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Aus Cherises Sicht
Henry Ford, der Geschäftsführer und Kopf des Unternehmens, war der Erste, der applaudierte. Er schüttelte ungläubig den Kopf, als hätte er noch nie zuvor eine solche Strategie gehört.
Als der Applaus langsam verebbte, ergriff er als Erster das Wort, und ich spürte, wie mein Herz dahinschmolz.
„Nun, ich muss schon sagen, Cherise“, sagte er in seiner gewohnt nüchternen Art. „Sie verstehen es wirklich, den Markt in Bewegung zu bringen. Ich bin beeindruckt.“
Mit so viel Applaus nach meiner Präsentation hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ehrlich gesagt waren meine Erwartungen von Anfang an ziemlich niedrig gewesen.
Niemand wollte einer Frau Komplimente machen, besonders nicht in einem Unternehmen wie der Ford Innovations Company.
„Danke, Sir“, sagte ich so höflich wie möglich. Trotzdem konnte ich mir das Lächeln nicht verkneifen, das sich auf meinem Gesicht ausbreitete.
Vom Geschäftsführer von Ford Innovations gelobt zu werden, war alles andere als selbstverständlich. Tatsächlich applaudierte er so gut wie nie für jemanden.
„Wir setzen das sofort um. Gibt es Einwände?“, fragte Henry, ohne sich auch nur die Mühe zu machen, in die Runde des langen Konferenztischs zu blicken.
Ich wartete.
Asher James hob die Hand.
Mir klappte der Mund auf.Asher war mein Freund. Wir arbeiteten in derselben Firma. Nie im Leben hätte ich erwartet, dass ausgerechnet er Einspruch erheben würde. Alle Augen richteten sich auf ihn. Diejenigen, die wussten, dass wir ein Paar waren, lächelten verkrampft.
„Ja?“, fragte Henry.
„Sie hat vorgeschlagen, unsere neuen Produkte nicht im Fernsehen zu bewerben. Und damit bin ich nicht einverstanden.“
Henry sah mich an, als würde er überlegen, ob er Asher recht geben oder mich wieder auf meinen Platz schicken sollte. Schließlich entschied er sich dafür, mich stehen zu lassen.
„Fahren Sie fort, Asher. Erklären Sie uns, warum Sie der Meinung sind, dass wir im Fernsehen werben sollten.“
Asher nickte, strich sein Jackett glatt und drehte sich dann zum restlichen Vorstand um. Mich sah er nicht einmal an.
„Wir befinden uns mitten in einem digitalen Wandel. Viele Menschen arbeiten inzwischen von zu Hause aus – vor allem diejenigen, die es können. Und genau diese Leute verfügen über das nötige Geld, um sich unsere Produkte leisten zu können. Schließlich verkaufen wir keine Lamborghinis.“ „Den Vergleich mit Lamborghini lasse ich gelten, Asher“, erwiderte ich. „Aber glauben wir wirklich, dass Menschen im Homeoffice Zeit haben, fernzusehen, wenn sie die meiste Zeit vor ihrem Laptop sitzen und nach dem nächsten gut bezahlten Auftrag suchen? Und nach welchen Kriterien wollen wir überhaupt entscheiden, auf welchen Sendern unsere Werbung laufen soll? Ich denke, wir sind uns doch alle einig, dass unsere Kinder heutzutage mehr fernsehen als wir. Oder etwa nicht?“Im Raum wurde es still.
Asher wirkte geschlagen. Aber warum hatte er das überhaupt zur Sprache gebracht? Ich hatte gedacht, er würde mich unterstützen.
„Ich habe keine Kinder und schaue selbst schon lange kein Fernsehen mehr“, sagte Henry schließlich. „Asher, überlegen Sie sich Ihre Einwände künftig besser, bevor Sie sie vorbringen. Wenn wir unser Geld verschwenden würden, gäbe es auch keine Gehälter mehr. Die Besprechung ist beendet.“
Ich packte meine Sachen zusammen und ging durch eine andere Tür hinaus. Ich warf sie auf meinen Schreibtisch und ließ mich in meinen Stuhl fallen. Ich war total erschöpft, aber überglücklich, dass sich meine harte Arbeit endlich ausgezahlt hatte.
Zum ersten Mal würde ich das PR-Team von Ford Innovations leiten.
