ログインKapitel 4
Die Morgendämmerung war blass und wässrig. Die Sonne mühte sich, die dicken, grauen Wolken zu durchdringen, und tauchte die Welt in ein mattes, ätherisches Licht. Der Schnee hatte über Nacht aufgehört zu fallen, und die Landschaft lag als makellose, stille Weite aus Weiß da. Ich stand im Hof, eingehüllt in einen dicken Fellumhang, den Kael mir gegeben hatte. Er war zu groß für mich, aber warm, und er roch schwach nach ihm — ein Duft, der zugleich tröstlich und zutiefst beunruhigend war. Mein Atem stieg in der kalten Luft auf, während ich ihm zusah, wie er seinen Kriegern letzte Befehle erteilte.
Er hatte eine kleine, ausgewählte Gruppe für die Mission gewählt. Fenris stand selbstverständlich an seiner Seite, sein zynischer Blick haftete auf mir. Rourke war ebenfalls dabei, seine massige Gestalt eine stille, einschüchternde Präsenz. Zwei weitere Krieger, schlanke, scharfäugige Männer namens Jace und Corbin, betrachteten mich mit unverhohlener Skepsis. Ich war eine Außenseiterin, eine Unbekannte, und sie wollten mich nicht dabei haben. Das Gefühl war gegenseitig.
„Wir bewegen uns in Wolfsformation“, kündigte Kael an, seine Stimme trug in der stillen Morgenluft. „Fenris und ich führen. Rourke und Jace sichern die Flanken. Corbin hält das Heck. Elara bleibt bei mir.“ Er schenkte mir einen gezielten Blick, eine stumme Erinnerung an mein Versprechen zu gehorchen.
Wir verwandelten uns. Die Metamorphose war stets ein seltsames, urtümliches Erlebnis. Es war ein Flimmern der Haut, ein Biegen der Knochen, ein plötzlicher Schub von Kraft. In meiner menschlichen Gestalt wurde ich oft unterschätzt. In meiner Wolfsform war ich ein Wesen reinen Instinkts. Mein Wolf war schlank, dunkel behaart mit einem silbernen Streifen entlang des Rückens. Sie war schnell und ausdauernd, gebaut für Durchhaltevermögen statt roher Gewalt. Sie war eine Überlebende.
Ich trat neben Kael, sein Wolf ein massiges, einschüchterndes Tier von tiefem Schwarz mit Augen, die wie glühende Kohlen leuchteten. Seine Macht war spürbar, eine rohe Naturgewalt, die die anderen Wölfe instinktiv vor ihm zurückweichen ließ. Wir bewegten uns lautlos durch den Wald, unsere Pfoten machten auf dem festen Schnee kaum ein Geräusch. Die Kälte war ein vertrauter Begleiter, biss an Nase und Ohren, doch mein dichtes Fell schützte mich.
Wir steuerten den östlichen Grat an; je näher wir kamen, desto stärker wurde der Geruch der Eindringlinge. Kael bewegte sich mit der Grazie eines Raubtiers, seine Sinne waren hochalarmiert. Ich hielt sein Tempo, meine eigenen Sinne bis zum Limit gespannt. Ich hörte das leise Rascheln eines Vogels im Gebüsch, das ferne Knacken eines Astes unter der Schneelast. Ich roch Kiefer, Erde und darunter — den schwachen, beißenden Geruch von Lord Thornes Männern. Sie waren hier gewesen.
„Sie spähten auf“, flüsterte ich zu Kael. „Sie sind nicht nur vorbeigekommen. Sie suchten etwas. Einen bestimmten Ort.“
„Woher weißt du das?“, fragte er, seine Stimme ein tiefes Grollen.
