เข้าสู่ระบบDer Schulhof war lauter, als Lina irgendeinen Ort in Erinnerung hatte.Sie stand am Rand des Spielplatzes, die Träger ihres Rucksacks fest über ihre Schultern gezogen, und beobachtete die anderen Kinder. Sie bewegten sich in Gruppen, wie kleine Vogelschwärme - lachend, rufend, sich gegenseitig schubsend. Niemand schaute sie an. Oder vielleicht schauten alle sie an und sie tat nur so, als würden sie es nicht tun."Lina? Lina Weber?"Sie drehte sich um. Eine Lehrerin mit kurzen roten Haaren und Brille lächelte sie an. Frau Schneider, ihre Klassenlehrerin."Du kannst dich zu ihnen gesellen, weißt du. Die Klasse 1b ist dort drüben. Die Mädchen mit dem Springseil."Lina nickte, aber ihre Füße bewegten sich nicht. Ihr Herz schlug so schnell, dass sie dachte, Frau Schneider könnte es hören.Es waren drei Wochen seit ihrem ersten Schultag vergangen. Drei Wochen, in denen sie in der zweiten Reihe saß und versuchte, nicht zu laut zu sein und nicht zu leise. Drei Wochen, in denen Klara jeden Mor
Der Wecker in der Buchhandlungswohnung hatte drei verschiedene Töne. Klara hatte sie selbst eingestellt.Der erste war für Lena - eine leise Klaviermelodie um 5:45 Uhr, weil Lena gerne allein Kaffee trank, bevor alle anderen aufwachten.Der zweite war für Lukas - ein lautes, nerviges Piepen um 6:15 Uhr, weil Lukas durch ein Erdbeben schlafen konnte, besonders wenn er bis 2 Uhr nachts gemalt hatte.Der dritte war neu. Er war für Mia. Es war um 6:30 Uhr und es war das Zwitschern von Vögeln, weil Mia Klara einmal erzählt hatte, dass sie in Sonnenblume noch nie echte Vögel gehört hatte, nur Tauben auf dem Dach.Am Montag, den 2. September, klingelten alle drei Wecker.Mia war schon wach.Sie war seit 5:00 Uhr wach. Sie saß aufrecht in ihrem neuen Bett, in ihrem neuen Zimmer, das früher Klaras Lager für extra Bücher war. Jetzt waren die Kisten weg. Die Wände waren hellgelb gestrichen. Lukas hatte einen ganzen Wald an eine Wand gemalt - keinen gruseligen Wald, sondern einen freundlichen, mi
KAPITEL 20: Ein eigener NameDer Gerichtssaal war kleiner, als Lena ihn sich vorgestellt hatte.Sie hatte Gerichtssäle im Fernsehen gesehen – groß, aus Holz, hallend, mit einem Richter, der schrie. Dieser hier in Berlin-Mitte war weiß, modern, fast wie ein Klassenzimmer. Es gab keine Zuschauer. Nur einen langen Tisch, eine Richterin, eine Frau vom Jugendamt, Anwälte und sie.Lena hielt Mias Hand so fest, dass ihre eigenen Finger weiß wurden. Mia trug das blaue Kleid mit den kleinen Sternen, das Klara ihr gekauft hatte. Ihre Haare waren gekämmt. Sie hielt ihr Kaninchen fest, das einst Anja gehört hatte. Lukas saß auf der anderen Seite von Mia und hielt ebenfalls ihre Hand. Seine andere Hand zitterte.Gegenüber saß Klaus Richter.Er war in den letzten zehn Jahren nicht gealtert. Sein Haar war immer noch silbern, perfekt geschnitten. Sein Anzug war immer noch dunkelblau, teuer. Er sah Mia nicht an. Er sah Lukas nicht an. Er sah nur die Richterin an, mit dem ruhigen Gesicht eines Mannes,
Das Familiengericht in Mitte war nicht so, wie Lena es sich vorgestellt hatte.Sie hatte gedacht, es wäre groß und unheimlich, wie in amerikanischen Filmen, mit einem Richter in Perücke, der schreit. Aber es war ein kleiner, beiger Raum im dritten Stock eines langweiligen Gebäudes in der Littenstraße. Es gab einen Holztisch, sechs Stühle, ein Fenster, das auf einen Parkplatz schaute, und eine Pflanze, die halb tot war. Kein Publikum. Keine Kameras.Es war 9 Uhr morgens, genau 72 Stunden nach dem DNA-Test in der Charité.Draußen regnete es stark. Berliner Regen im Oktober.Drinnen gab es zwei Seiten.Auf der linken Seite des Tisches: Klaus Richter, 68 Jahre alt, silberne Haare, teurer dunkler Anzug. Neben ihm sein Sohn Markus, 26, der aussah, als hätte er seit drei Tagen nicht geschlafen. Und zwei Anwälte von der teuersten Kanzlei Berlins, Dr. Stein & Partner. Ihre Anzüge kosteten mehr als Klaras ganze Buchhandlung in einem Monat verdient. Sie hatten drei Laptops, zwei Aktenordner und
Markus Richter stand seit 40 Minuten vor Klaras Buchhandlung.Er hatte drei Zigaretten geraucht. Er hatte sieben Mal auf sein Handy geschaut. Er hatte versucht, die Tür zu öffnen. Verschlossen. Oben war das Licht aus. Aber er wusste, dass sie drin waren oder drin gewesen waren. Die alte Nachbarin hatte gesagt: "Ja, Klara hatte Besuch. Zwei junge Mädchen. Ein sehr kleines."Markus rief seinen Vater an."Ich habe die Buchhandlung gefunden, Vater. Karl-Marx-Straße 142. Der Laden der alten Frau. Aber er ist geschlossen. Niemand macht auf."Klaus Richters Stimme am Telefon war eiskalt. "Warte dort. Ich komme. 20 Minuten. Lass niemanden gehen. Wenn du Lena siehst, nimm das Kind. Nimm es einfach. Niemand wird dich aufhalten. Du bist ihr Bruder. Rechtlich."Markus mochte das Wort "rechtlich" nicht. Es erinnerte ihn daran, dass nichts davon legal war.Er warf seine Zigarette weg.In genau diesem Moment bog Fatmas Auto in die Karl-Marx-Straße ein, hielt aber 50 Meter vor der Buchhandlung hinter
Lukas Becker sagte während der gesamten Fahrt von Wedding nach Neukölln kein Wort. Lena saß neben ihm im Taxi, ihre Hände zitterten. Lukas hielt Anjas Tagebuch auf seinem Schoß, als wäre es aus Glas. Alle paar Sekunden schaute er wieder auf das Foto von Mia auf Lenas Handy. "Sieht sie... sieht sie aus wie Anja?", fragte er schließlich mit heiserer Stimme. "Sie hat ihre Augen", flüsterte Lena. "Die grünen Augen. Und ihr Lächeln, wenn sie keine Angst hat. Und sie ist stur. Wie Anja in ihrem Tagebuch geschrieben hat." Lukas schloss die Augen. Eine einzelne Träne lief über seine farbverschmierte Wange. "Ich habe Anja zehn Jahre lang gemalt", sagte er. "Jedes Mädchen, das ich gemalt habe, war Anja. Ich dachte, ich werde verrückt. Jetzt verstehe ich es. Ich habe ihre Tochter gemalt, ohne zu wissen, dass es sie gibt." Das Taxi hielt vor Klaras Buchhandlung. Karl-Marx-Straße 142. Lukas wartete nicht. Er sprang heraus und rannte zur Tür. Klara öffnete sie nur einen Spalt, einen Besen







