LOGINAus Iris’ Sicht
„Ich bringe dich nach Hause“, sagte Ryder, der immer noch faul auf dem Bett lag.
Ich gab es nur ungern zu, aber ich hatte das Gefühl, dass ich mich dort in seinen Armen entspannen könnte – zumindest für eine kurze Weile.
Aber was dachte ich mir nur?
Ich hatte gerade mit dem Onkel meines Mannes geschlafen.
„Ich komme schon klar“, murmelte ich, bevor ich zur Tür hinaus eilte.
Ich lief weiter, bis ich die Straße erreichte. Die kalte Nachtluft kribbelte auf meiner Haut und half mir überraschenderweise dabei, einen klaren Kopf zu bekommen.
Als ich zu Hause ankam, hatte mich die Erschöpfung völlig überwältigt. Ich streifte meine Pumps ab und ließ mich, ohne mich auch nur umzuziehen, auf mein Bett fallen.
Die Grenze war nun verschwommen. Ich wusste nicht, ob mich Damians Verrat mehr entsetzte oder das, was ich danach mit Ryder getan hatte.
Nach langem Ringen schlossen sich meine Augen endlich, und ich schlief ein.
Es war der stechende Schmerz in meinem Kopf, der mich weckte.
Aus Gewohnheit griff ich nach meinem Handy, stöhnte und verfluchte mich dafür, dass ich am Abend zuvor so viel getrunken hatte.
„Verdammt! Wo zum Teufel habe ich es hingelegt?“
Ich setzte mich auf, um besser sehen zu können, und runzelte die Stirn, als mir klar wurde, dass mein Handy nicht da war.
Ich rieb mir das Gesicht und kniff die Augen fest zusammen.
„Oh Scheiße.“
Langsam dämmerte es mir.
Gestern Abend war ich ohne Handy und ohne Geldbörse aus dem Haus gestürmt.
Ich warf einen Blick auf die Wanduhr und stellte fest, dass ich zu meinem vereinbarten Termin zu spät kommen würde, wenn ich nicht in zehn Minuten aufstand.
Während ich mich hastig fertig machte, wurde mir klar, dass ich gestern Abend wieder ganz allein zu Hause gewesen war.
Damian war nicht nach Hause gekommen, obwohl er wusste, dass es unser Hochzeitstag war.
Drei Jahre Ehe. Sieben Jahre zusammen.
Und irgendwie war unser Hochzeitstag damit geendet, dass er im Bett eines anderen Mannes lag und ich in Ryders Armen.
Ein Schauer lief mir über den Rücken.
Ich wollte im Moment an keinen von beiden denken. Der eine hatte mir das Herz gebrochen, während der andere alles nur noch komplizierter gemacht hatte.
Ich atmete tief durch, verdrängte diese Gedanken und konzentrierte mich auf den bevorstehenden Tag.
Mama wartete auf mich, und das Letzte, was sie brauchte, war ein weiterer Grund zur Sorge.
Ich zog mich an und trug genug Make-up auf, um das Chaos darunter zu verbergen. Ich würde meine Mutter zu einem Nachsorgetermin ins Krankenhaus begleiten.
Seit Papas Tod hatte sie sich nie ganz erholt.
„Mama, geht es dir gut?“
Sie verdrehte die Augen.
„Zum hundertsten Mal, Schatz, ja.“
Ich schnaubte leise vor mich hin.
Die Wahrheit war, dass ich einfach nicht anders konnte. Nachdem ich Papa verloren hatte, erschreckte mich der Gedanke, auch sie noch zu verlieren, zutiefst.
Während der gesamten Untersuchung blieb ich in ihrer Nähe und hörte aufmerksam jeder Frage zu, die der Arzt stellte.
Jede Pause ließ mein Herz zusammenziehen.
Glücklicherweise waren die Ergebnisse beruhigend.
In dem Moment, als wir die Praxis verließen, überkam mich eine Welle der Erleichterung.
