LOGINInnerhalb von vierundzwanzig Stunden muss Hellena Crawley die erdrückenden Schulden ihres Vaters begleichen, andernfalls wird ihr übergewichtiger Körper als Pfand an die skrupellosen Kredithaie übergeben. In der Hoffnung, von ihrem Freund Hilfe zu bekommen, wird sie stattdessen im Bett mit einem grausamen Verrat konfrontiert. Gebrochen und angesichts der tödlichen Bedrohung völlig verzweifelt, legt Hellena ihren Stolz ab und wendet sich an Kael Willian – ihren eiskalten CEO und berüchtigten Vorgesetzten, der für seine Rücksichtslosigkeit bekannt ist. Doch der Tyrann bietet ihr das Geld nicht umsonst an. Kael unterbreitet ihr einen extremen Vorschlag: eine Ehe auf Vertragsbasis für ein Jahr. Wegen seiner schwer erkrankten Mutter braucht Kael eine gehorsame Ehefrau, die keine Gefühle ins Spiel bringt. Unter demselben Dach beginnen die professionellen Grenzen zwischen ihnen allmählich zu verschwimmen. Wird Hellena dem unwiderstehlichen Charme ihres Vorgesetzten widerstehen können, oder wird ausgerechnet sie in der Angst des CEOs vor der Liebe gefangen sein?
View MoreKapitel 1
„Wann wirst du mich endlich heiraten?“ Die Stimme der Frau hallte klar, laut und widerlich durch den Raum. Im dämmrigen Wohnzimmer schmiegte sich ihr Körper vertraut an Herry. Ihre schlanken Finger lagen fest um seinen Nacken, während ihre Lippen immer wieder seine Haut küssten – jene Haut, die Hellena in den vergangenen drei Jahren nicht ein einziges Mal hatte berühren dürfen. „Nur noch ein bisschen“, erwiderte Herry mit tiefer, rauer Stimme. „Ich werde meine Beziehung mit Hellena bald beenden. Diese Frau mit ihrem Elefantenkörper ... sie ist so langweilig und steif. Schon bei dem Gedanken daran, sie zu berühren, wird mir schlecht. Ahhh ...“ Die Frau in seinen Armen kicherte kokett, bevor sie ihn erneut gierig küsste. Hinter der leicht geöffneten Tür erstarrte ein Augenpaar. Hellena Crawley stand schweigend dort. Die Hand, die den Riemen ihrer Tasche umklammerte, war taub geworden. Ihre Brust fühlte sich so zugeschnürt an, als wäre jeglicher Sauerstoff aus ihrer Umgebung verschwunden. Jedes Wort, das Herry aussprach, war wie ein Dolch, der langsam in ihr Herz gestoßen und dann gnadenlos darin herumgedreht wurde. Eine Frau mit einem Elefantenkörper. Langweilig. Steif. Widerlich. Hellena schluckte schwer. Der Geschmack in ihrem Mund war bitter und erstickend. Für einen Moment senkte sie den Blick auf die schwache Spiegelung ihrer Plus-Size-Figur in der Vitrine am Flur. Ihr Aussehen war schon immer der größte Schwachpunkt ihres Selbstvertrauens gewesen. Und heute Abend benutzte ausgerechnet der Mann, dem sie am meisten vertraut hatte, genau diese Unsicherheit, um ihr Stück für Stück ihre Würde zu nehmen. Was noch mehr schmerzte, war die Tatsache, dass die Frau in den Armen ihres Freundes keine Fremde war. Sie war ihre eigene beste Freundin – ausgerechnet die Person, die Hellena immer wieder scheinbar getröstet hatte, wenn sie sich wegen ihres Gewichts unsicher fühlte. Hellenas Welt schien mit einem einzigen Atemzug zusammenzubrechen. Sie war mit den letzten Resten an Hoffnung und Mut, die sie aufbringen konnte, zu diesem Haus gekommen. Sie hatte Herry um Hilfe bitten wollen – sie wollte sich Geld von ihm leihen, um die Schulden ihres Vaters zu begleichen. Damals hatte Hellena Herrys Liebeserklärung angenommen, weil er mit süßen Worten zu ihr gekommen war und so getan hatte, als würde ihre Figur für ihn keine Rolle spielen. Zu jener Zeit, ausgehungert nach Zuneigung, hatte Hellena sich unglaublich glücklich gefühlt. Sie hatte nie erkannt, dass