Compartir

Kapitel 3

Autor: Eternity
Das Gästezimmer, das ich vorbereitet hatte, war nicht wiederzuerkennen.

Die neue Bettwäsche war abgezogen und auf den Boden geworfen worden.

Designer-Koffer, Make-up, Schuhe, Schmuck – die Hälfte des Raumes war mit Claras Habseligkeiten gefüllt.

Ein riesiger Teddybär thronte auf dem Bett wie eine Fahne auf erobertem Gebiet.

Die Haustür öffnete sich erneut und Claras Lachen drang herein.

„Danke, dass du mich in das Restaurant gebracht hast, Damian. Das hat mich wirklich aufgemuntert. Ich hätte fast vergessen, wie schrecklich der heutige Tag war.“

Damian lockerte seine Krawatte, als er eintrat. „Clara hatte wieder eine Auseinandersetzung auf dem Anwesen. Die Stimmung war nicht gut. Ich habe ihr gesagt, dass sie ein paar Tage hierbleiben kann.“

Ich lachte leise. „Damian, ich habe dir vor einer Woche gesagt, dass Ava in dieses Zimmer einziehen wird.“

Zum ersten Mal an diesem Abend zögerte er.

Diese winzige Pause sagte mir alles. Er hatte es vergessen.

Als ich ihn damals fragte, sah er nicht einmal von den Dokumenten vor ihm auf.

„Das ist deine Freundin. Entscheide du. Du brauchst meine Meinung nicht für jede Kleinigkeit.“

Nun presste er die Lippen zusammen.

„Es tut mir leid.“ Dann hob er die Dessertbox in seiner Hand.

Seine Stimme wurde weich, wie um ein Kind zu besänftigen.

„Ich habe einen Ort gefunden, der dir gefallen könnte. Ich nehme dich am Wochenende mit.“

Ich warf einen Blick auf das Logo – das Restaurant, zu dem ich ihn monatelang gebeten hatte, mit mir zu gehen.

Jedes Mal war er zu beschäftigt gewesen.

Heute Abend war er stattdessen mit Clara dorthin gegangen.

Ich nahm ihm die Box ab, ging in die Küche und warf sie direkt in den Müll.

Damians Gesicht verlor jede Farbe. Clara eilte herbei.

„Elena, es ist meine Schuld. Ich habe nichts dagegen, das Zimmer mit deiner Freundin zu teilen.“

Ich lächelte, ging ins Gästezimmer, hob ihren Koffer, den Teddybären und all die Einkaufstüten auf, die sie mitgebracht hatte, und trug alles Stück für Stück in den Flur.

Clara erstarrte. Ihre Augen wurden sofort rot. „Aber das sind alle meine Sachen. Wo soll ich denn heute Nacht schlafen?“

Ich warf einen Blick zum Schlafzimmer.

„Ach. Du kannst bei Damian schlafen. Mich stört es nicht.“

Ihr Gesicht wurde purpurrot. „Elena! Wenn du mich nicht hier haben willst, dann sag es einfach. Du musst mich nicht demütigen.“

Sie brach in Tränen aus und rannte zur Haustür.

Diesmal folgte Damian ihr nicht.

Stattdessen sah er mich mit zusammengezogenen Brauen an.

„Sie hat nicht absichtlich deine Sachen angefasst. Sie hat viel durchgemacht. Wenn du nicht wolltest, dass sie hierbleibt, hättest du es mir sagen können. Es gab keinen Grund, sie vorzuführen.“

Das Lächeln wich von meinem Gesicht. „Das ist unser Zuhause. Du bringst eine andere Frau hierher – und ich bin die Unvernünftige, weil ich erwarte, dass du mich zuerst fragst?“

Damian seufzte. „Clara hat keinen Ort, an den sie sonst gehen kann. Ich dachte, du hättest ein wenig Mitgefühl. Es sind nur ein paar Tage. Ich hielt so etwas Vorübergehendes nicht für etwas, das wir besprechen mussten.“

Er machte eine Pause, bevor er hinzufügte: „Genau wie deine Freundin, die hierbleibt. Du hast meine Erlaubnis auch nicht gebraucht.“

Vor einem Monat hätte ich widersprochen. Ich hätte gesagt: „Ich bin nicht wie du. Ich würde niemals einen männlichen Freund in unser Zuhause bringen.“

Ich hätte gefragt, warum Claras Wohlbefinden immer mehr zählte als meines.

Ich hätte gekämpft, um Damian begreiflich zu machen, wie sehr er mich verletzt hatte.