„An den Spuren“, antwortete ich. „Sie sind zu überlegt, zu vorsichtig. Sie markieren ihren Pfad und versuchen zugleich, ihre Spur zu verwischen. Das ist das Verhalten einer Suchtruppe.“
Er brummte anerkennend. „Du hast ein gutes Auge.“ Ich hörte den widerwilligen Respekt in seiner Stimme. „Halt deine Sinne scharf. Wir könnten in eine Falle laufen.“
Wir gingen weiter, tiefer in das östliche Gebiet hinein. Die Bäume wurden dichter, das Gelände rauer. Der Wind heulte durch die Schluchten, und der Schnee wurde tiefer, was das Vorankommen erschwerte. Gerade als wir einen kleinen Kamm erreichen wollten, blieb Kael stehen. Er hob den Kopf, die Nüstern geweitet. Ich spürte es ebenfalls. Der Geruch war nun stärker und durchzogen von etwas anderem — dem metallischen Beigeschmack von Blut.
„Da wurde etwas erlegt“, sagte ich, die Stimme kaum ein Flüstern.
Kael nickte, seine Bewegungen angespannt. „Bleib nah“, befahl er leise.
Wir näherten uns vorsichtig, die Körper tiefgesenkt. Als wir den Kamm überquerten, trat die Szene vor uns: Eine kleine Lichtung war erfüllt von den Überresten eines brutalen Angriffs. Vier Wölfe lagen tot im Schnee, ihre Körper zerrissen und gebrochen. Es waren keine Shadow-Fang-Wölfe. Sie trugen das Zeichen der Silver Crest — ein silbernes Wappen auf schwarzem Grund.
Lord Thornes Männer.
„Was ist hier passiert?“, fragte Fenris mit gedämpfter Stimme. „Ein Überfall von Abtrünnigen?“
„Nein“, sagte ich bestimmt. „Das ist etwas anderes. Die Wunden sind präzise. Das war ein gezielter Hinterhalt.“ Ich ging zu den Leichen, die Nase arbeitete auf Hochtouren. Der Geruch der Mörder mischte sich mit dem Blut — ein Duft, den ich nur zu gut kannte. Mir lief das Blut kalt.
Kael trat an meine Seite. „Was riechst du?“
Ich sah ihn an, die Augen weit vor plötzlicher Furcht. „Es ist der Geruch eines Einzelgängers“, sagte ich, die Stimme zitternd, „ein sehr mächtiger Einzelgänger. Und er ist vermischt mit dem Geruch... eines anderen Rudels. Eines Rudels, das ich lange nicht mehr gerochen habe.“
„Wie meinst du das?“, fragte er, seine Stimme fordernd.
„Der Geruch kommt mir bekannt vor“, sagte ich, die Gedanken wirbelten. „Es ist der Geruch jenes Rudels, das mein Dorf überfallen hat — das Rudel, das meine Familie getötet hat. Aber es ist anders. Es ist stärker. Da mischt sich der Duft eines Alphas dazu.“
Die Bedeutung traf mich wie ein Schlag. Das Rudel, das Emerald Moon zerstört hatte, war nicht die Shadow Fang. Es war jemand anderes gewesen — jemand, der ein gestohlenes Siegel benutzt hatte, um sie zu beschuldigen. Meine ganze Weltsicht, das Fundament meines Hasses auf Kael, begann zu bröckeln.
Kaels Gesicht verfinsterte sich vor kalter Wut. „Du willst mir sagen, dass das Rudel, das dein Dorf überfallen hat, dasselbe Rudel ist, das diese Männer getötet hat?“
„Ja“, flüsterte ich. „Ich bin sicher. Der Geruch ist unverkennbar.“
Ein Raunen ging durch die anderen Wölfe. Die Spannung war greifbar. Das war mehr als ein Grenzstreit. Das war etwas Dunkleres, etwas wesentlich Heimtückischeres. Jemand versuchte, einen Krieg zu entfachen, die Shadow Fang gegen die Silver Crest auszuspielen.
