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Author: Proxima
last update publish date: 2026-09-07 00:31:16

Am nächsten Morgen, als Grace vom Lebensmitteleinkauf zurückkam, sah sie eine schwarze Mercedes-Benz am Eingang des heruntergekommenen Wohnblocks parken. Sie murmelte vor sich hin: „Er ist gekommen."

Sie stieg die schmale Treppe zum vierten Stock hinauf, vorbei an Wänden, die mit Schichten kleiner Werbezettel beklebt waren. Die verrostete Eisentür wirkte, als hätte die Zeit an ihr genagt.

Ein Mann in einem luxuriösen Anzug stand vor der Tür.

Als er Grace sah, öffnete er leicht die Lippen, als wollte er etwas sagen.

Grace musterte ihn einen Moment, bevor sie sich räusperte und sagte: „Bitte komm herein und setz dich."

Sie holte ihren Schlüssel heraus und öffnete die quietschende Eisentür. Ethan trat ein und betrachtete den schlichten Raum, ein Gefühl des Unbehagens überkam sein Herz.

Grace goss ohne jede Regung ein Glas Wasser ein und stellte es vor ihn hin. Sie wandte sich an Evelyn, die aus dem Zimmer kam, und sagte: „Er ist dein Vater."

Evelyns Gefühle wallten auf, als sie Ethan wiedersah. In ihrem früheren Leben war sein Selbstmord die Folge seiner eigenen Taten gewesen. Obwohl Ethan Evelyn gegenüber nie besonders liebevoll gewesen war, hatte es ihr nie an Geld gefehlt. Tatsächlich war er der letzte Mensch gewesen, mit dem sie vor seinem Tod gesprochen hatte. Damals hatte Ethan sie zum ersten Mal Eve genannt und ihr die Geschichte von ihm und Grace erzählt.

In jenem Gespräch hatte Ethan seine Liebe zu Grace überhaupt nicht verborgen. Nachdem sie erfahren hatte, dass Ethan Selbstmord begangen hatte, hatte Grace in ihrem früheren Leben ebenfalls ihr Leben beendet. Evelyn konnte nicht verstehen, wie alles so weit hatte kommen können.

Sie fragte sich, ob es ein Missverständnis zwischen ihnen gab oder ob ein dunkler Plan im Spiel war.

Während diese Gedanken durch ihren Kopf zogen, pochte Evelyns rechter Arm, als könnte sie noch immer den Schmerz der zermalmten Knochen unter den Rädern spüren, und eine unheimliche Kälte blitzte in ihren Augen auf.

Sie war fest entschlossen, nicht zuzulassen, dass alles so endete. An der Schwelle des Todes in ihrem früheren Leben hatte sie geschworen, dass sie, sollte sie noch eine Chance bekommen, dafür sorgen würde, dass sie ein bitteres Ende finden. Die Schulden des früheren Lebens würden in diesem Leben beglichen werden.

Ethan blickte in Evelyns Augen und entdeckte tief verwurzelten Groll darin. Er war überrascht. Fionas Worte hatten gestimmt; sie war tatsächlich von Hass großgezogen worden. Er war sich nicht sicher, ob es für sie noch eine Chance gab, sich aus den Fesseln des Grolls zu befreien.

Graces Blick ruhte auf Evelyn und beobachtete ihren steifen Rücken, der ihm zugewandt war. „Woran denkst du gerade?" fragte sie.

„Nichts", antwortete Evelyn, sammelte sich wieder und sah Ethan an. „Vater."

Ethan nickte, trank einen Schluck Wasser und runzelte die Stirn. Obwohl es abgekocht war, schmeckte das Leitungswasser immer noch seltsam. Er räusperte sich und verkündete: „Ich bin gekommen, um Evelyn mitzunehmen."

„Das habe ich schon vermutet", antwortete Grace, die bereits misstrauisch geworden war, als sie das Auto unten gesehen hatte. Sie setzte sich neben Ethan und schlug vor: „Du solltest mit Eve sprechen."

„Wie ist deine Entscheidung?" fragte Ethan Evelyn und fügte hinzu: „Dein Leben wird viel besser sein, wenn du mit mir kommst. Deine Mutter hat erwähnt, wie sehr du auf die Städtische Oberschule Nr. 1 gehen möchtest. Wenn du mit mir kommst, übernehme ich deine Schulgebühren."

Evelyns Gedanken schweiften zu Bella, ihrer Bekannten von der Städtischen Oberschule Nr. 1, und ihr Gesichtsausdruck veränderte sich leicht.

Im Glauben, Evelyn beginne zu schwanken, fuhr Ethan fort: „Nicht nur die Städtische Oberschule Nr. 1. Wenn du zustimmst, mit mir zu kommen, werde ich deiner Mutter außerdem eine Summe Geld als Entschädigung dafür geben, dass sie dich bis jetzt großgezogen hat."

„Ich will dein Geld nicht", sagte Grace entschieden.