Aber jetzt nickte ich einfach. „Du hast recht. Niemand braucht eine Erlaubnis.“

Wenn das stimmte, brauchte ich seine Erlaubnis nicht, um New York zu verlassen, ihn zu verlassen oder unser Kind irgendwo großzuziehen, wo er uns niemals finden konnte.

Ich ging zur Haustür und hielt sie ihm offen.

„Du solltest nach Clara sehen. Ich packe weiter.“

Aus irgendeinem Grund gab er sich mit dieser Antwort nicht zufrieden.

Er durchquerte den Raum mit großen Schritten und packte mein Handgelenk. „Clara kann sich selbst ein Hotel buchen.“

Sein Blick fiel auf den offenen Koffer neben mir.

Sein Ausdruck veränderte sich endlich. „Warum packst du? Wo willst du hin?“

Continúa leyendo este libro gratis
Escanea el código para descargar la App

Último capítulo

  • Er ahnte nichts von unserem Kind   Kapitel 10

    Vor Jahren verschwand Damian nach dem Abendessen einfach.Stunden später fragte ich schließlich: „Alles in Ordnung?“Seine Antwort war immer dieselbe.„Ja.“Kein einziges Mal kam er auf die Idee, mir zu sagen, dass er fertig war, oder zu fragen, wie mein Abend gewesen war.Wenn ich nachfragte, seufzte er: „Hast du denn nichts anderes zu tun, als auf meine Nachrichten zu warten?“Ich hatte längst aufgehört, darauf zu achten, ob jemand innerhalb weniger Minuten antwortete.Und jedoch ließ Liams Erklärung etwas Warmes in meiner Brust zurück.Ich tippte zurück.„Mach dir keinen Kopf. Erledig erst mal, was du zu tun hast.“Fast augenblicklich erschienen oben auf dem Bildschirm die drei Punkte, die anzeigten, dass er tippte. Eine lange Nachricht erschien.„Niemand ist so beschäftigt, dass er nicht kurz jemandem, der ihm wichtig ist, sagen kann, dass er an ihn denkt. Es dauert nur ein paar Sekunden zu sagen: ‚Ich bin eine Weile beschäftigt.‘ Oder: ‚Ich melde mich später.‘ Menschen, die einem

  • Er ahnte nichts von unserem Kind   Kapitel 9

    Clara stand offenbar schon seit einer Weile vor der Tür.Sie trat mit einem zögerlichen Lächeln ein.„Nein“, antwortete Damian kalt.Clara sah ihn überrascht an.„Aber du hast mir früher immer bei solchen Dingen geholfen.“Damians Miene blieb kalt. „Dann wird es Zeit, dass du lernst, dich selbst darum zu kümmern.“Clara blinzelte. Das Lächeln verschwand langsam aus ihrem Gesicht.Sie warf einen Blick auf mich.„Elena, bitte sei nicht böse auf Damian wegen mir.“Ich lächelte höflich. „Mach dir keine Sorgen. Wir sind nicht mehr zusammen.“Einen winzigen Moment lang zeigte sich Erleichterung auf Claras Gesicht, die jedoch fast sofort wieder verschwand.„Ich wollte nie, dass ihr zwei euch wegen mir streitet.“Damian sah endlich von den Dokumenten vor ihm auf.„Wenn du Fragen zur Sitzordnung hast, wende dich an den Familiensekretär.“Clara starrte ihn an. Diese Antwort hatte sie offenbar nicht erwartet.„Ich habe zugelassen, dass du dich bei Dingen auf mich verlässt, die du längst selbst hä

  • Er ahnte nichts von unserem Kind   Kapitel 8

    Der Bräutigam lächelte Ava an. „Und noch etwas. Ich möchte nie, dass du dich fragst, ob du mich störst. Wenn dich etwas zum Lachen bringt, möchte ich davon hören. Wenn dich etwas erschreckt, möchte ich das auch wissen. Es spielt keine Rolle, wie unbedeutend es ist. Ich möchte der Erste sein, an den du denkst.“Der Raum brach in Applaus aus.Durch die Menge hindurch sah ich Damian.Er stand ganz hinten im Ballsaal und starrte das Paar an.Dann bemerkte er meinen Blick und drehte sich um.Unsere Blicke trafen sich. Früher hatte ein einziger Blick wie dieser genügt, um mein Herz rasen zu lassen.Jetzt spürte ich gar nichts mehr.Nach der Zeremonie zog ich mein Brautjungfernkleid aus, bevor ich mich zum Abendessen zu den anderen gesellte.Es hatte kurzfristig Änderungen bei der Sitzordnung gegeben. Meine Platzkarte war verschwunden.Ein kleines Blumenmädchen nahm meine Hand. „Ich glaube, hier drüben ist Ihr Platz.“Sie führte mich zu einem Tisch in der Ecke,an dem hauptsächlich Kinder un

