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Kapitel 5

작가: Lina
last update 게시일: 2026-03-07 16:12:21

Isabella

Nachdem Rossini gegangen ist, wirkt die Villa seltsam still. Vielleicht liegt es daran, dass seine Worte noch in meinem Kopf herumspuken, vielleicht aber auch daran, dass ich jetzt weiß, dass irgendwo außerhalb dieser Mauern jemand existiert, der glaubt, ich müsste hier gerettet werden. Während ich wieder vor dem Fresko stehe und den Spachtel vorsichtig an den bröckelnden Putz setze, versuche ich mich auf meine Arbeit zu konzentrieren. Trotzdem merke ich, dass meine Gedanken immer wieder abschweifen. Rossinis ernster Blick, seine Warnung und die Geschichte der verschwundenen Restauratorin lassen sich nicht so leicht abschütteln.

Enzo ist ebenfalls wieder im Raum, obwohl ich nicht genau gesehen habe, wann er hereingekommen ist. Ich spüre seine Anwesenheit eher, als dass ich sie bewusst wahrnehme. hinter mir steht er im Halbdunkel des Ateliers und beobachtet mich. Der Raum ist groß, aber seine Ausstrahlung wirkt so präsent, dass es sich anfühlt, als würde er direkt hinter mir stehen. Ich arbeite weiter, obwohl ich weiß, dass er jeden Handgriff verfolgt. Der Spachtel gleitet über den Gips und löst kleine Stücke aus der alten Schicht, die dann als grauer Staub zu Boden rieseln.

„Du hast Rossini ziemlich schnell abgewiesen“, sagt Enzo schließlich. Seine Stimme ist ruhig, aber sie füllt den Raum sofort aus.

Ich sehe nicht zu ihm zurück, sondern konzentriere mich weiter auf die Wand vor mir. „Er hat mir nichts angeboten, was mich interessiert.“

„Er hat dir einen Ausweg angeboten.“

„Vielleicht will ich keinen.“

Ich arbeite weiter und entferne vorsichtig eine weitere dünne Schicht Putz. Unter dem Auge erscheinen langsam neue Linien. Ein Schatten, der zur Wange gehört, und ein Teil der Nase werden sichtbar. Je mehr Gips ich entferne, desto deutlicher wird der Ausdruck im Gesicht des Mannes. Das Auge wirkt inzwischen noch intensiver als vorher, als würde es den Moment seines Todes immer wieder neu erleben.

Ich höre Enzos Schritte hinter mir. Sie sind langsam, aber fest genug, dass man jeden einzelnen Schritt auf dem Steinboden hört. Schließlich bleibt er direkt neben mir stehen. Seine Nähe ist sofort spürbar, weil die Luft um mich herum plötzlich wärmer wird.

„Ich habe dir gesagt, dass du nur das Auge freilegen sollst“, sagt er.

Seine Stimme klingt immer noch ruhig, aber darunter liegt jetzt eine Spannung, die vorher nicht da war.

Ich halte kurz inne, sehe mir die Stelle an, an der der Mund des Mannes langsam unter dem Putz hervorkommt, und arbeite dann weiter. „Ich habe dir auch gesagt, dass ich Restauratorin bin. Wenn ich sehe, dass eine Schicht instabil ist, muss ich sie entfernen. Sonst zerstört sie irgendwann das ganze Bild.“

Der Spachtel löst ein größeres Stück Putz, das mit einem trockenen Geräusch zu Boden fällt. Jetzt ist ein Teil des Mundes zu sehen. Die Lippen sind leicht geöffnet, als würde der Mann gerade schreien.

Neben mir bewegt sich Enzo plötzlich schneller. Seine Hand schließt sich um mein Handgelenk, bevor ich überhaupt richtig reagieren kann. Der Griff ist fest, nicht brutal, aber stark genug, dass mir der Spachtel aus der Hand rutscht und klirrend auf den Boden fällt.

„Ich habe dir gesagt, du sollst aufhören“, sagt er.

Ich drehe mich zu ihm um und spüre sofort, wie angespannt er ist. Seine Finger liegen noch immer um mein Handgelenk, und ich sehe, wie sich die Muskeln in seinem Unterarm bewegen. Seine Augen sind dunkler als vorher, und etwas in seinem Blick wirkt plötzlich viel weniger kontrolliert.

„Du tust mir weh“, sage ich.

