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004

last update publish date: 2026-09-01 03:59:28

Chapter 4

Amelias POV

Die Übelkeit, die ich spĂŒrte, fĂŒhlte sich nicht wie eine Krankheit an; es fĂŒhlte sich an, als versuche mein Körper, die reine Erinnerung an jene Nacht auszuspĂŒlen.

Ich schaffte es gerade noch in die Toilettenkabine im Hauptquartier der Sinclair Group, bevor mein FrĂŒhstĂŒck den Porzellangöttern geopfert wurde. Ich lehnte meine Stirn gegen die kĂŒhle MetalltĂŒr, mein Herz hĂ€mmerte einen hektischen Rhythmus. Es waren drei Wochen seit der Nacht im The Obsidian. Drei Wochen, seit ich meine WĂŒrde gegen den Herzschlag meines Vaters eingetauscht hatte.

Ich war nicht gefeuert worden. Anscheinend war Xavier Sinclair zu beschĂ€ftigt damit, ein globales Imperium zu fĂŒhren, um persönlich eine KĂŒndigungsbenachrichtigung an eine Junior-Designerin zu ĂŒberbringen. Oder vielleicht, schmerzlicher, hatte er einfach vergessen, dass ich existierte, in dem Moment, als er den Club verlassen hatte. Ich ging zur Arbeit, saß an meinem Schreibtisch und starrte auf die AufzĂŒge, jedes Mal verĂ€ngstigt und hoffnungsvoll, wenn sich die goldenen TĂŒren öffneten.

Aber er erschien nie.

„Lia, du siehst aus wie ein Geist“, sagte Chloe, als ich aus dem Bad kam und mir den Mund mit einem feuchten Papiertuch abwischte. „Geh nach Hause. Oder geh ins Krankenhaus. Du bist dem Design-Team keine Hilfe, wenn du ĂŒber deinen BauplĂ€nen ohnmĂ€chtig wirst.“

„Mir geht’s gut“, log ich, obwohl der Geruch von Chloes Haselnusskaffee meinen Magen einen langsamen, ĂŒbelkeitserregenden Salto machen ließ. „Ich gehe nur in der Mittagspause kurz ins Krankenhaus, um nach meinem Vater zu sehen.“

Das Krankenhaus war zu meinem zweiten Zuhause geworden. Die Operation meines Vaters war erfolgreich gewesen, aber seine Genesung war ein Berg, den wir Zentimeter fĂŒr Zentimeter qualvoll erklommen. Er war stabil, aber immer noch schwach. Es gab weitere Behandlungen, mehr Überwachung und die stĂ€ndige Angst, dass sein Herz beschließen wĂŒrde, wieder mĂŒde zu sein.

Als ich durch die Lobby des St. Jude’s ging, der Kopf drehte sich, sah ich einen Ă€lteren Mann, der mit einem schweren Holzstock kĂ€mpfte. Er sah verwirrt aus, klammerte sich an einen Zettel und blinzelte auf das Verzeichnis. Er war schlicht gekleidet, aber in seinen Augen lag eine Freundlichkeit, die mich so sehr an meinen Vater erinnerte.

„Haben Sie sich verlaufen, Sir?“ fragte ich und drĂ€ngte mich durch meinen eigenen Schwindel, um zu ihm zu gelangen.

Er schaute auf, und ein helles LĂ€cheln brach durch seine Falten. „Ich suche das BĂŒro von Dr. Aris, Liebes. Diese Flure sehen alle gleich aus, wenn man so alt wird wie ich.“

„Ich gehe genau daran vorbei“, sagte ich und bot ihm meinen Arm an. „Lassen Sie mich Ihnen helfen.“

Wir gingen langsam, wĂ€hrend wir uns unterhielten. Er erzĂ€hlte mir, sein Name sei Silas und er sei nur fĂŒr einen „langweiligen Check-up“ da. Er war charmant und liebenswĂŒrdig, und fĂŒr fĂŒnf Minuten vergaß ich irgendwie das erdrĂŒckende Gewicht meiner Sorgen und meiner Übelkeit. Ich brachte ihn zur TĂŒr des Arztes, und er drĂŒckte meine Hand.

„Sie haben eine gute Seele, Amelia“, sagte er leise. „Die Welt braucht mehr davon.“

Ich sah ihm nach und lĂ€chelte darĂŒber, wie man wunderschöne Menschen treffen konnte, wann und wo man es am wenigsten erwartete.

Ich ging zu meinem eigenen Termin – einem schnellen Check-up, den ich vereinbart hatte, weil die „Übelkeit“ nicht wegging. Ich saß auf dem knisternden Papier der Untersuchungsliege, die HĂ€nde unter den Oberschenkeln versteckt, damit sie nicht zitterten. Ich brauchte nur etwas Vitamine. Etwas Ruhe. Vielleicht etwas gegen Übelkeit.

Die Ärztin, eine Frau mit einem warmen LĂ€cheln, kam herein und hielt ein Klemmbrett. Sie schaute mich an, dann zurĂŒck auf die Akte, und ihr Grinsen wurde breiter.

„Nun, Amelia, kein Wunder, dass Sie sich nicht wohlgefĂŒhlt haben“, sagte sie fröhlich. „Herzlichen GlĂŒckwunsch. Sie sind sechs Wochen schwanger.“

Die Welt kippte nicht nur; sie stĂŒlpte sich um.

„Ich
 was?“ flĂŒsterte ich. Die Luft verließ meine Lungen.

„Die Blutwerte sind eindeutig. Sie werden Mutter.“ Sie redete weiter – ĂŒber prĂ€natale Vitamine, ĂŒber die Terminvereinbarung fĂŒr einen Ultraschall –, aber ihre Stimme klang, als wĂ€re sie unter Wasser.

Ich liebe Kinder. Ich wollte schon immer ein Kinderzimmer mit weichen gelben WĂ€nden und dem Geruch von Babypuder. Aber nicht so. Nicht jetzt. Mein Vater kĂ€mpfte immer noch um sein Leben. Ich ertrank im Schatten eines Mannes, der mich fĂŒr eine Schlampe zum Mieten hielt. Ich war eine Junior-Designerin mit einem Bankkonto, das derzeit im zweistelligen Bereich lag.

Wie konnte ich ein Leben in dieses Chaos bringen? Wie konnte ich es Xavier sagen?

Die Ärztin drĂŒckte meine Schulter, ihre Augen funkelten auf eine Weise, die fast verschwörerisch wirkte. „Es ist ein Segen, Liebes. Wirklich.“ Sie verließ den Raum mit einem seltsamen, wissenden Nicken und ließ mich allein in der Stille zurĂŒck.

Ich starrte auf die weiße Wand, meine Hand driftete instinktiv zu meinem flachen Bauch. Da war ein Leben in mir. Ein winziges, wachsendes StĂŒck des Mannes, der mich hasste.

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