  • Er ahnte nichts von unserem Kind   Kapitel 7

    Ich starrte auf den Bildschirm und überlegte schon, wie ich die nächste Nachricht taktvoll formulieren könnte.Bevor ich tippen konnte, erschien eine weitere Nachricht.„Wolltest du mir etwas sagen?“Einen Moment später vibrierte mein Telefon erneut – eine Bankbenachrichtigung. Eine Überweisung war eingegangen.Ich riss die Augen auf. Fünfstellig. Ich erstarrte.Dann kam eine weitere Nachricht.„Kein Versehen.“„Begleite mich diesen Samstag zu einer Hochzeit in New York. Ein entfernter Cousin heiratet. Meine Familie wird den ganzen Tag fragen, warum ich immer noch allein bin.“„Ich gehe lieber mit einer falschen Verabredung hin, als diese Fragen zu beantworten.“„Du bist schließlich ungebunden, oder?“ „Sieh es als das Geld als Gefahrenzulage.“Ich musste lachen. Leider fand Avas Hochzeit am selben Tag statt.Zum ersten Mal in unserer Freundschaft trat eine beträchtliche Summe gegen meine Loyalität an.Ich starrte auf den Betrag auf meinem Bildschirm. Davon ließen sich mehrere Monatsmi

  • Er ahnte nichts von unserem Kind   Kapitel 6

    Ich antwortete ruhig.„Hätte es etwas geändert, wenn ich es dir gesagt hätte?“Es herrschte Stille. Damian wusste genau, woher diese Worte kamen – er hatte sie unzählige Male selbst an mich gerichtet.Seine Stimme wurde weicher, fast entschuldigend.„Übermorgen treffen sich ein paar Freunde. Sie bringen alle ihre Partner mit. Ich weiß noch, dass du sie immer kennenlernen wolltest.“„Nein.“ Ich zögerte keine Sekunde.Monate zuvor hatte ich mir nichts sehnlicher gewünscht, als ein Teil seiner Welt zu sein.Damian sagte immer, er schätze seine Privatsphäre, er brauche Raum.Jetzt, wo ich gegangen war, ließ er mich plötzlich in seine Welt hinein.Er machte eine Pause. „Du verbringst deine ganze Zeit mit Ava. Ich bin dein Freund. Wenn du shoppen, einen Film schauen oder einen Wochenendausflug machen möchtest – ich begleite dich.“Ich musste beinahe lachen. Jahrelang hatte ich ihn genau um solche Dinge gebeten. Es gab immer eine andere Besprechung, eine andere Reise, eine andere Ausrede.I

  • Er ahnte nichts von unserem Kind   Kapitel 5

    Meine erste Woche in London verlief anders, als ich mir vorgestellt hatte.Meine Unterlagen für die Einarbeitung waren plötzlich verschwunden. Mein Sicherheitsausweis kam nie an. Meine Systemzugänge ließen tagelang auf sich warten.Bis alles geklärt war, hatte man mir bereits den unbeliebtesten Account der Abteilung zugewiesen – ein unmöglicher Termin, ein unmögliches Ziel.Es dauerte nicht lange, bis ich verstand, warum. Offiziell wurde das Team vom Sohn des Gründers geleitet – jung, brillant und selten im Büro.Die täglichen Entscheidungen traf stattdessen der Regionaldirektor.Die beiden waren sich in fast allem uneinig.Ohne es zu merken, war ich zum Kollateralschaden geworden.Wieder einmal hing mein Freigabeantrag in einer anderen Abteilung fest.Es gab keine Antwort und keine Erklärung. Frustriert öffnete ich die oben angeheftete Konversation in meinen Nachrichten.Bevor ich mich zurückhalten konnte, schickte ich ein weinendes Katzen-Emoji.Ich wollte mich eigentlich bei Ava bes

Más capítulos
Explora y lee buenas novelas gratis
Acceso gratuito a una gran cantidad de buenas novelas en la app GoodNovel. Descarga los libros que te gusten y léelos donde y cuando quieras.
Lee libros gratis en la app
ESCANEA EL CÓDIGO PARA LEER EN LA APP
DMCA.com Protection Status