Zumindest eine Sache in meinem Leben brach nicht zusammen.
Egal, wie sehr es mir wehtat, ich durfte es ihr nicht anmerken lassen, also zwang ich mich zu einem Lächeln.
„Siehst du? Dir geht es gut. Du musst aufhören, dir wegen nichts Sorgen zu machen.“
In diesem Moment sprach ich insgeheim mit mir selbst.
Wir gingen gerade hinaus, als ich versehentlich mit jemandem zusammenstieß.
„Oh, Entschuldigung …“
Meine Worte verstummten, als ich aufblickte.
Ryder?
Natürlich musste es Ryder sein.
Für eine lächerliche Sekunde konnte ich an nichts anderes denken als an die letzte Nacht. Seine charmante Stimme. Dieses faszinierende Lächeln.
Und jetzt die Art, wie er mich ansah, als wüsste er genau, was ich dachte.
Hitze stieg mir in die Wangen.
Ryder stand ein paar Fuß entfernt, gekleidet in einen gut sitzenden schwarzen Anzug. In seinen grauen Augen lag ein amüsiertes Funkeln, und ich wandte schnell den Blick ab.
Er räusperte sich.
„Iris, ich hätte nicht erwartet, dich hier zu sehen. Weißt du was? Ich bringe dich gerne nach Hause. Ich wollte gerade auch gehen. Wohin willst du?“
Da ich mich wegen meiner Tat schuldig fühlte, zögerte ich nicht mit meiner Antwort.
„Was?“ Er sah unschuldig aus. „Du bist so überstürzt gegangen. Ich habe mir Sorgen gemacht.“
„Sorgen? Worum denn? War sie krank?“, fragte Mama und blinzelte.
„Nicht ganz.“
„Okay!“
Verdammt. Ich musste diesen Mann irgendwie zum Schweigen bringen.
„Äh, Mama? Lass uns gehen.“
Ich warf Ryder einen wütenden Blick zu. Seine Lippen waren zu einem stolzen Grinsen verzogen.
Meine Mutter runzelte die Stirn, sichtlich verwirrt.
„Er hat gesagt, er fährt uns hin. Lass uns gehen.“
Ich nahm ihre Hand und führte sie nach draußen.
„Wo hast du dein Auto geparkt?“, fragte ich, ohne anzuhalten.
Kaum waren wir im Auto, übernahm Ryder geschickt die Führung im Gespräch.
Er erkundigte sich nach dem Gesundheitszustand meiner Mutter und hörte ihren Antworten aufmerksam zu, während er sich auf das Fahren konzentrierte.
Schon an der zweiten Ampel lachte meine Mutter.
Ich saß still auf dem Rücksitz und beobachtete die beiden beim Plaudern.
Ich hoffte, dass sein großes Maul nicht jeden Moment wieder aufging und noch mehr Unsinn von sich gab.
Dann hörte ich meine Mutter sagen: „Was will ich in meinem Alter noch?“
Sie seufzte theatralisch.
„Nur ein Enkelkind. Ein gesundes Enkelkind, und ich bin zufrieden.“
Ich verdrehte die Augen und rief ihr zu, sie solle aufhören.
Ich wusste bereits, wohin dieses Gespräch führen würde.
Natürlich ignorierte sie mich.
„Du und Damian seid seit drei Jahren verheiratet. Drei Jahre! Weißt du, wie eifersüchtig ich werde, wenn meine Freundinnen mir Fotos von ihren Enkelkindern zeigen?“
Ryder lachte leise.
„Das kann ich mir gar nicht vorstellen.“
„Kannst du dir vorstellen, dass meine süße Tochter hier mir ständig sagt, ich solle sie nicht drängen? Was soll das überhaupt bedeuten?“
Ryders Lächeln wurde breiter.
Dann hob er den Blick zum Rückspiegel und begegnete meinem Blick.
