LOGINAls am nächsten Morgen die Dämmerung anbrach, schreckte Evelyn aus einem Albtraum hoch und setzte sich sofort aufrecht hin. Instinktiv umklammerte sie ihren rechten Arm so fest, dass ihre Fingerknöchel weiß wurden.
Ihr Arm war noch da.
Langsam beruhigte sie ihren Atem und ihren Herzschlag. Evelyn schob die Decke beiseite und ging barfuß ins Badezimmer, drehte den Wasserhahn auf und wusch den Schweiß ab, der an ihrer Haut klebte. Das kalte Wasser, das über ihren Körper floss, fühlte sich genau an wie der Regen an jenem Tag.
Nach dem Duschen zog Evelyn ein Kleid an, das sie mitgebracht hatte. Sie überlegte einen Moment, bevor ihr klar wurde, dass es fast Zeit zum Essen war. Dann verließ sie ihr Zimmer und ging zum Esszimmer im ersten Stock.
„Evelyn, du hast wirklich ein gutes Timing – genau zur Mittagszeit“, begrüßte Ruby sie mit einem warmen Lächeln und sanfter Stimme. „Du weißt wahrscheinlich nicht, wo du frühstücken sollst, oder? Komm, ich zeige dir die Küche.“
Evelyn warf ihr einen kurzen Blick zu und ging direkt zum Esstisch, setzte sich und sagte zu dem Diener, der das Essen anrichtete: „Worauf wartest du?“
Der Diener, gefangen zwischen Rubys missbilligendem Blick und Evelyns direkter Art, zögerte, unsicher, was er tun sollte, da dies dem widersprach, was Miss Ruby angeordnet hatte.
Genau in diesem Moment kamen Ethan und William Yi die Treppe herunter. Als der Diener sie sah, servierte er Evelyn schnell eine Schale Reisbrei zusammen mit einem Teller Garnelenknödel und Suppenknödel.
„Du bist früh aufgestanden, Evelyn. Hast du letzte Nacht gut geschlafen?“ fragte Fiona mit sanftem Lächeln.
„Ziemlich gut“, antwortete Evelyn und setzte sich erst hin, nachdem sich die Älteren gesetzt hatten.
„Du kannst nicht auf die Älteren warten und befiehlst den Dienern, dich zu bedienen. Ich habe noch nie einen so unhöflichen Menschen gesehen“, murrte Ruby.
„Ruby“, mischte sich Fiona ein, „Evelyn ist in einer anderen Umgebung aufgewachsen, und das können wir ihr nicht vorwerfen. Als ihre jüngere Schwester solltest du verständnisvoller sein und sie in den richtigen Umgangsformen anleiten. Es braucht keine groben Worte.“ Nachdem sie ihre Rüge beendet hatte, wandte sich Fiona lächelnd an Evelyn: „Evelyn, deine Schwester ist wirklich direkt. Bitte nimm es dir nicht zu Herzen.“
Evelyn lächelte bitter und bemerkte: „Meine Manieren können mit Rubys natürlich nicht mithalten.“
Als Ruby Evelyns Bemerkung hörte, hob sie stolz ihr Kinn. Schließlich war sie die rechtmäßige Erbin einer wohlhabenden Familie, ein Status, den Evelyn nicht erwarten konnte, zu erreichen.
„Ich wurde von klein auf nie mit richtiger Etikette und Manieren vertraut gemacht“, sagte Evelyn und tat so, als würde sie tief nachdenken. „Es gibt etwas, das mich verwirrt, und ich hoffe, Tante kann es mir erklären.“ Sie hielt kurz inne, bevor sie hinzufügte: „Tante, überlegen Sie doch einmal, wie Ruby mich zum Frühstück in die Küche eingeladen hat. Was für eine Etikette zeigt das?“
Evelyns Worte ließen das Lächeln aus Rubys Gesicht verschwinden, und sogar Fionas Gesichtsausdruck wurde säuerlich. In jedem angesehenen Haushalt gibt es eine klare Trennung: Die Familie isst im Esszimmer, während die Diener in der Küche essen. Ruby hatte offensichtlich die geltende soziale Ordnung in der Yi-Residenz durcheinandergebracht, was für die ältere Generation wie William Yi von großer Bedeutung war.