Der vorherige PR-Stratege hatte keine besonders gute Arbeit geleistet, obwohl ihm ein Budget von über zweihundert Millionen Dollar zur Verfügung gestanden hatte. Henry hatte ihn nur einen Monat später entlassen. Gerüchten zufolge hatte sich sein Leben danach allerdings zum Besseren gewendet.Ein Klopfen an der Tür riss mich aus meinen Gedanken. Ich hatte sie offen gelassen, als ich hereingekommen war.
Asher trat ein. Auf seinen Lippen lag ein selbstgefälliges Grinsen.
„Was sollte das eben?“, fragte ich.„Wovon redest du?“, entgegnete er, schob meinen Laptop beiseite und setzte sich auf meinen Schreibtisch.
„Tu nicht so, als könntest du dich nicht erinnern, Ash. Warum hast du die Hand gehoben, als der Chef gefragt hat, ob es Einwände gibt?“
Er zuckte mit den Schultern. „Weil ich einen Einwand hatte.“
„Das war doch gar kein richtiger Einwand, Ash. Du hast nur nach einer Gelegenheit gesucht, mich aus dem Konzept zu bringen.“
„Vielleicht hast du recht.“
„Was?“
„Vielleicht wollte ich genau das. Ich meine, du solltest es hier nicht allzu leicht haben.“
„Wovon redest du überhaupt?“, fragte ich.
Asher benahm sich plötzlich völlig anders.
„Hör zu. Das hier ist Ford, okay? Jeder hier ist genauso ehrgeizig wie du, Schatz. Ich arbeite schon länger hier als du und habe nach keiner meiner Präsentationen jemals so eine Reaktion bekommen.“ Er seufzte. „Und dann kommst du, hältst zum ersten Mal in diesem Raum eine Präsentation und bekommst sofort den Auftrag. Für so eine Chance haben die meisten von uns jahrelang gearbeitet.“
„Und du glaubst, ich hätte nicht genauso hart dafür gearbeitet?“, fragte ich scharf.
Er zuckte wieder nonchalant mit den Schultern. „Hmm. Kann ich nicht beurteilen.“
Ich schnaubte und schüttelte den Kopf. Es gab einiges, was ich ihm am liebsten an den Kopf geworfen hätte, aber ich hielt mich zurück. Schließlich war er seit Jahren mein Freund, und wir waren immer noch auf der Arbeit.
Ich hatte meinen Lebenslauf und mein Anschreiben eingereicht und mich ganz normal auf die Stelle beworben. Laut Ash hatte allerdings er dafür gesorgt, dass ich den Job bekam. Angeblich hatte er beim Personalchef ein gutes Wort für mich eingelegt und mir dadurch einen Vorteil verschafft.
Doch das war nicht der einzige Grund, weshalb ich ihm etwas schuldig war.
„Bis später, Schatz“, sagte Asher und verließ meinen Arbeitsplatz.
Nun, von einer Feier hatte er mit keinem Wort gesprochen.
Kaum war er verschwunden, erschien Nelissa Cane, Henry Fords Sekretärin, an meiner Tür. Sie trat nicht einmal ein, als würde sie diesen Ort verabscheuen.
„Herr Ford erwartet Sie jetzt“, sagte sie knapp.
Ich sprang sofort auf und glaubte für einen Moment, er stünde direkt hinter ihr. Dabei stieß ich mir das Knie. „Er ist … Er ist hier?“
„Nein, in seinem Büro. Folgen Sie mir.“ Nelissa drehte sich um und ging los.
Ich schnappte mir hastig meinen Laptop und eilte ihr hinterher.
***
Wir fuhren mit dem Aufzug in die oberste Etage. Dort war es deutlich heller, denn die bodentiefen Glasfenster ließen das Sonnenlicht ungehindert herein.Vor einer Tür mit der Aufschrift „CEO“ blieben wir stehen. Nelissa öffnete sie.Das Büro war größer als der Konferenzraum. Geräumig. Alles sah aus wie aus Glas, und ich achtete auf meine Schritte, aus Angst, etwas zerbrechen zu könnten.
Henry Ford blickte von seinem Stuhl auf dem Podium auf und kam auf uns zu.
Nelissa hielt mich mit einer Hand zurück.
„Danke, Nelissa. Ich übernehme ab hier.“
Aus der Nähe konnte ich ihn mir zum ersten Mal richtig ansehen. Er war groß, und unter seinem maßgeschneiderten Anzug zeichnete sich eine athletische Statur ab. Sein schwarzes Haar war glatt und seidig, und seine smaragdgrünen Augen raubten mir für einen Moment den Atem.