„Keine Sorge, Mrs. Eleanor. Ich bin mir ganz sicher, dass Ihr Enkelkind schon auf dem Weg ist.“
Seine Stimme klang ruhig, aber in seinen Augen lag etwas, das mich zutiefst beunruhigte.
Plötzlich verdüsterte sich mein Gesichtsausdruck.
Er hatte so sicher geklungen.
Sofort musste ich an die letzte Nacht denken.
Wir hatten Sex gehabt.
Ungeschützten, hemmungslosen Sex.
Was bedeutete das jetzt für mich?
Iris’ Perspektive„Denk an unsere Abmachung, Iris.“Ein schwerer, frustrierter Seufzer entwich Ryders Lippen, was deutlich machte, dass ihm meine Ablehnung nicht gefiel, doch er drängte nicht weiter darauf. Stattdessen trat er einen Schritt zurück, um mir etwas Freiraum zu geben, obwohl seine dunklen Augen weiterhin intensiv auf mich gerichtet blieben.„Lass dich niemals von Damian anfassen“, murmelte er, und in seiner Stimme lag eine leise, raue Warnung.„Das werde ich nicht“, flüsterte ich entschlossen, bevor ich schnell meine Kleidung zurechtzog und meine Haare glättete.Nachdem ich tief durchgeatmet hatte, wandte ich mich ab und ging zurück in den Separee. In dem Moment, als ich die Tür öffnete, blickte Ruby von ihrem Weinglas auf und hob misstrauisch die Augenbrauen.„Meine Güte, Iris, warum hast du so lange gebraucht?“, beschwerte sie sich und beugte sich über den Tisch. „Ich wollte dich gerade suchen kommen. Hast du dich verlaufen oder so?“Ich zwang mir ein gezwungenes, falsch
Ryders Perspektive„Der Verkehr in der Innenstadt ist um diese Uhrzeit immer so furchtbar, finden Sie nicht auch, Mr. Lancaster?“, fragte Ruby vom Fensterplatz aus, die Augen weit aufgerissen und gespannt auf eine Antwort wartend.Iris’ Freundin saß auf der anderen Seite des Wagens, redete lebhaft und bemühte sich sichtlich, mit mir ins Gespräch zu kommen.„Ja“, murmelte ich, ohne den Kopf zu drehen, um sie anzusehen.Ich hielt meine Antworten kurz und knapp und tat gerade so viel, um nicht völlig feindselig zu wirken, aber meine Gedanken waren ganz woanders.Mein Blick war auf die Frau gerichtet, die direkt neben mir saß.Iris starrte geradeaus, ihre Lippen zu einer straffen, eigensinnigen Linie gepresst. Sie gab sich alle Mühe, so zu tun, als wäre ich nicht da, und behandelte mich wie eine völlig Fremde, obwohl sich unsere Schultern fast berührten.Das Auto verlangsamte seine Fahrt hinter einer Reihe roter Bremslichter fast bis zum Stillstand. Ruby wandte sich ab, abgelenkt von etwa
Iris’ PerspektiveIch öffnete den Mund, um ein wütendes „Nein!“ zu schreien, und spannte meine Beine an, um zur Tür zu stürmen.Doch dann fiel mein Blick wieder auf den Tisch, wo seine große Hand immer noch lässig auf dem glatten Bildschirm meines Handys ruhte.Ich blinzelte und machte mir bewusst, wie sehr ich dieses Handy brauchte.Die pure Panik, meine einzige Waffe gegen Damian zu verlieren, ließ mich einen harten Kloß im Hals spüren, als ich schwer schluckte.„Na gut“, spuckte ich heraus. „Aber ich habe meine eigene Bedingung, Ryder.“Er lehnte sich zurück, und eine langsame, dunkle Welle der Zufriedenheit überflutete sein Gesicht.„Lass mal hören, Schatz.“„Niemand darf davon erfahren“, flüsterte ich mit zitternder Stimme. „Von uns. Für alle anderen bist du einfach nur der Onkel meines Mannes.“Ryder reagierte kaum darauf.„Das ist einfach genug. Ich behalte dich sowieso lieber für mich allein. Aber da du eine Bedingung stellst, füge ich meiner noch eine hinzu.“Ich biss die Zäh
