LOGINMiles war außer sich. Sein Vater musste einen Scherz machen, oder? Eine neunzehnjährige heiraten? Wer tut so etwas? Er war zwanzig, als sie geboren wurde, um Himmels willen. Allein der Gedanke widerte ihn an. Nicht wegen dem, was die Leute sagen würden – Miles kümmerte sich nicht um die öffentliche Meinung. Zurückgezogen, kalt, unhöflich und emotional unerreichbar, hatte er kein Interesse am Urteil der Welt. Aber das hier? Das fühlte sich falsch an. Er war kein Raubtier, und er würde ganz sicher niemanden heiraten, der zwei Jahrzehnte jünger war als er. Aber sein Vater gab nicht nach, und die Firma zu verlieren kam nicht infrage. Also willigte er widerwillig ein. Er würde das schüchterne, verletzte Mädchen heiraten, das das Schlimmste durch die Hände ihres Stiefonkels überlebt hatte. Er machte sich selbst ein Versprechen: Er würde sie nicht anrühren. Er würde sie beschützen, statt ein weiterer perverser Mann zu werden, vor dem sie sich fürchten musste. Was er nicht erwartet hatte, war, wie schwer dieses Versprechen zu halten sein würde. Sie war unbestreitbar schön – weiche Kurven an all den richtigen Stellen, ihre Anwesenheit entfachte Begierden, von denen er dachte, er könnte sie unterdrücken. Plötzlich kämpfte Miles nicht nur gegen seine Moralvorstellungen, sondern auch gegen seine Erektion. Aber sie war seine Frau. Er durfte sie berühren, oder? Oder zumindest ansehen? Sie würde sein Verhängnis werden.
View MoreMilesDer Sturm hatte mich hochgeschreckt, der Wind heulte, und Regen peitschte durch das offene Fenster in mein Zimmer. Wie hatte ich vergessen, es zu schließen? Benommen und desorientiert stolperte ich aus dem Bett und stapfte zum Fenster.Als ich danach griff, um es zu schließen, fiel mir etwas ins Auge – eine Gestalt im See hinter dem Haus, die im Sturm schwamm.„Was zum … ? Ist das Cheryl?" Ich beugte mich näher, kniff die Augen gegen den Regen zusammen.Sie war es. Sie kämpfte darum, zum Ufer zurückzuschwimmen. Der Sturm war zu stark.Adrenalin schoss durch mich. Ich schlug das Fenster zu und stürmte die Treppe hinunter, mein Herz hämmerte. Ich raste durch den regennassen Garten zum See, der Wind biss in meine Haut.„Cheryl? Was zum Teufel machst du mitten in der Nacht im See, während ein Sturm tobt?", schrie ich, meine Stimme kaum hörbar über das Brüllen des Sturms.„Mir geht's gut", antwortete sie und stieg aus dem Wasser, heftig zitternd.„Dir geht's nicht gut!", fauchte ich
MilesIch wartete vorsichtig, blickte auf die Uhr, während die Minuten verstrichen. Ich hatte nicht erwartet, dass es so weit kommen würde – ihren Zeitplan auswendig zu kennen, mir Sorgen zu machen, wenn ihre Routine nicht wie geplant verlief. Donnerstags ließ sie normalerweise das Mittagessen mit mir aus, kam um 17 Uhr in meinem Büro vorbei, und ich fuhr sie zu ihrer Therapeutin. Während ihrer Sitzung traf ich mich mit meinen Freunden und kehrte zurück, um sie um 19 Uhr abzuholen, bevor wir nach Hause fuhren.Es war vorhersehbar. Bequem. Bis auf eine Sache.Ich warf einen Blick auf den Bildschirm, der die Lobby im Erdgeschoss zeigte, wartete auf ihre Ankunft. Das Problem war nicht ihr Zeitplan; es war die Art, wie sie geradewegs in mein Büro rannte, die Tür aufstieß und sich auf meinen Schoß warf, als wäre das die natürlichste Sache der Welt.Ich hatte ihr gesagt, sie solle mich wie eine Vaterfigur sehen. Aber ihr Stuhl zu sein, war definitiv nicht Teil der Abmachung.Jedes Mal, wenn
CherylMein Handy summte unerbittlich unter meinem Kissen und verschlimmerte das dumpfe Pochen in meinem Kopf. Seit ich mit einer Gehirnerschütterung in der Schulklinik aufgewacht war, waren Kopfschmerzen zu meinem ungebetenen Begleiter geworden. So viel dazu, meinen Mobbern die Stirn zu bieten. Wenn ich weggerannt wäre, hätte ich immer noch eine makellose Krankenakte – und keine hämmernden Kopfschmerzen, die mir das Leben ruinieren.Widerwillig stemmte ich mich von den weichen Kissen hoch, zuckte bei der Anstrengung zusammen, und tastete nach meinem Handy. Der Bildschirm leuchtete mit einem vertrauten Namen auf. Mr. Han.Es war 22 Uhr. Was zum Teufel wollte er zu dieser Uhrzeit?„Mr. Han", stöhnte ich und presste das Handy an mein Ohr.„Komm raus", sagte er einfach.Meine Augenbrauen runzelten sich. „Wo raus?"„Vor dein Wohnheim."Ich schnaubte. „Das ist der Ort, an dem mir letztes Mal fast das Gehirn eingeschlagen wurde. Klares Nein."„Cheryl, komm raus. Spiel nicht mit mir", sagte
CherylIch stieg aus meinem Auto, die frische Nachtluft biss auf meiner schweißnassen Haut nach einem intensiven Workout. Meine Lieblings-Playlist war durch die Autolautsprecher gedröhnt, aber jetzt fühlte sich die Stille schroff an, als ich sie ausschaltete und das Auto abschloss.Der Weg vom Parkplatz zu den Wohnheimen fühlte sich heute Nacht unnötig lang an. Warum waren die Wohnheime so riesig, und warum war der Parkplatz immer scheinbar meilenweit entfernt?Seltsamerweise waren die Wohnheime ungewöhnlich still für 22 Uhr. Normalerweise gäbe es Musik, Gelächter oder das leise Summen von Gesprächen. Vielleicht waren alle auf einer Party. Als ich mich dem Eingang meines Gebäudes näherte, ließ mich ein raschelndes Geräusch hinter den nahen Büschen innehalten.Ich blickte zurück, kniff die Augen in die Schatten. Wahrscheinlich nur der Wind, redete ich mir ein. Ich wandte mich zur Tür, aber dann—„Cheryl Mills."Ich erstarrte. Diese Stimme – scharf, vertraut, tropfte vor Gift. Brae.Ich