„Wir müssen zur Festung zurück“, sagte Kael scharf. „Das ist eine Falle. Jemand versucht, mich für den Mord an Thornes Männern verantwortlich zu machen. Wenn man mich in der Nähe dieser Stelle sieht, wäre das ein Kriegsakt.“
„Nein“, sagte ich, meine Stimme schnitt durch die plötzliche Anspannung. „Wir müssen das Gegenteil tun. Wir müssen bleiben. Wir müssen die Mörder finden. Sie können nicht weit gekommen sein. Sie sind die wahre Bedrohung.“
„Er hat recht“, sagte Fenris, die Stimme angespannt. „Wenn wir fliehen, wirken wir schuldig. Wenn wir bleiben und sie stellen, können wir unsere Unschuld beweisen.“
Kael sah mich an, sein Blick suchend. Ich sah den inneren Kampf in seinen Augen — den Konflikt zwischen seinem Instinkt, sein Rudel zu schützen, und dem wachsenden Vertrauen in mich. Er ließ ein tiefes Knurren hören. „Gut. Wir jagen. Elara, du übernimmst die Führung. Du kennst diesen Geruch. Finde sie.“
Ich zögerte nicht. Ich senkte die Nase zum Boden, arbeitete den Duft der Mörder aus dem Geruch des Todes heraus. Er war schwach, aber vorhanden — eine Fährte, die tiefer in die Berge führte. Ich schoss los, die Pfoten trommelten über den Schnee. Das Rudel folgte, eine lautlose, tödliche Kraft. Wir folgten der Spur durch Schluchten, über gefrorene Bäche und steile, felsige Hänge.
Schließlich führte uns die Fährte zu einer kleinen, verborgenen Höhle. Der Eingang war schmal, vom Hauptweg kaum zu sehen. Wir hielten keuchend an. Der Geruch unserer Beute war stark, viel zu stark. Sie waren nah. Ich hörte die Herzschläge, das leise Murmeln ihrer Stimmen.
„Es sind mindestens drei“, flüsterte ich zu Kael. „Sie wissen nicht, dass wir hier sind. Sie ruhen.“
Kael nickte. Er gab Zeichen, und seine Wölfe verteilten sich, um den Höhleneingang zu umzingeln. Er sah mich an, seine Augen glühten vor kämpferischem Feuer. „Beenden wir das“, sagte er.
Er gab das Signal — und wir stürmten los. Ich platzte als Erste in die Höhle, die Augen gewöhnten sich an das schwache Licht. Drei Wölfe hockten um ein kleines Feuer. Sie sprangen auf, die Augen weit vor Schreck. Es waren die Feinde, die Mörder meiner Familie. Zorn, heiß und blendend, durchfuhr mich. Ich dachte nicht. Ich handelte.
Der Kampf war grausam. Ein Wirbel aus Zähnen und Krallen, aus Knurren und Schmerzschreien. Ich verlor mich in der urtümlichen Wut der Jagd. Ich kämpfte um Rache, um Gerechtigkeit, um alles, was mir genommen worden war. Die Schlacht tobte, die Geräusche hallten von den Höhlenwänden wider. Einer der Wölfe stürzte auf mich zu, die Kiefer schnappend. Ich wich aus, doch seine Krallen rissen über meine Schulter — ein brennender Schmerz.
Ein monströser schwarzer Wolf erschien in meinem Blickfeld: Kael. Er stürzte sich auf den Wolf, der mich angegriffen hatte, ein brutaler, effizienter Schlag. Ich sah ihm zu, ein Teil von mir in Ehrfurcht vor seiner Macht. Der Wolf fiel; bald darauf folgte ein weiterer. Der dritte versuchte zu fliehen, doch Fenris blockierte den Ausgang. Er war in die Enge getrieben.
„Wer hat euch geschickt?“, knurrte Kael, seine Stimme furchteinflößend.
Der Wolf antwortete nicht. Er starrte uns nur an, trotzig. Ich trat vor, noch zitternd vom Adrenalin. Der Geruch des Rudels der Mörder haftete an ihm, und mir wurde etwas klar: Es war nicht nur der Duft eines abtrünnigen Rudels. Es war der Duft eines Alphas — ein mächtiger Alpha, der Alpha genau jenes Rudels, das mein Leben zerstört hatte.
„Wer war der Alpha eures Rudels?“, fragte ich, die Stimme erstaunlich ruhig.