Iris’ PerspektiveMein Atem ging stockend, als Ryder sich endlich von mir löste. Mein Herz hämmerte so heftig gegen meine Brust, dass ich damit rechnete, er würde etwas Unheimliches sagen oder auf mehr drängen.Stattdessen beugte er sich lässig vor, schnallte mich an und ließ sich ruhig wieder auf seinen eigenen Sitz sinken, als wäre nichts geschehen.„Du hast die Wette verloren, Schatz“, hörte ich ihn sagen. „Jetzt musst du tun, was ich von dir verlange.“Ich schluckte den Kloß in meinem Hals hinunter.„Und was ist das?“„Ich habe Hunger“, murmelte er und warf mir einen kurzen Blick zu. „Koch heute Abend für mich.“Eine Welle purer Erleichterung überkam mich.Das war’s schon?Kochen konnte ich schon bewältigen.Er fuhr uns tief in ein luxuriöses Anwesen hinein, wo die Häuser wie majestätische Festungen aussahen. Als der SUV schließlich die lange Auffahrt zu seinem Haus hinunterrollte, blieb mir der Mund offen stehen.Es war ein prächtiges Doppelhaus, dessen moderne Glas- und Betonkon
Iris’ PerspektiveNachdem ich das Telefonat mit Ryder beendet hatte, schwirrte mir der Kopf. Ich fühlte mich völlig durcheinander, gefangen zwischen Damians Untreue und seinem gefährlichen Onkel. Ich konnte nicht mehr klar denken. Ich ging zurück zu meiner Mutter. Dort war ich in Sicherheit, konnte einfach nur dasitzen und wieder zu Atem kommen.Das laute Klingeln des Festnetztelefons ließ mich zusammenzucken. Meine Mutter war in ihrem Zimmer, also griff ich hinüber und nahm den Hörer ab.„Hallo?“„Iris! Oh mein Gott, Gott sei Dank“, dröhnte die Stimme meiner besten Freundin Ruby aus dem Lautsprecher. Sie klang besorgt. „Wo warst du denn? Damian hat mich ständig angerufen und gefragt, ob ich etwas von dir gehört habe. Er sagte, dein Anschluss geht direkt auf die Mailbox.“Ich umklammerte den Hörer und biss die Zähne zusammen. „Mein … mein Handy ist leer, Ruby“, sagte ich schnell. „Hör mal, wenn er dich zurückruft, deck mich einfach, ja? Sag ihm, wir wären zusammen gewesen oder so. Ich
Iris’ PerspektiveIch saß am Esstisch bei meiner Mutter und starrte auf meinen Teller hinunter. Das Essen schmeckte in meinem Mund wie Kreide. In weniger als vierundzwanzig Stunden war so viel passiert, dass ich den ganzen Tag über keinen Appetit gehabt hatte.„Damian ist so ein wunderbarer Ehemann für dich“, sagte meine Mutter und zwang mich, meinen Blick zu ihrem stolzen Gesicht zu heben. „Ich denke gerade an all die schönen Dinge, die er für dich getan hat. Dieser Mann … Gott segne ihn. Oh, Schatz, du hast so ein Glück!“Ich wollte ausrasten und sie anschreien, sie solle aufhören, ihn zu loben, doch ich schaffte es, ein gezwungenes Lächeln aufzusetzen.„Hmm, ja.“Die Haushälterin nickte zustimmend und schenkte mir noch etwas Wasser ein.„Ja, Herr Damian ist ein wahrer Gentleman. Ich bete jeden Tag für einen Mann wie ihn für meine Töchter.“Eine Welle des Ekels überkam mich. Mir wurde übel.Ein guter Mann?Sie wussten nichts von seinem schrecklichen Geheimnis. Wenn sie doch nur die