Herry sie lediglich ausnutzte. Als persönliche Sekretärin in einem großen Konzern verfügte Hellena über wertvolle Kontakte, einen guten Ruf und ein stabiles Einkommen – Dinge, die Herry in den vergangenen drei Jahren nach und nach aufgebraucht hatte, um sein angeschlagenes Geschäft zu finanzieren. Jetzt, da sich sein Geschäft nach der vollständigen Aufzehrung von Hellenas Ersparnissen endlich zu stabilisieren begann, warf Herry sie für eine Frau ab, die er als seine „Gleichgestellte“ betrachtete. Als wäre das noch nicht genug, hatte Hellenas Vater erneut eine Wette verloren. Die Summe war astronomisch. Jeden einzelnen Cent, den Hellena sich über Jahre hinweg hart erarbeitet hatte, hatte ihr Vater ohne das geringste schlechte Gewissen aufgebraucht. Nun hatte sie tatsächlich nichts mehr. Gleichzeitig hatten die Kredithaie ihr lediglich vierundzwanzig Stunden gegeben. Wenn das Geld nicht bezahlt wurde, würde Hellenas kurviger Körper als Pfand dienen, um ihre Forderungen zu begleichen. Herry lachte erneut im Inneren des Zimmers. Seine tiefe Stimme klang unerträglich angenehm. „Mach dir keine Sorgen, Darling. Sobald ich diese fette Sekretärin los bin, können wir endlich zusammen sein. Sie ist viel zu naiv. Zum Glück habe ich sie in diesen drei Jahren nie angerührt.“ Hellena schloss fest die Augen. Die Tränen, die sie zurückgehalten hatte, liefen nun endlich über ihre Wangen. Hatte sie diese Grenzen nicht aus Respekt vor ihrer gemeinsamen Zukunft gewahrt? Doch in Herrys Augen war ihre Unschuld nichts weiter als eine widerliche Form von Dummheit. Ohne einen Laut zu machen, trat Hellena einen Schritt zurück. Die letzten Reste ihrer Würde weigerten sich, vor diesem Bastard zu kriechen. Sie drehte sich um und ging in die Dunkelheit der Nacht davon. Zurück ließ sie jede Illusion von Liebe, die sie drei Jahre lang getäuscht hatte. Das Taxi fuhr mit ihr durch die stillen Straßen. Auf dem Rücksitz senkte Hellena den Kopf und verschränkte ihre zitternden Hände fest in ihrem Schoß. Die Bilder von Herry und ihrer besten Freundin spielten sich immer wieder vor ihrem inneren Auge ab. „Dumm ...“, flüsterte sie heiser, während ihre Stimme brach. „Wie dumm ich war zu glauben, dass es einen Mann geben könnte, der mich wirklich liebt, ohne auf mein Aussehen zu achten ...“ Plötzlich war sie von Leere umgeben. Ihr Freund hatte sie ausgenutzt und betrogen. Ihre beste Freundin hatte ihr einen Dolch in den Rücken gestoßen. Und ihr eigener Vater hatte sie an den Rand des Ruins getrieben. Bzzzt ... Bzzzt ... Das Handy in ihrer Hand vibrierte. Eine unbekannte Nummer erschien auf dem Display. Hellena wischte sich hastig die Tränen aus dem Gesicht, zögerte einen Moment und nahm den Anruf entgegen. „Hallo?“ „Du hast nur noch zweiundzwanzig Stunden“, bellte eine raue Männerstimme am anderen Ende. „Denk nicht einmal daran wegzulaufen, Hellena. Wenn das Geld bis morgen nicht bereitliegt, gehört dein kurviger Körper uns. Hahaha!“ Klick. Das Gespräch wurde abrupt beendet. Hellena erstarrte. Ihr Atem ging sofort unregelmäßig. Die Drohung traf sie wie ein vernichtender Schlag und löste eine Welle der Panik in ihrem Körper aus. Kalter Schweiß bildete sich an ihren Schläfen. Wen konnte sie überhaupt noch um Hilfe bitten? Sie hatte keine andere Familie. Ihre Freunde? Sie hatten sich alle von ihr distanziert, nachdem sie von den schrecklichen Gewohnheiten ihres Vaters erfahren hatten. Ihre Ersparnisse waren vollständig aufgebraucht. Mitten in der Verzweiflung, die sie beinahe zu ersticken drohte, schoss ihr plötzlich ein Name durch den Kopf. Kael