Der Wolf lachte, bitter und gebrochen. „Bald werdet ihr es erfahren“, sagte er. „Der große Alpha kommt. Und wenn er eintrifft, werdet ihr fallen. Ihr werdet die Morgendämmerung nicht erleben.“
Bevor jemand reagieren konnte, zerbiss er ein kleines Fläschchen, das er verborgen hielt. Ein krankhaft süßer Geruch erfüllte die Luft. Seine Augen trübten sich, und er brach zusammen. Er hatte sich das Leben genommen, statt gefangen zu werden — ein Akt erschreckender Loyalität. Die Spur war kalt.
Schwere Stille legte sich über die Höhle. Wir hatten die Mörder gestellt, doch der Wahrheit waren wir keinen Schritt nähergekommen. Die Bedrohung lauerte noch immer im Dunkel. Ich sah Kael an; sein Gesicht war eine Maske finsterer Entschlossenheit. Die Jagd war vorbei, doch der Krieg hatte gerade erst begonnen.
Kapitel 7Mein Herz explodierte gegen meine Rippen wie ein wildes Tier, das den Ausbruch suchte, ein hektischer Rhythmus reiner Euphorie, der drohte, meine Brust völlig zu zersprengen. Lyra. Meine Schwester. Dieses kleine, verletzliche Kind, das ich einst durch brennende Trümmer getragen hatte, während unsere Welt um uns zusammenbrach, hatte irgendwie gegen jede Wahrscheinlichkeit überlebt. Tränen, heiß und unaufhaltsam, schossen mir ohne Vorwarnung in die Augen. Seit Jahren war keine Feuchtigkeit mehr aus ihnen hervorgebrochen. Ich glaubte, diese Fähigkeit sei längst abgestorben. Doch den lebenden Leib meiner Schwester zu sehen, ihren gleichmäßigen Atem, ihr waches Bewusstsein, zerschlug jede Schutzmauer, die ich um meinen verwundeten Geist errichtet hatte. Jeder frühere Schmerz wurde in diesem einen Augenblick bedeutungslos.„Lyra“, flüsterte ich gebrochen und presste mein Gesicht gegen die kalten Eisenstäbe, die uns trennten. „Das kann nicht die Wirklichkeit sein. Ich habe diesen M
Kapitel 6Die Botschaft an der Wand war schwach, kaum im flackernden Feuerschein zu erkennen, aber mein Herz wusste, dass sie echt war. Es war ein Zeichen, eine einfache Kurve und eine gerade Linie, die ein grobes Bild eines Mondsichel ergaben. Es war das Zeichen, das meine Schwester und ich als Kinder benutzt hatten. Eine Geheimsprache. Ein Versprechen. Ein Lebenszeichen. Mit den Fingern fuhr ich über die rauen Linien im Stein; ein Zittern durchlief meine Hand. Lyra lebte. Meine Schwester lebte, und sie war irgendwo innerhalb der Festung meines Feindes.Die Erkenntnis jagte mir einen Adrenalinstoß durch den Körper und wischte alle Gedanken an Ruhe hinweg. Das Bad war vergessen. Die Erschöpfung war vergessen. Ich wurde von einem einzigen, brennenden Ziel erfüllt. Ich musste sie finden. Ich musste wissen, dass sie sicher war. Aber wie? Die Burg war ein Labyrinth aus steinernen Gängen und wachsamen Augen. Ich war eine Gefangene, eine beobachtete Frau. Jeder Versuch, mich umzusehen, würd
Kapitel 5Der Rückweg zur Blackstone-Festung war eine stille, grimmige Prozession. Der Geschmack der Schlacht lag noch bitter in meinem Mund, das Adrenalin verging und hinterließ eine tiefe, nagende Erschöpfung. Meine Schulter pochte, wo mich der feindliche Wolf gekratzt hatte, der Stich eine ständige Erinnerung an die Brutalität, die ich gerade erlebt und an der ich teilgenommen hatte. Das Gewicht dessen, was ich erfahren hatte, drückte auf mich. Der wahre Feind war nicht Kael, sondern ein Schatten, ein Puppenspieler, der aus der Dunkelheit die Fäden zog.Die Krieger des Rudels behandelten mich jetzt anders. Das Misstrauen war noch da, ein fortwährender Strom argwöhnischer Blicke, doch es war von einem widerwilligen Respekt gemildert. Ich hatte an ihrer Seite gekämpft. Ich hatte meinen Wert bei der Jagd bewiesen. Jace und Corbin, die mich zuvor mit solchem Hass angesehen hatten, vermieden nun meinen Blick. Es war, als wüssten sie nicht, wie sie mit den Informationen umgehen sollten,
