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SÜNDE MIT DEM SIZILIANER
SÜNDE MIT DEM SIZILIANER
ผู้แต่ง: U.C BELLE

KAPITEL 1: DIE AUGEN DES KÖNIGS

ผู้เขียน: U.C BELLE
last update วันที่เผยแพร่: 2026-10-27 20:52:49

„Bella, wenn du in den nächsten dreißig Sekunden nicht auf dieser Bühne stehst, lässt Marco dich einen ganzen Monat lang sauber machen.“

Elenas Stimme durchschnitt den Dunst aus Haarspray und billigem Parfüm hinter der Bühne, und Rosa blinzelte, als müsste sie erst wieder in ihren eigenen Körper zurückfinden. Sie hatte ihr Spiegelbild angestarrt, ohne es wirklich wahrzunehmen: die rauchig geschminkten Augen, den Glitzer, der über ihre Schlüsselbeine gestreut war, die schwarze Spitze, die mehr kostete als ihre Miete und dem Club gehörte, nicht ihr.

„Ich gehe ja schon, ich gehe ja schon.“ Sie straffte die Schultern und zwang sich, den Rücken durchzudrücken. Bühnenlächeln. Sie hatte es über die Jahre perfektioniert, diese Maske, die sagte: Nichts kann mich verletzen, selbst wenn in Wahrheit alles wehtat.

Der Bass vom Hauptraum dröhnte durch die Sohlen ihrer High Heels. Irgendwo da draußen befand sich ein Mann mit einer schwarzen Kreditkarte und einer Tasche, an die sie vor Mitternacht herankommen musste. Andernfalls würde Signora Conti ihre Miete nicht bekommen, und ihre kranke Hüfte würde einen weiteren Monat lang unbehandelt bleiben. Rosa konnte es sich nicht leisten, Lampenfieber zu haben. Sie hatte ein Ziel, einen Plan und genau eine Chance, ihn umzusetzen.

Sie trat ins Licht.

Der Lärm des Clubs verstummte für sie in dem Moment, in dem sie ihren Rhythmus fand. Das geschah immer. Ihr Körper tat, was er gelernt hatte, während ihre Augen den Raum absuchten und alles registrierten. Die VIP-Logen auf der linken Seite. Zwei Türsteher. Nein, drei. Ihr Zielobjekt sollte am Ecktisch sitzen, an jenem Platz, der gerade dunkel genug war, um einen Mann zu verbergen, der lieber beobachtet wurde, als selbst zu beobachten.

Er war nicht da.

Stattdessen saß am besten Tisch des Hauses, an dem niemand ohne ausdrückliche Einladung des Clubs Platz nahm, ein Mann, den sie nicht kannte.

Rosa verpasste beinahe einen Schritt.

Beinahe.

Er war nicht auf die Art gutaussehend, wie Männer in Zeitschriften gutaussehend waren. Er war etwas Kälteres, etwas, das wirkte, als wäre es aus Stein gemeißelt worden. Schwarzer Anzug, keine Krawatte, der oberste Hemdknopf geöffnet, als wäre selbst diese kleine Unordnung eine bewusste Entscheidung gewesen. Dunkles Haar, noch dunklere Augen. Er saß da wie ein Mann, der sich in seinem ganzen Leben noch nie Sorgen darüber gemacht hatte, ob man ihn aus einem Raum werfen könnte.

Und er beobachtete sie, als wäre sie das Einzige darin, das seine Aufmerksamkeit verdiente.

Nicht so, wie die betrunkenen Geschäftsleute sie ansahen: gierig und einfältig. Nicht so, wie die Stammgäste sie ansahen: vertraut und gelangweilt. Er betrachtete sie, als würde er gerade etwas entscheiden. Als wäre sie eine Tür, deren Schloss er noch nicht geknackt hatte, es aber jederzeit tun würde, sobald ihm danach war.

Rosa wandte ihm die Schulter zu und tanzte weiter.

Konzentrier dich. Zielobjekt. Geld. Signora Contis Medikamente.

Sie würde sich von einem Mann mit markanten Gesichtszügen nicht vier Tage sorgfältiger Planung ruinieren lassen.

Doch ihre Haut wusste, dass er sie noch immer beobachtete. Sie spürte seinen Blick im Nacken kriechen wie eine Hand.

Sie beendete ihren Auftritt unter Applaus, den sie kaum wahrnahm, und verschwand auf Beinen von der Bühne, die zu ihrer maßlosen Verärgerung nicht ganz standfest waren. Elena fing sie hinter den Kulissen am Arm ab.

„Du weißt, wer das ist.“ Es war keine Frage.

„Nein, und es interessiert mich auch nicht.“ Rosa griff nach ihrem Morgenmantel.

„Das ist Alessandro Moretti.“ Elena sprach seinen Namen so aus, wie andere Menschen die Namen von Stürmen aussprachen. „Das ist kein Mann, der dir egal sein sollte, Rosa.“

Der Name bedeutete Rosa nichts, doch Elenas Gesichtsausdruck sagte ihr alles. Unter ihrem Make-up war sie blass geworden. Rosa überlegte noch, ob sie nachfragen sollte, als eines der Mädchen vom Service neben ihr auftauchte. In der Hand hielt sie ein silbernes Tablett mit einem einzigen Glas Champagner, an dessen Außenseite sich in der Hitze des Clubs Kondenswasser gebildet hatte.

„Für dich.“ Die Augen des Mädchens waren weit aufgerissen. „Von Tisch eins.“

Neben dem Glas lag eine gefaltete Karte. Rosa öffnete sie mit Fingern, die nicht zitterten, weil sie sich weigerte, ihnen das zu erlauben.