Willian. Der CEO des Unternehmens, in dem sie arbeitete – und ihr direkter Vorgesetzter. Der Mann war dafür bekannt, kalt, anspruchsvoll und rücksichtslos zu sein. Kael war der Typ Mensch, der seine Angestellten niemals nach ihrem Aussehen beurteilte – einer der Hauptgründe, warum Hellena trotz der ständigen Hänseleien aus anderen Abteilungen fünf Jahre lang seine persönliche Sekretärin hatte bleiben können. Kael kümmerte sich ausschließlich um Effizienz. Würde ein so kalter Mann tatsächlich bereit sein, einem seiner Mitarbeiter für eine persönliche Angelegenheit eine derart große Summe zu leihen? Hellena bedeckte ihr Gesicht mit beiden Händen. Es schien unmöglich. Während all der Jahre, in denen sie für ihn gearbeitet hatte, hatten sie kaum über etwas anderes als die Arbeit gesprochen. Kael sah sie stets mit einem scharfen, einschüchternden Blick an. Aber welche andere Wahl hatte sie jetzt? Von ihrem Chef abgewiesen und gedemütigt zu werden, war weitaus besser, als sich diesen widerlichen Geldeintreibern auszuliefern. „Hellena, du musst stark bleiben“, flüsterte sie sich selbst zu und versuchte, ihr zunehmend zerbrechliches Herz zu ermutigen. „Es kann nicht schaden, es zu versuchen.“ Als das Taxi schließlich vor ihrem Apartmentgebäude anhielt, übergab Hellena dem Fahrer das letzte Geld aus ihrer Brieftasche. Sie stieg mit schleppenden Bewegungen aus und spürte, wie der Nachtwind schärfer denn je durch ihre Knochen schnitt. In dem stillen Zimmer saß Hellena reglos auf der Bettkante. Sie starrte ausdruckslos auf den Bildschirm ihres Handys. Dort war Kael Willians Kontaktinformation zu sehen – die Nummer, die sie ausschließlich für Notfälle im Unternehmen benutzte. Ihr Daumen schwebte unsicher über dem Bildschirm. Was, wenn Kael wütend wurde? Was, wenn sie wegen dieser Dreistigkeit gleich morgen früh gefeuert wurde? Doch das Bild der Drohungen der Geldeintreiber schoss ihr erneut durch den Kopf und fegte jedes Zögern hinweg. Mit zitternden Händen begann sie zu tippen. [Entschuldigen Sie bitte, dass ich Sie so spät in der Nacht störe, Mr. Kael. Ich möchte mit Ihnen über etwas sehr Wichtiges und Dringendes sprechen. Dürfte ich Sie morgen früh vor Beginn der Arbeitszeit in Ihrem Büro treffen?] Hellena las die Nachricht mehrmals durch und vergewisserte sich, dass sie nicht respektlos klang, bevor sie schließlich auf „Senden“ drückte. Eine Minute ... Zwei Minuten ... Die Zeit schien sich zu verlangsamen und ihr ängstliches Herz zu quälen. Dann leuchtete plötzlich erneut der Bildschirm ihres Handys auf. Eine Antwort war eingetroffen. Kurz. Präzise. Und mächtig genug, dass ihr Herz für einen Moment aussetzte. [Du musst nicht bis morgen warten. Komm heute Nacht zu mir in meine Wohnung.] Hellena starrte auf die Nachricht. Erneut liefen Tränen über ihre Wangen. Doch diesmal begleitete ein kleiner Hoffnungsschimmer ihre Tränen. „Ich hoffe, Mr. Kael ist bereit, mir zu helfen“, murmelte Hellena hoffnungsvoll. Gleichzeitig regte sich jedoch ein ungutes Gefühl in ihrer Brust, als sie an ihren unberechenbaren Vorgesetzten dachte. Aber ... warum würde Mr. Kael sie mitten in der Nacht in seine private Wohnung bitten?Kapitel 82Das Hauptschlafzimmer des Anwesens der Familie Smith wirkte unerträglich still und kalt, als Hellena es betrat. Der Nieselregen draußen war stärker geworden und klopfte sanft gegen die Fensterscheiben, als würde auch er um die Zerstörung des Herzens der fülligen Frau trauern.Hellena schaltete das Licht im Schlafzimmer ein und ignorierte den Saum ihres blauen Samtkleides, der leicht feucht geworden war. Mit noch