Er streckte mir die Hand entgegen. Ich zögerte. „Nehmen Sie sie“, sagte er.
Ich ergriff seine Hand. Sein Händedruck war fest.
„Sie haben da draußen wirklich hervorragende Arbeit geleistet, Cherise.“
„Danke, Sir.“
„Ich hoffe, Sie werden meine Erwartungen auch weiterhin übertreffen“, sagte er mit einem Anflug von Erwartung in der Stimme.
„Ich werde immer mein Bestes geben, Sir.“
„Gut, und genau deshalb gebe ich Ihnen ein weiteres Projekt“, sagte er und reichte mir eine Akte.
Ich öffnete sie, blätterte sie durch und sog scharf die Luft ein. „Sir ... das ist ein Projekt der Stufe zwölf. Ich bin doch gar nicht auf Stufe zwölf.“
„Das weiß ich. Ihre Einstufung wurde soeben angehoben – ebenso Ihr Gehalt und Ihre Zulagen. Ab sofort übernehmen Sie auch anspruchsvollere Projekte, wie sie bisher Asher James und die anderen bearbeitet haben.“
Genau das war das Problem. Asher. Er würde mit Sicherheit ausrasten, sobald er erfuhr, dass ich auf dieselbe Stufe befördert worden war wie er. Und der Rest des ehrgeizigen Vorstands vermutlich genauso.
Mein Gott ...Was sollte ich jetzt nur tun?CHERISE’S SICHTIch verbrachte den ganzen Nachmittag damit, mich zu fragen, was Henry mich fragen wollte.Jedes Mal, wenn ich ihn sah, suchte ich in seinem Gesicht nach einem Hinweis.Er hat mir nichts gegeben.Am Ende der Arbeit hatte sich meine Neugierde in Frustration verwandelt.Ich ging in sein Büro und verschränkte meine Arme.„Du hast mich den ganzen Tag gefoltert“, beschwerte ich mich und starrte ihn an.Henry blickte mit einem amüsierten Lächeln von seinem Schreibtisch auf."Ich wusste nicht, dass ich so viel Macht habe."„Du weißt genau, was du tust.“Er kicherte, als er aufstand."Komm mit mir."Ich folgte ihm nach unten, immer noch misstrauisch.Als wir nach draußen traten, bemerkte ich, dass sein Auto wartete."Wohin gehen wir?""Du wirst es herausfinden."Ich stöhnte."Du genießt es wirklich, mich in Atem zu halten."Er öffnete mir die Beifahrertür."Komm rein, Cherise."Ich kletterte hinein und beobachtete ihn immer noch misstrauisch.Die Fahrt dauerte nicht lange.Als
CHERISES SICHTIch wachte am nächsten Morgen auf und Henrys Worte waren immer noch in meinem Kopf.Ich will auch die normalen Tage.Sie waren bei mir geblieben, lange nachdem wir das Dach verlassen hatten.Ich hatte so viel meines Lebens damit verbracht, mir Sorgen darüber zu machen, was schief gehen könnte, dass ich mir selten erlaubte, mir vorzustellen, was richtig gehen könnte.Aber jetzt, wo ich im Bett lag und ins Morgenlicht starrte, dachte ich über die Zukunft nach.Keine perfekte Zukunft.Nur ein Leben, in dem Henry dort war.Ein Leben, in dem wir darüber streiten, was wir essen, uns über die Arbeit beschweren, über dumme Dinge lachen und zueinander nach Hause kommen können.Der Gedanke brachte mich zum Lächeln.Mein Telefon vibrierte neben mir.Eine Nachricht von Henry erschien.Guten Morgen. Hast du schon gegessen?Ich lachte leise.Ich habe zurück getippt.Guten Morgen auch dir. Und ja, ich bin durchaus in der Lage, mich selbst zu ernähren.Seine Antwort kam fast sofort.Ic