„Warum bist du so stur?" klagte Ethan und hatte das Gefühl, dass Grace sich in all den Jahren kein bisschen verändert hatte.

Grace schwieg.

„Warum willst du es nicht annehmen?" fragte Ethan, seine Frustration erinnerte an die Hilflosigkeit, die er vor siebzehn Jahren empfunden hatte, unfähig, ihre Entscheidungen zu beeinflussen.

Evelyns Mundwinkel zuckten zu einem entschlossenen Lächeln. Sie hatte bereits entschieden; sie würde zur Familie Yi zurückkehren. Und es ging nicht nur um ihre Rückkehr; sie war fest entschlossen, einen Weg zu finden, damit auch Grace zur Familie Yi zurückkehren konnte.

Das Ledersitzpolster der schwarzen Mercedes-Benz fühlte sich äußerst bequem an. Evelyn spielte lässig mit dem Sicherheitsgurt an ihrer Brust und starrte aus dem Fenster. Der Himmel wurde allmählich dunkel, die belebten Straßen und das warme Licht der Geschäfte am Straßenrand begannen zu leuchten.

Alles fühlte sich so vertraut an und doch so fern...

Seit sie das Haus verlassen hatte, in dem sie sechzehn Jahre gelebt hatte, wurde Evelyns Herz mit jedem Tag schwerer. Die demütigenden Erinnerungen aus ihrem früheren Leben stiegen unaufhörlich auf und schürten ihren Groll. Sie hatte ein Leben voller Leid ertragen, hatte stets vorsichtig gelebt, und in den Augen der Außenstehenden war sie in der Yi-Residenz nicht einmal so viel wert wie ein Hund gewesen.

Das Ende ihres früheren Lebens war wahrlich tragisch gewesen. Deshalb war sie in diesem Leben fest entschlossen, mutig und durchsetzungsstark zu sein, jedes erlittene Unrecht zurückzuerobern und ihre Mutter zu rächen!

Schließlich hatte sie den Tod bereits einmal gekostet. Sie fürchtete nichts mehr, nicht einmal davor, sich Bomben umzuschnallen und gemeinsam mit ihren Feinden unterzugehen.

Ethan räusperte sich, offenbar wollte er mit Evelyn sprechen, mit einem Gefühl der Schuld in seinem Herzen.

„Vater, was gibt es?" Evelyn wandte sich Ethan zu. Sie empfand weder die Zuneigung noch die Abhängigkeit, die eine Tochter normalerweise für ihren Vater empfindet. Weder in ihrem früheren Leben noch jetzt war Ethan je eine präsente Vaterfigur in ihrem Leben gewesen.

„Wir sind bald zu Hause", begann Ethan. „Deine Stiefmutter wirkt vielleicht kühl, aber sie hat ein gutes Herz. Deine jüngere Schwester Ruby ist etwas frech, aber sie ist ein gutes Mädchen. Vater glaubt, ihr werdet gut miteinander auskommen. Und dein großer Bruder..."

Ethan wählte seine Worte sorgfältig und nannte sie immer noch „Stiefmutter". Obwohl er schon lange von Grace geschieden war, die noch lebte, wusste er, dass es Groll hervorrufen könnte, wenn er Evelyn bitten würde, Fiona „Mutter" zu nennen. Er hoffte, dass Fionas Sanftmut Evelyn mit der Zeit berühren könnte.

„Ist das so?" unterbrach Evelyn ihn, ihre Antwort war kalt. Ein kaltes Grinsen erschien an ihren Mundwinkeln, als sie ihr Gesicht abwandte und wieder schwieg.

Mutter und Tochter waren Meisterinnen der Tarnung, verkleidet als gutherzige Seelen. Ihre Stiefmutter war mit ihrem freundlichen und sanften Auftreten das Aushängeschild der gehobenen Gesellschaft von Stadt Z gewesen. Doch nur sie kannte Fionas wahres Wesen.

Während diese Gedanken durch ihren Kopf zogen, umklammerte Evelyn unwillkürlich ihr Handgelenk, der brennende Schmerz ihrer Erinnerungen kehrte zurück.

„Komm nicht wieder in den Garten; du erschreckst meinen Hund", tadelte die Stimme.

„Es tut mir leid..." Evelyn, schwach und blutend, hielt die Tränen zurück, während sie gehorsam um Verzeihung bat: „Mutter, es tut mir leid..."

...

„Evelyn? Evelyn?"

„Was gibt es?" Evelyn kehrte in die Gegenwart zurück und wandte sich Ethan zu.

„Woran hast du gedacht?" fragte Ethan und zog den Autoschlüssel ab. „Wir sind da. Zeit auszusteigen."

„Gut, Vater." Evelyn starrte auf die offene Tür, aus der warmes Licht strömte, das so warm und einladend wirkte. Doch Evelyn war sich der Kälte und Gleichgültigkeit, die sich hinter dieser Fassade verbarg, nur allzu bewusst.

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