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Kapitel 2: Der Mann, der wegging

ผู้เขียน: PARIS BELLE
last update วันที่เผยแพร่: 2026-10-30 01:37:24

„Gesicht nach unten. Beweg dich nicht."

Ich lag auf dem Beton, bevor ich überhaupt gemerkt hatte, dass ich mich bewegt hatte. Die Schüsse waren im Treppenhaus so laut, dass mir die Ohren klingelten. Stiefel donnerten über und unter mir auf die Stufen. Jemand sprang über das Geländer, und ein Körper prallte direkt neben meinem Kopf gegen die Wand. Ich hörte einen Mann grunzen, dann ein nasses Knacken, dann ein Lachen, das viel zu fröhlich für diesen Moment war.

„Zwei für mich! Das sind zwei für mich, Dec!"

„Halt die Klappe und lad nach."

Das Schreien unter mir wurde dünner und hörte dann auf. Irgendwo tropfte Wasser. Ich lag da, die Wange auf dem kalten Boden, und der Geruch von Schießpulver und Blut stand mir in der Nase. Ich zählte meine Finger, weil ich nicht sicher war, ob noch alle da waren.

Eine Hand schloss sich um meinen Ellbogen.

„Hoch. Lass mich dich ansehen."

Ich kannte diese Stimme, noch bevor ich hinsah. Sie war wie ein Lied, von dem man sich geschworen hat, es vergessen zu haben. Als ich den Kopf hob, sah ich die Narbe durch seine linke Augenbraue und das schwarze Haar, jetzt etwas länger. Seine dunkelbraunen Augen waren viel zu nah an meinen. Er trug ein Gewehr quer vor der Brust und hatte einen Streifen fremdes Blut am Kiefer. Zwei Jahre lang war ich wütend gewesen und hatte auf diesen Moment gewartet. Von den Reden, die ich mir zurechtgelegt hatte, brachte ich keine einzige heraus.

Ich schlug ihm ins Gesicht.

Das Klatschen hallte von den Wänden. Sein Kopf drehte sich mit dem Schlag, und er ließ es geschehen. Dann drehte er ihn langsam zurück. Er fasste sich nicht ans Gesicht. Er stand einfach da, atmete und wartete auf den nächsten.

„Zwei Jahre", sagte ich. Meine Stimme zitterte, und das machte mich noch wütender. „Kein Zettel. Kein Anruf. Du warst einfach weg."

„Wren." Declan sagte meinen Namen leise, so, wie man mit einem verletzten Tier spricht. „Du blutest."

„Das ist mir egal."

„Dein Arm."

Ich sah hinunter. Ein langer Schnitt zog sich von meinem Handgelenk bis zum Ellbogen, offen und glänzend, und der Ärmel meines Sweatshirts war durchnässt. Ich hatte gar nicht gespürt, wie es passiert war. Vielleicht war es die Krankenschwester gewesen, als ich gefallen war. Jetzt, wo ich es gesehen hatte, traf mich der Schmerz auf einmal, und meine Knie wurden weich.

Declan fing mich auf, bevor ich auf die Stufen fiel. Ich stieß ihn weg.

„Ich muss wieder runter", sagte ich. „Sofort. Mein Bruder, Finn. Er ist fünfzehn, er trägt eine gelbe Jacke, und ich habe ihn im Erdgeschoss durch die Hintertür geschickt. Er müsste jetzt in der Gasse sein. Ich muss los."

„Wir sind durch diese Gasse hereingekommen", sagte Declan.

„Dann hast du ihn gesehen."

„Nein." Er sah die Treppe hinunter, und sein Gesicht verschloss sich. „Der Ostflügel brennt, Wren. Die Laderampe liegt direkt darunter."

„Was?"

„Das war ich", sagte eine Stimme von unten.

Ein blonder Typ kam die Treppe heraufgejoggt, immer zwei Stufen auf einmal. In einer Hand hatte er eine Pistole, in der anderen ein halb geschmolzenes Feuerzeug. Seine Augen waren grün, sein Grinsen schief, und er hatte einen Schnitt am Kinn, den er anscheinend vergessen hatte. Er blieb zwei Stufen unter mir stehen, warf einen Blick auf mein Gesicht, und sein Grinsen geriet ins Wanken.

„Okay. Schlechter Moment. Ich hab ein Feuer gemacht. Ein großes. Es sollte ablenken." Er verzog das Gesicht. „Es war eine echt gute Ablenkung, bis vor ungefähr zehn Minuten."

„Du hast die Laderampe angezündet?"

„Zu meiner Verteidigung: Da standen vierzig von denen auf der Laderampe."

„Mein Bruder war auf der Laderampe!"

„Beck", sagte Declan leise.

„Richtig. Tut mir leid. Ich bin still." Aber es sah nicht aus, als täte es ihm leid. Er wirkte wie jemand, der im Dunkeln auf etwas getreten ist und noch nicht weiß, was es war.

„Wir gehen zurück", sagte ich. „Ihr könnt mich hinbringen, oder ich gehe allein."

„Das geht nicht", sagte Declan.

„Er ist mein Bruder!"

