignorierte den Saum ihres blauen Samtkleides, der leicht feucht geworden war. Mit noch immer zitternden Fingern streifte sie das luxuriöse Abendkleid ab und zog die einfachste Alltagskleidung an, die sie besaß – ein lockeres Baumwoll-T-Shirt und eine schlichte lange Hose. Auf ihrem Gesicht blieb keine Spur von Make-up zurück, auch kein Perlenschmuck. Alles, was blieb, war ihr blasses Gesicht mit zwei verquollenen, geröteten Augen.Hellena zog ihren mittelgroßen Koffer aus dem Kleiderschrank. Einen nach dem anderen faltete sie ihre einfachen Kleidungsstücke zusammen und legte sie hinein. Kein einziges der luxuriösen Stücke, keines der teuren Kleider od
Kapitel 81Gerade als Hellena zwei Schritte in Richtung des Saalausgangs getan hatte, schnitt eine schrille Stimme, die sie nur zu gut kannte, durch den donnernden Applaus der Gäste. Die Stimme dröhnte durch das Mikrofon und hallte in jedem Winkel der geräumigen Halle wider.„Sekretärin Hellena!“, rief Vivian Wheeler in einem süßlichen, aber gebieterischen Tonfall, der voller Gift steckte. „Könnten Sie uns bitte das Etui mit unseren Verlobungsringen von dem Tisch neben der Bühne bringen?“Hellenas Schritte kamen abrupt zum Stillstand. Ihr Körper erstarrte mitten im Gang. Eine eiskalte Empfindung breitete sich augenblicklich von ihren Zehenspitzen bis in ihre Brust aus. Noch bevor sie überhaupt verarbeiten konnte, was gerade geschehen war, ertönte erneut Kaels Baritonstimme von der Bühne – die Stimme, bei der sie sich sonst immer sicher gefühlt hatte, klang nun so fremd und kalt.„Hellena, bringen Sie das Etui bitte sofort her“, rief Kael monoton.Hellena schloss langsam die Augen. Si
Kapitel 80Das Klirren der Kristallgläser und die schwungvollen Klänge der Symphonie verblassten allmählich, als die Hauptbeleuchtung des großen Festsaals mehrmals flackerte. Der Moderator betrat die prachtvolle Bühne und bat alle geladenen Gäste, ihre volle Aufmerksamkeit dem Höhepunkt des heutigen Jubiläumsabends zu schenken.Hinter dem purpurroten Samtvorhang an der Seite der Bühne erschien schließlich Kael William Smith. Er sah in seinem maßgeschneiderten schwarzen italienischen Smokingsuit, der seine athletische Statur perfekt betonte, ausnehmend gut aus. An seiner Seite schritt Madam Hansel elegant in einer smaragdgrünen Abendrobe voran und grüßte mit einem warmen Lächeln die Reihen der Geschäftspartner und Medienvertreter, deren Kamerablutze nicht aufhörten zu blitzten.Donnernder Applaus hallte durch jeden Winkel des Saals.Reglos im Gang unterhalb der Bühne stehend, richtete Hellena ihre hellen, runden Augen ganz auf den Mann, den sie so tief liebte. Ein aufrichtiges, sanfte
Kapitel 79Der lang ersehnte Abend war endlich gekommen. Der große Festsaal des Fünf-Sterne-Hotels im Herzen der Stadt hatte sich in einen atemberaubenden Veranstaltungssaal verwandelt, geschmückt mit Tausenden von Kristallkronleuchtern und erfüllt von den bezaubernden Klängen klassischer Musik. Die Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Smith Group wurde nicht nur von elitären Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und hochrangigen Beamten besucht, sondern auch von dutzenden namhaften Medienvertretern, die sich bereits mit ihren Kameras entlang des roten Teppichs in Stellung gebracht hatten.Derweil stand Hellena im Hauptschlafzimmer des Anwesens der Familie Smith vor einem ganzkörpergroßen Spiegel, ihr Atem ruhig und gleichmäßig. Sie begutachtete ihr Erscheinungsbild von Kopf bis Fuß. Am Morgen hatte Kael sie noch einmal daran erinnert, sich frühzeitig fertig zu machen, da er vorab am Veranstaltungsort sein musste, um die technischen Vorbereitungen mit dem Vorstand zu überwach
Kapitel 78Die kühle Luft der Klimaanlage füllte langsam die Stille des Hauptschlafzimmers. Kael blickte auf Hellenas kurvigen Rücken, als sie unter der dicken Decke von ihm abgewandt lag. Als er den gleichmäßigen Rhythmus des Atems seiner Frau hörte, umspielte ein schwaches Lächeln Kaels Lippen. Er wusste nur zu gut, wie anstrengend der Tag für die Frau war, die er von ganzem Herzen liebte. Kael wollte sie nicht bedrängen, wenn Hellena in einer so schlechten Stimmung war.„Schlaf gut, Liebling“, flüsterte Kael ganz leise nahe Hellenas Ohr. Der Mann drückte einen warmen Kuss auf ihren Scheitel, bevor er sich schließlich vom Bett entfernte.Kael ging langsam ins Badezimmer, um sich frisch zu machen. Das kalte Duschwasser strömte über seinen breiten, athletischen Körper und wusch die Reste der Erschöpfung eines Tages fort, den er mit Angelegenheiten im Büro und Spannungen zu Hause verbracht hatte.Einige Minuten später kam Kael in einer legeren Hose aus dem Badezimmer, ein kleines Handb
Kapitel 77Hellena warf ihren kurvigen Körper mit einem sanften, unregelmäßigen Atemzug auf das Bett. Das brennende Gefühl in ihrer Brust hatte sich noch immer nicht gelegt. Jede Sekunde, in der sie Frau Hansel und Vivian unten entgegentreten musste, spielte sich wieder und wieder in ihrem Kopf ab.Hellena stieß ein verärgertes Schnaufen aus und klammerte sich fest an die Ecke ihres Kissens. „Diese hinterhältige Frau...“, murmelte sie mit zusammengebissenen Zähnen. Sie wusste sehr wohl, dass die plötzliche Kälte und das Misstrauen ihrer Schwiegermutter nichts weiter als das Ergebnis der giftigen Lügen waren, mit denen Vivian sie gefüttert hatte. Ihre gütige und fürsorgliche Schwiegermutter war zweifellos völlig von der Vorstellung dieser blonden Frau getäuscht worden.Klick.Die Schlafzimmertür öffnete sich langsam.Kaels bedächtige Schritte hallten wider, als er den Raum betrat. Er hängte sein teures Sakko über den Stuhl nahe der Tür, und sein Blick landete augenblicklich auf seiner