Er reagiert sofort, lockert den Griff ein wenig, lässt mich aber nicht ganz los. Sein Blick wandert kurz zurück zum Fresko, und ich sehe, wie sich sein Kiefer anspannt, als hätte er gerade etwas gesehen, das er eigentlich vermeiden wollte.

„Du verstehst nicht, womit du hier spielst“, sagt er leise.

„Dann erklär es mir.“

Ich versuche mein Handgelenk zu befreien, aber er hält es noch einen Moment fest. In seinem Gesicht arbeitet etwas, als würde er gegen einen Impuls ankämpfen. Schließlich lässt er mich los und tritt einen Schritt zurück. Ich reibe automatisch über die Stelle an meinem Arm, an der seine Finger waren.

Er dreht sich zum Fresko und starrt das Gesicht an, das langsam unter der Gipsschicht hervorkommt. Für ein paar Sekunden sagt er nichts, aber ich sehe, wie sich sein Brustkorb hebt und senkt, als würde er versuchen, seine Atmung zu kontrollieren.

Dann passiert etwas, das ich nicht erwartet habe.

Seine Hand schnellt nach vorne und trifft die Wand neben dem Fresko mit einem dumpfen Schlag. Der Knall hallt durch den Raum, und ein feiner Regen aus Staub rieselt von der alten Oberfläche nach unten. Ich zucke zusammen, weil die Bewegung so plötzlich kommt.

Enzo bleibt mit der flachen Hand gegen der Wand stehen. Seine Schultern sind angespannt, und sein Kopf hängt leicht nach vorne, als müsste er sich zwingen, ruhig zu bleiben.

„Verdammte Scheiße“, murmelt er.

Ich habe ihn noch nie so gesehen. Der Mann, der sonst wirkt, als hätte er jede Situation unter Kontrolle, steht jetzt vor mir wie jemand, der kurz davor ist, komplett die Fassung zu verlieren.

„Enzo“, sage ich vorsichtig.

Er dreht langsam den Kopf zu mir. Sein Blick ist anders als vorher. Härter, roher, fast unruhig. Für einen Moment habe ich das Gefühl, dass ich einen Teil von ihm sehe, den normalerweise niemand zu Gesicht bekommt.

„Du solltest das nicht sehen“, sagt er.

Ich folge seinem Blick zurück zum Fresko. Der Mund des Mannes ist inzwischen fast vollständig sichtbar, und der Ausdruck darin ist so realistisch gemalt, dass es mir einen Schauer über den Rücken jagt.

,Zu spät“, sage ich leise.

Enzo stößt sich von der Wand ab und geht ein paar Schritte durch den Raum, als müsste er Abstand gewinnen. Seine Hände sind zu Fäusten geballt, und ich sehe, wie sich die Muskeln in seinem Nacken bewegen.

„Du verstehst nicht, was das bedeutet“, sagt er schließlich.

„Dann erklär es mir.“

Er bleibt stehen und sieht mich an. Für einen Moment wirkt es, als würde er tatsächlich etwas sagen wollen, als würde er kurz davorstehen, mir endlich eine Antwort zu geben.

Stattdessen geht er langsam auf mich zu.

Er bleibt erst stehen, als nur noch ein paar Zentimeter zwischen uns sind. Ich kann seinen Atem spüren und den Geruch von Tabak und etwas Dunklem, das ich inzwischen sofort mit ihm verbinde.

Sein Blick wandert von meinen Augen zu meinen Lippen und wieder zurück. In seinem Gesicht liegt immer noch diese Spannung, als würde er gegen etwas ankämpfen, das er nicht ganz kontrollieren kann.

„Du bist geblieben“, sagt er leise.

ch halte seinem Blick stand. „Ja.“

„Trotz der Warnung.“

„Ja.“

Seine Hand hebt sich langsam und bleibt einen Moment lang in der Luft, als wäre er sich selbst nicht sicher, was er tun will. Schließlich legt er sie gegen die Wand neben meinem Kopf, genau dort, wo er vorhin zugeschlagen hat.

Jetzt stehe ich praktisch zwischen ihm und dem Fresko, und sein Körper ist so nah, dass ich jede Bewegung seines Atems spüren kann.

„Du solltest vorsichtiger sein, Isabella“, sagt er leise. „Menschen, die zu viele Fragen stellen, haben in diesem Haus selten lange Glück.“

Ich sehe ihn an und merke, dass mein Herz schneller schlägt, obwohl ich genau weiß, dass ich jetzt eigentlich einen Schritt zurücktreten sollte.

„Dann hör auf, mir Gründe zu geben, Fragen zu stellen.“

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