„Die Treppe ist weg. Die ganze Ostseite stürzt ein. Wenn wir durch das Feuer gehen, kommt keiner von uns raus." Er hob die Stimme nicht. Das war das Schlimmste daran. Er sagte es ganz flach, wie ein Mann, der den Wetterbericht vorliest. „Es tut mir leid."

„Es tut dir leid." Ich lachte, und es tat weh. „Das ist doch dein ganzes Ding, oder? Du sagst es so leise, dass niemand widersprechen kann."

Er nahm es hin, ohne ein Wort. Hinter ihm war ein dritter Mann auf den Treppenabsatz getreten, und er sah schon auf meinen Arm.

Er war groß und schlank, mit hellbraunem Haar und einer Arzttasche über der Schulter. Er bewegte sich wie jemand, der schon immer vorsichtig gewesen war. Wortlos kniete er sich hin, zog eine Taschenlampe vom Gürtel und nahm mein Handgelenk in seine langen, ruhigen Finger.

„Setz dich", sagte er.

„Ich bin nicht …"

„Setz dich. Oder ich setze dich hin."

Ich setzte mich. Er richtete das Licht auf die Wunde, und ich beobachtete sein Gesicht, während er sie untersuchte. Seine Augen gingen überallhin, nur nicht zu meinen. Er prüfte meinen Hals, meine Hände und die Ränder meines Sweatshirts. Der Lichtstrahl blieb etwas zu lange an meinem Kragen hängen.

„Irgendwelche Bisse? Zähne, irgendwo. Auch nur ein Kratzer."

„Nein."

„Ich frage nicht zweimal."

„Ich hab Nein gesagt."

Er nickte einmal, ohne aufzusehen, und zog eine gebogene Nadel heraus. „Das tut weh."

„Ich hatte schon Schlimmeres …" Die Nadel ging hinein. „Okay. Nein, das ist übel."

„Erzähl ihr von der Ziege", sagte Beck und ließ sich neben mir auf die Stufe fallen. „Hey. Sieh mich an. Nicht die Nadel. Hat Declan dir je von der Ziege erzählt?"

„Ich kenne keine Ziege."

„Niemand kennt die Ziege. Deshalb ist es eine gute Geschichte. Also, da ist eine Ziege, ja? Und ein sehr ernster Mann in Uniform, und dieser Mann hat eine sehr wichtige Mission …"

Ich klammerte mich am Geländer fest. Er redete weiter, schnell und albern, und fuchtelte mit den Händen. Meine Augen wurden feucht, und ich hasste es, dass ich ihm dankbar war. Elias zog den Faden durch, und ich spürte jeden Zug. Declan lehnte mit verschränkten Armen an der Wand und beobachtete die Tür.

„… und so kam die Ziege in den Jeep des Colonels. Ende. Ich hab noch mehr."

„Bestimmt", sagte ich durch die Zähne.

„Name?", fragte Elias und zog einen Knoten fest. Er hatte mich immer noch nicht angesehen. „Für die Akte."

„Wren."

„Nachname."

„Aldridge."

Die Nadel hielt inne.

Es war eine Kleinigkeit. Eine halbe Sekunde lang erstarrte seine Hand auf meiner Haut. Dann zog er den Faden durch und schnitt ihn ab. Als er sprach, war seine Stimme viel kälter als eine Minute zuvor.

„Aldridge."

„Ja. Warum?"

„Kein Grund." Er stand auf, wischte sich die Hände an der Jeans ab und klappte seine Tasche zu. „Du bist fertig. Halt es sauber. Kratz nicht daran."

„Elias", sagte Declan.

„Ich hab gesagt, sie ist fertig." Er ging an uns vorbei und die Treppe hinunter. Ich sah seinem Rücken nach, bis er verschwunden war.

„Was war das?", fragte ich.

Niemand antwortete. Beck interessierte sich plötzlich sehr für sein Feuerzeug. Declan sah auf den Boden.

„Schön", sagte ich. „Sagt es mir nicht. Ich finde es heraus."

Sie brachten mich durch die Eingangshalle nach unten. Die Glastüren waren zerschmettert, und die kalte Nachtluft strömte herein. Wir stiegen über Leichen, und ich sah nicht hin. Durch die kaputten Fenster war der Ostflügel ein Turm aus orangefarbenem Feuer, und der ganze Himmel darüber glühte. Asche schwebte herab wie grauer Schnee. Ich suchte die Schatten nach einer gelben Jacke ab und flüsterte seinen Namen, und niemand sagte mir, ich solle aufhören.

Elias wartete am Bordstein. Er sah nicht ins Feuer. Er hockte am Rand der Gosse, wo etwas Kleines, Helles halb versteckt im dunklen Wasser lag.

Er hob es auf und hielt es in den Strahl seiner Taschenlampe. Es war eine Kinderjacke. Der Reißverschluss war aufgerissen, und der gelbe Stoff war fast schwarz von Blut.

Endlich sah er mich an. Es war das erste Mal in dieser ganzen Nacht.

„Wren", sagte er. „Ist das die Jacke deines Bruders?”

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