CHERISE’S SICHTIch wusste, dass etwas anders war, als ich das Büro betrat.Henry stand mit den Händen in den Taschen neben meinem Schreibtisch und beobachtete mich mit einem Ausdruck, den ich nicht ganz lesen konnte.„Du bist früh hier“, sagte ich und stellte meine Tasche ab.Er lächelte. "Du auch."Ich kniff meine Augen spielerisch zusammen. "Das beantwortet meine Frage nicht."Er trat näher und senkte seine Stimme. „Ich wollte dich sehen, bevor der Tag hektisch wird.“Mein Herz erwärmte sich.„Du hast mich gestern Abend gesehen“, erinnerte ich ihn und versuchte, mein Lächeln zu verbergen."Ich weiß."„Warum schaust du mich dann so an?“Sein Gesichtsausdruck wurde weicher."Weil ich immer noch nicht glauben kann, dass du mir gehörst."Die Worte haben mich überrascht.Ich starrte ihn einen Moment lang an, bevor ich meinen Kopf schüttelte. „Henry, du lässt alles so ernst klingen.“„Weil du es mit mir ernst meinst“, antwortete er mit ruhiger Stimme.Das neckende Lächeln verschwand von
CHERISE’S SICHTIch wachte mit einem seltsamen Gefühl des Friedens auf.Für ein paar Sekunden blieb ich unter der Decke und lauschte dem ruhigen Rhythmus von Henrys Atmung neben mir. Letzte Nacht spielte sich immer wieder in meinem Kopf ab.Ich wähle dich.Ich hatte diese Worte ohne Angst gesagt.Diese Erkenntnis machte meine Brust warm.Ich drehte mich zu Henry um und fand ihn bereits wach und beobachtete mich mit einem sanften Lächeln.„Du starrst“, murmelte ich und versteckte mein Gesicht unter der Decke.Henry kicherte leise, als er nach meiner Hand griff. "Ich darf die Frau anstarren, die mir gerade gesagt hat, dass sie mich wählt", antwortete er, seine Augen waren voller Zuneigung.Ich senkte die Decke und begegnete seinem Blick. „Das wirst du mich nie vergessen lassen, oder?“„Niemals“, versprach er und drückte meine Finger.Seine Antwort brachte mich zum Lächeln.Aber unter dem Glück gab es immer noch einen kleinen Teil von mir, der Angst hatte.Nicht von Henry.Etwas so Gutes
ASHER’S SICHTAm nächsten Abend saß Asher Nelissa gegenüber in einem ruhigen Restaurant.Er hatte sich einen kleinen Tisch in der Nähe des Fensters ausgesucht, weg von der Menge. Die sanfte Musik, die im Hintergrund spielte, machte die Atmosphäre überraschend friedlich.Nelissa studierte ihn einen Moment lang, bevor sie lächelte.„Du siehst heute Abend tatsächlich entspannt aus“, sagte sie und hob eine Augenbraue mit einem neckenden Gesichtsausdruck.Asher kicherte und lehnte sich in seinem Stuhl zurück."Vielleicht lerne ich endlich, mich zu entspannen", antwortete er, sein Gesichtsausdruck war leichter als seit Wochen.Nelissa lächelte wissend.„Oder vielleicht hast du endlich aufgehört, dich wegen Cherise zu quälen“, neckte sie und legte ihr Kinn leicht gegen ihre Hand.Ashers Lächeln verblasste leicht."Ich arbeite immer noch daran", gab er ehrlich zu, seine Finger zeichneten den Rand seines Glases nach.Nelissas neckender Gesichtsausdruck wurde weicher.„Ich weiß“, antwortete sie
CHERISES SICHTAm nächsten Abend stand Cherise auf dem Balkon der neuen Wohnung und beobachtete die Lichter der Stadt darunter.Alles fühlte sich seltsam friedlich an.Nach tagelangem Umgang mit Daniel, den Aktionären und dem ständigen Druck, der das Unternehmen umgibt, hatte sie endlich einen Moment, in dem sie einfach atmen konnte.Sie hörte Schritte hinter sich.Als sie sich umdrehte, näherte sich Henry mit zwei Gläsern Saft.„Du bist auf mir verschwunden“, sagte Henry mit einem spielerischen Lächeln und hielt ihr ein Glas entgegen.Cherise akzeptierte es mit einem leisen Lachen.„Ich brauchte etwas Luft“, antwortete sie und lehnte sich an das Geländer.Henry stand neben ihr und studierte ihr Gesicht.„Du hast geschwiegen, seit wir angekommen sind“, bemerkte er, seine Augenbrauen hoben sich besorgt leicht.Cherise drehte sich mit einem kleinen Lächeln zu ihm um."Ich habe an uns gedacht."Sein Gesichtsausdruck wurde sofort weicher."Und was hast du entschieden?" Fragte er und nahm