Komm an meinen Tisch, kleine Stripperin.

Keine Unterschrift. Die brauchte es auch nicht.

Sie sollte ablehnen. Jeder Instinkt, der sie seit ihrem zwölften Lebensjahr am Leben gehalten hatte, seit sie hatte lernen müssen, welchen Pflegevätern sie besser aus dem Weg ging, schrie sie an, in die andere Richtung zu laufen. Durch den Hinterausgang, hinaus in die Gasse und fort.

In ihrem ganzen Leben war sie noch nie besonders gut darin gewesen, das zu tun, was man ihr sagte.

Allerdings war sie auch noch nie besonders gut darin gewesen, einer schlechten Idee aus dem Weg zu gehen, wenn ihre Neugier geweckt war.

Sie stellte den Champagner unberührt ab und ging auf Tisch eins zu.

Aus der Nähe war er noch schlimmer.

Oder besser.

Sie hatte sich noch nicht entschieden, welches Wort zutraf. Seine Augen folgten ihr den ganzen Weg, ohne Eile, so wie ein Mann etwas betrachtete, von dem er bereits wusste, dass es ihm gehörte.

„Du hast ihn nicht getrunken“, sagte er. Seine Stimme war tief, sein Akzent unverkennbar, sein Ton vollkommen gelassen.

„Ich nehme keine Getränke von Fremden an.“ Rosa blieb eine Armlänge von ihm entfernt stehen und hob das Kinn. Bühnenlächeln. Lass ihn nicht den Puls an deinem Hals sehen. „Kluge Frauen tun so etwas nicht.“

„Kluge Frauen stehlen auch nicht von Männern, denen die halbe Stadt gehört.“ Er sagte es beiläufig. Fast so, als würde er sich über das Wetter unterhalten und nicht über etwas, das sie das Leben kosten konnte.

Der Boden schien unter ihren Füßen wegzubrechen.

„Ich weiß nicht, wovon Sie sprechen.“ Ihre Stimme klang ruhig. Später würde sie stolz darauf sein, wenn sie überhaupt noch Zeit haben sollte, auf irgendetwas stolz zu sein.

„Nein?“ Er neigte den Kopf, und zum ersten Mal bewegte sich etwas hinter seinen dunklen Augen. Keine Wut. Belustigung.

Das war schlimmer als Wut.

„Fabrizio Russo. Die Loge hinten. Du beobachtest ihn seit elf Minuten. Zweimal hast du seine Jacke berührt und dabei so getan, als müsstest du dich an seiner Schulter festhalten, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren. Du bist gut. Aber nicht gut genug.“

Rosas Magen verwandelte sich in Eiswasser.

„Ich glaube, Sie verwechseln mich mit jemand anderem.“ Sie trat einen Schritt zurück.

Seine Hand schloss sich um ihr Handgelenk, bevor sie die Bewegung beenden konnte. Nicht grob, nicht grausam, sondern mit absoluter Bestimmtheit. Wie eine Tür, die ins Schloss fiel.

„Ich verwechsle nichts.“ Er erhob sich, und Rosa erkannte mit einem kleinen, ganz privaten Schrecken, dass er größer war, als sie von der Bühne aus eingeschätzt hatte. Seine Schultern versperrten ihr den Blick auf den Rest des Raumes. Sein Griff um ihr Handgelenk fühlte sich weniger wie eine Drohung an als vielmehr wie ein Urteil, das längst gefällt worden war.

„Fabrizio arbeitet für mich. Das bedeutet, dass du heute Abend versucht hast, mich zu bestehlen.“

„Ich habe nichts genommen.“ Es stimmte. Es spielte keine Rolle. Sie konnte es an seinem Gesicht erkennen. Dieser Umstand hatte nichts an seiner Überzeugung geändert, seit er zu sprechen begonnen hatte. Nicht das Geringste.

„Du hattest keine Gelegenheit dazu.“ Sein Daumen glitt einmal langsam über die empfindliche Haut an der Innenseite ihres Handgelenks, und sie hasste es, dass ihr Atem dabei stockte. „Das ist nicht dasselbe wie Unschuld, tesoro.“

„Lassen Sie mich los.“

„Nein.“ Er sagte es schlicht, als koste ihn dieses Wort nichts, als hätte er ihre Angst bereits zur Kenntnis genommen und abgehakt. „Ich glaube nicht, dass ich das tun werde.“

Zwei Männer in dunklen Anzügen tauchten neben seinen Schultern auf, als wären sie aus demselben Schatten gegossen worden, in dem er stand. Rosas Blick schoss zu den Ausgängen, zur Feuerschutztür, zu den Türstehern, die keinen Finger gegen Alessandro Moretti rühren würden, selbst wenn sie laut genug schrie, um die Decke zum Einsturz zu bringen.

„Du kommst mit mir“, sagte er.

Es war keine Bitte. Er sprach nicht laut, und irgendwie war das viel schlimmer, als wenn er geschrien hätte.

„Wir werden darüber reden, was mit kleinen Diebinnen passiert, die versuchen, Könige zu bestehlen.“

Rosa öffnete den Mund, um sich zu weigern.

Doch seine Männer setzten sich bereits in Bewegung.

Das Letzte, was sie sah, bevor der Hinterausgang des Clubs sie verschluckte, war Elenas Gesicht in der Menge. Sie war kreidebleich und formte lautlos einen Namen mit den Lippen, von dem Rosa bereits wusste, dass sie ihn niemals wieder vergessen würde.

Moretti.

Die Tür fiel hinter ihr ins Schloss wie der Deckel eines Sarges.

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