In ihrem früheren Leben war Evelyn von Ruby hereingelegt worden und hatte mehrere Monate lang in der Küche gefrühstückt. Erst als Fiona die Angelegenheit absichtlich zur Sprache brachte, erkannte Evelyn, dass sie zu einem Fehler verleitet worden war. Doch ihre ängstliche Natur machte sie machtlos, etwas dagegen zu unternehmen.
Diesmal jedoch weigerte sich Evelyn, Rubys Gefühle zu schonen, und sprach den Vorfall absichtlich am Esstisch an. Sie war gespannt, wie Fiona reagieren würde – ob sie dieselbe gleichgültige Haltung wie früher beibehalten würde.
Die Spannung im Esszimmer war deutlich spürbar, und obwohl William Yi unberührt wirkte, zeigte sein fest zusammengepresster Kiefer seine innere Erregung, voller Missfallen und Ärger.
Ethans Brauen runzelten sich vor Sorge. Evelyn war schließlich seine Tochter, die junge Herrin dieses Hauses. Ruby, die normalerweise gern scherzte, hatte noch nie eine solche Respektlosigkeit gezeigt. Indem sie ihrer älteren Schwester vorschlug, mit den Dienern zu essen, hatte sie Ethan, ihren Vater, in eine beschämende Lage gebracht.
Er hatte immer Zweifel an Evelyns Gutmütigkeit gehegt und gehofft, dass die familiären Bande eine Veränderung in ihr bewirken würden. Doch Rubys Verhalten war weit von seinen Erwartungen entfernt und machte ihn äußerst unzufrieden.
„Das...“ Fiona lächelte verlegen und sagte: „Das war sicher nur ein Scherz deiner Schwester. Habe ich nicht schon gesagt, dass deine Schwester seit ihrer Kindheit gern scherzt? Sie liebt es zu scherzen.“
„Stimmt, es war nur ein Scherz! Evelyn, warum bist du so schnell beleidigt?“ Ruby, erleichtert über Fionas Worte, verdrehte gleichgültig die Augen.
„Also ist die Erziehung einer Person nicht wichtig? Wenn man etwas Unhöfliches tut, sagt man einfach, es sei nur ein Scherz, und alles ist vergeben?“ Evelyn tat unschuldig und lächelte: „Oh, so ist das!! Danke, Tante. Ich habe eine Lektion gelernt!“
Fiona, der die Worte fehlten, machte ein säuerliches Gesicht.
„Wenn du es wagst, noch einmal einen solchen Scherz zu machen, werde ich dich nach den Familienregeln bestrafen!“ erklärte Ethan streng. Seine Nachsicht war zu weit gegangen; Ruby hatte die Regeln offen missachtet.
Ruby biss sich auf die Lippe, ihre Hände kratzten nervös an der Stuhlkante. Ethan, der seinen Kindern normalerweise nicht besonders nahestand, hatte sie noch nie so hart zurechtgewiesen und sogar mit Bestrafung gedroht. Sie gab Evelyn die Schuld an allem.
Nachdem das Frühstück beendet war, brachen William Yi und Ethan zur Arbeit auf. Evelyn zog sich in ihr dämmriges Zimmer zurück. Währenddessen ließ Ruby im sonnigsten Schlafzimmer im zweiten Stock ihrer Wut freien Lauf. „Was macht diese Person so arrogant? Sie ist nichts weiter als ein armes Mädchen; welches Recht hat sie, meine ältere Schwester zu sein? Weiß sie nicht, was sie ist? Nichts als Müll!“
„Hast du dich jetzt genug aufgeführt?“ fragte Fiona mit bewahrter Eleganz, während sie daneben saß und Ruby ansah. Ihre Stimme war sanft, trug aber eine unbestreitbare Autorität. Zum Glück waren Ethan und William Yi nicht zu Hause; sonst wäre Ruby von ihnen zurechtgewiesen worden.
Ruby biss sich auf die Lippe und sah Fiona mit leichtem Vorwurf an. „Warum hat Mutter zugelassen, dass Vater sie nach Hause bringt? Er ist sogar persönlich gegangen, um sie abzuholen. Was macht sie so besonders?“ Ethan hatte Ruby nie persönlich zur Schule gebracht oder abgeholt.