immer zitternden Fingern streifte sie das luxuriöse Abendkleid ab und zog die einfachste Alltagskleidung an, die sie besaß – ein lockeres Baumwoll-T-Shirt und eine schlichte lange Hose. Auf ihrem Gesicht blieb keine Spur von Make-up zurück, auch kein Perlenschmuck. Alles, was blieb, war ihr blasses Gesicht mit zwei verquollenen, geröteten Augen.Hellena zog ihren mittelgroßen Koffer aus dem Kleiderschrank. Einen nach dem anderen faltete sie ihre einfachen Kleidungsstücke zusammen und legte sie hinein. Kein einziges der luxuriösen Stücke, keines der teuren Kleider od
Kapitel 81Gerade als Hellena zwei Schritte in Richtung des Saalausgangs getan hatte, schnitt eine schrille Stimme, die sie nur zu gut kannte, durch den donnernden Applaus der Gäste. Die Stimme dröhnte durch das Mikrofon und hallte in jedem Winkel der geräumigen Halle wider.„Sekretärin Hellena!“, rief Vivian Wheeler in einem süßlichen, aber gebieterischen Tonfall, der voller Gift steckte. „Könnten Sie uns bitte das Etui mit unseren Verlobungsringen von dem Tisch neben der Bühne bringen?“Hellenas Schritte kamen abrupt zum Stillstand. Ihr Körper erstarrte mitten im Gang. Eine eiskalte Empfindung breitete sich augenblicklich von ihren Zehenspitzen bis in ihre Brust aus. Noch bevor sie überhaupt verarbeiten konnte, was gerade geschehen war, ertönte erneut Kaels Baritonstimme von der Bühne – die Stimme, bei der sie sich sonst immer sicher gefühlt hatte, klang nun so fremd und kalt.„Hellena, bringen Sie das Etui bitte sofort her“, rief Kael monoton.Hellena schloss langsam die Augen. Si
Kapitel 80Das Klirren der Kristallgläser und die schwungvollen Klänge der Symphonie verblassten allmählich, als die Hauptbeleuchtung des großen Festsaals mehrmals flackerte. Der Moderator betrat die prachtvolle Bühne und bat alle geladenen Gäste, ihre volle Aufmerksamkeit dem Höhepunkt des heutigen Jubiläumsabends zu schenken.Hinter dem purpurroten Samtvorhang an der Seite der Bühne erschien schließlich Kael William Smith. Er sah in seinem maßgeschneiderten schwarzen italienischen Smokingsuit, der seine athletische Statur perfekt betonte, ausnehmend gut aus. An seiner Seite schritt Madam Hansel elegant in einer smaragdgrünen Abendrobe voran und grüßte mit einem warmen Lächeln die Reihen der Geschäftspartner und Medienvertreter, deren Kamerablutze nicht aufhörten zu blitzten.Donnernder Applaus hallte durch jeden Winkel des Saals.Reglos im Gang unterhalb der Bühne stehend, richtete Hellena ihre hellen, runden Augen ganz auf den Mann, den sie so tief liebte. Ein aufrichtiges, sanfte
Kapitel 79Der lang ersehnte Abend war endlich gekommen. Der große Festsaal des Fünf-Sterne-Hotels im Herzen der Stadt hatte sich in einen atemberaubenden Veranstaltungssaal verwandelt, geschmückt mit Tausenden von Kristallkronleuchtern und erfüllt von den bezaubernden Klängen klassischer Musik. Die Feier anlässlich des 30-jährigen Bestehens der Smith Group wurde nicht nur von elitären Persönlichkeiten aus der Wirtschaft und hochrangigen Beamten besucht, sondern auch von dutzenden namhaften Medienvertretern, die sich bereits mit ihren Kameras entlang des roten Teppichs in Stellung gebracht hatten.Derweil stand Hellena im Hauptschlafzimmer des Anwesens der Familie Smith vor einem ganzkörpergroßen Spiegel, ihr Atem ruhig und gleichmäßig. Sie begutachtete ihr Erscheinungsbild von Kopf bis Fuß. Am Morgen hatte Kael sie noch einmal daran erinnert, sich frühzeitig fertig zu machen, da er vorab am Veranstaltungsort sein musste, um die technischen Vorbereitungen mit dem Vorstand zu überwach

