Kapitel 4Die Morgendämmerung war blass und wässrig. Die Sonne mühte sich, die dicken, grauen Wolken zu durchdringen, und tauchte die Welt in ein mattes, ätherisches Licht. Der Schnee hatte über Nacht aufgehört zu fallen, und die Landschaft lag als makellose, stille Weite aus Weiß da. Ich stand im Hof, eingehüllt in einen dicken Fellumhang, den Kael mir gegeben hatte. Er war zu groß für mich, aber warm, und er roch schwach nach ihm — ein Duft, der zugleich tröstlich und zutiefst beunruhigend war. Mein Atem stieg in der kalten Luft auf, während ich ihm zusah, wie er seinen Kriegern letzte Befehle erteilte.Er hatte eine kleine, ausgewählte Gruppe für die Mission gewählt. Fenris stand selbstverständlich an seiner Seite, sein zynischer Blick haftete auf mir. Rourke war ebenfalls dabei, seine massige Gestalt eine stille, einschüchternde Präsenz. Zwei weitere Krieger, schlanke, scharfäugige Männer namens Jace und Corbin, betrachteten mich mit unverhohlener Skepsis. Ich war eine Außenseiter
Kapitel 3Die nächsten Tage verschwammen in einem Nebel aus Gefangenschaft und erzwungener Interaktion. Man behandelte mich mit einer seltsamen, paradoxen Mischung aus Feindseligkeit und brüchigem Respekt. Die Mitglieder des Rudels Shadow Fang funkelten mich an, während man mich vom Zimmer zur Halle und zurück eskortierte. Ich war ein Spektakel, eine Kuriosität, die Ausgestoßene, die es geschafft hatte, ihren furchteinflößenden Alpha zu fesseln. Ich spürte Wellen des Grolls, die von ihnen ausgingen. Sie sahen in mir eine Gefahr für ihre Stabilität, einen fremden Körper, den ihr Rudel verzweifelt zu verstoßen versuchte.Mein Wächter war ein stoischer, schweigsamer Krieger namens Rourke. Er war ein Berg von einem Mann mit einem dauerhaften Stirnrunzeln und einer tiefen, beständigen Loyalität zu Kael. Er sprach mit mir nur, wenn es nötig war, und sein Blick war immer wachsam, stets bereit. Es war offensichtlich, dass er mir nicht vertraute und nur auf einen Vorwand wartete, mich in meine
Kapitel 2Seine Worte hingen zwischen uns in der Luft, ein Satz, der alles und doch nichts veränderte. Mein Verstand schrie Verneinung, doch mein Körper, meine ganze Seele, verriet mich. Mein Wolf heulte in der Erkenntnis, ein freudiges, verzweifeltes Geräusch, dem ich nicht widerstehen konnte. Sie hatte ihre andere Hälfte gefunden, ihr Gegenstück, das einzige Wesen im Universum, das für sie bestimmt war. Es war ihr egal, dass er der Feind war. Sie wusste nur, dass er ihr gehörte. Und ein Teil von mir, ein kleiner, heimtückischer Teil, den ich tief vergraben hatte, fühlte dasselbe. Der Zug war unwiderlegbar. Es war eine Naturgewalt, ein Band, das in das Gewebe meines Seins gewebt war.Kaels Griff an meinen Handgelenken lockerte, doch er ließ mich nicht los. Seine Augen, dieses stechende winterliche Blau, waren auf meine gerichtet. Sie bargen ein Sturmfeld von Gefühlen: Schock, Unglaube und ein heftiges, possessives Feuer, das mir einen Schauer über den Rücken jagte, obwohl die Luft um