„Es war der Wunsch deines Großvaters, dass sie zurückkommt“, erklärte Fiona und bedeutete Ruby, näher zu kommen. Nachdem Ruby näher gekommen war, lächelte Fiona, legte sanft ihren Zeigefinger auf Rubys Lippen und fuhr fort: „Sie ist nur eine Clownin. Sie zu schikanieren ist viel zu einfach. Du bist die rechtmäßige Erbin der Familie Yi. Das Lebensmittelgeschäft der Familie Yi wird in Zukunft dir und deinem Bruder gehören; niemand kann es dir wegnehmen. Du musst immer Haltung bewahren.“
„Natürlich!“ Rubys Augen leuchteten bei diesem Rat auf, und in ihrem Herzen schwor sie sich: Evelyn, diesmal werde ich dich dazu bringen, es zu bereuen!
Bella konnte die Realität vor sich nicht glauben. Ihr erster Kuss … einfach so verloren?So arrogant sie auch war, ihr erster Kuss war wirklich dem hässlichen Mann vor ihr gegeben worden?Wie konnte das passieren?Sie war eine Persönlichkeit wie eine Prinzessin, umgeben von Sternen. Ihr erster Kuss hätte in einer sehr romantischen Situation einem Kaiser gehören sollen!Was auch immer geschah, sie hätte so etwas Mangelhaftes nicht auf dem Sportplatz der Highschool hergeben dürfen!Bella hatte zum ersten Mal das Gefühl, wirklich ohnmächtig zu werden. Ihr Leben würde enden … Sie … sie war nicht mehr perfekt?Doch ein lauter Schrei holte Bellas fast entgleitendes Bewusstsein zurück.„Was ist passiert?!“ Jules’ Gesicht war rot. Seine kleinen Augen, die ohnehin nicht groß waren, kämpften darum, sie anzustarren. „Bist du blind?“„Häh?“ Bella erstarrte durch Jules’ Anschreien.„Meinen ersten Kuss habe ich für meine Zukünftige erhofft. Pinkel erst, dann sieh dich selbst an!“ Jules schien wirkl
„Ich möchte nur die Wahrheit wissen.“ Evelyns Ausdruck war kalt, als würde sie niemals aufgeben.„Ich …“ Bella konnte wirklich nicht antworten. Sie konnte nicht sagen, dass es daran lag, dass sie lange nicht gelaufen war. Ihre Beine waren steif, deshalb hatte sie nicht das Ergebnis erzielt, das sie hätte erzielen sollen! Außerdem war sie diejenige, die von Anfang an nicht am Training teilgenommen hatte. Wäre das nicht ein Schlag ins eigene Gesicht?„Du kannst es nicht beantworten?“ Evelyn grinste. „Bella, sag die Wahrheit. Hast du unseren kleinen Staffellauf etwa geringschätzig behandelt?“ In ihrem früheren Leben hatte Bella Evelyn still die Schuld gegeben. In diesem Leben wollte Evelyn es offen zurückholen!„Das habe ich nicht.“ Bella widersprach sofort. War sie dumm? Selbst wenn sie es wirklich nicht ernst genommen hätte, würde sie es nicht zugeben.„Warum hast du es dann getan?“ hakte Evelyn nach. „Du hast nie mit uns trainiert. Du hast dir einfach den vierten Staffelstab genommen,
Evelyn runzelte die Stirn bei diesem Anblick. Sie hatte Bellas falschen Sturz deutlich gesehen, aber die anderen würden vielleicht nur denken, es sei „versehentlich“ passiert. Nach dem Sturz und der Verletzung benutzte sie den unbezwingbaren „Willen“, um zur Ziellinie zu humpeln.Bella war eben Bella. Obwohl ihre Methode noch nicht ausgereift war, war die Art und Weise, wie sie etwas tat, tatsächlich zielgerichtet.„Eve.“ Diana und Mandy Wang gingen zu Evelyn und klopften ihr auf die Schulter. „Lass uns zurück zur Klasse gehen.“„En.“ Evelyn nickte.„Hu …“ Mandy Wang atmete tief ein und lächelte, als wolle sie Stärke vortäuschen. „Schade … Ich … Das ist das erste Mal, dass ich so schnell gelaufen bin.“ Als sie beim Staffelstab die Erste war, war das Ergebnis der erste Platz. Als sie den Staffelstab an Diana übergab, hatte sie das Gefühl, dass sie vielleicht … vielleicht wirklich unter die ersten drei kommen könnten.„Aber … sie ist gefallen … Wir konnten nichts tun …“ Auch Dianas Auge
Die Kandidatinnen, die sich im Wartebereich vorbereiteten, standen auf.„Los geht’s!“ Diana dehnte ihre Handgelenke und Beine.„Puh …“ Auch Mandy Wang atmete mehrmals nervös tief durch.„Versuch einfach dein Bestes.“ Evelyn klopfte Mandy Wang auf die Schulter und sagte.„En.“ Mandy Wang nickte. Schließlich hatten sie hart trainiert und viele Taktiken untersucht. Sie mussten ihr Bestes geben und das Ergebnis dem Schicksal überlassen!Als die drei zur Arena gingen, verzog Bella die Lippen und lief ihnen nach. Sie sagte: „Übrigens … ich werde den letzten Teil des Sprints laufen.“„Du?“ Diana musterte Bella von Kopf bis Fuß, und ihr Gesicht war voller Unglauben. „Kannst du das schaffen?“Der ursprüngliche Plan war gewesen, Mandy Wang den letzten Teil laufen zu lassen, weil Mandy Wang von ihnen am schnellsten lief und auch ihre Explosivkraft stark genug war. Es war sicherer, den letzten Teil zu laufen.„Ich war nicht da, als ihr trainiert habt. Ich werde euch nicht zur Last fallen, wenn ic
Ethan war offensichtlich sehr wütend, als er zurückkam. Anscheinend hatte er Probleme bei der Arbeit.Ruby wollte sich beschweren, wurde aber von Fiona zurückgehalten.Als Ruby sah, dass Fiona ihr bedeutete, nicht zu sprechen, war sie etwas unzufrieden. Vor dem Schlafengehen öffnete sie den Mund und fragte: „Mutter! Warum lässt du mich nicht Vater davon erzählen!“„Dein Vater ist gerade eindeutig in schlechter Stimmung. Wenn du jetzt zu ihm gehst, um über Evelyn zu sprechen, machst du es ihm dann nicht noch schwerer?“ Fiona deckte Ruby unter der Decke zu.„Aber Mutter, wenn Vater schlechte Laune hat und ich das erzähle, wird Vater dann nicht noch wütender und Evelyn eine Lektion erteilen?“ Ruby verstand es nicht.„Dein Vater ist nicht der Typ, der seine Wut an anderen auslässt.“ Hier wurde Fionas Blick sanft. „Wenn er wütend ist, hört er nicht auf die Worte anderer, aber er trifft keine voreiligen Entscheidungen. Er ist ein sehr stabiler und guter Mann.“„Dann wird er mich also trotzd
Die Glocke läutete, und diese Stunde war zufällig eine Sprachstunde. Als Benjamin Bai zur Tür des Klassenzimmers ging, hörte er den Lärm im Inneren. Die Schüler sagten, Bella sei in ihn verliebt. Als er das hörte, war er wirklich in einem Dilemma.Von einem Schüler geliebt zu werden, ist eine gute Sache. Doch wenn es die Gefühle zwischen Lehrer und Schüler überschreitet, fühlt man sich immer unwohl.Als er hörte, dass die Klasse allmählich ruhig wurde, öffnete Benjamin Bai die Tür und trat ein.Jetzt schien es ziemlich normal zu sein, aber als Benjamin Bai mit seinem Vortrag begann, änderte sich die Atmosphäre ein wenig.„Es gibt drei Wissenspunkte in diesem alten Text. Merkt euch alle.“ Benjamin Bai schrieb einen Absatz an die Tafel und sagte: „Wer liest den nächsten Absatz?“„Lehrer, Bella sagt, sie möchte ihn lesen.“ Eine Stimme kam aus einer Ecke und unterdrückte ein Lachen.Als die Schüler diese Stimme hörten, lachten sie ebenfalls leise.Als Bella diese Worte und das Lachen ihre







