เข้าสู่ระบบ„Das ist nicht seine."
Ich sagte es schnell, bevor die Worte dahinter mich einholen konnten. Elias hielt die Jacke ins Licht der Taschenlampe. Ich starrte auf den Reißverschluss, der offen hing wie ein gebrochener Kiefer. „Finns Reißverschluss reißt nicht auf", sagte ich. „Ich hab ihn im September selbst repariert. Es ist ein guter Reißverschluss." „Wren …" „Es gibt hundert gelbe Jacken in dieser Stadt." Meine Stimme wurde höher. „Das ist eine beliebte Farbe. Sie ist fröhlich. Die Leute haben sie für ihre Kinder gekauft." Elias drehte die Jacke wortlos um. Am linken Ellbogen war ein klumpiger Flicken in Form eines Fuchses, mit dicken blauen Fäden von jemandem aufgenäht, der nicht nähen konnte. Ich kannte jeden schiefen Stich. Ich hatte sie nachts um zwei genäht, mit einer Nadel, die ich in einem Schwesternspind gefunden hatte, und Finn hatte gesagt, es sehe aus wie eine Kartoffel mit Ohren. Er hatte sie trotzdem getragen. Der Laut, den ich von mir gab, fühlte sich nicht an, als käme er von mir. Ich riss ihm die Jacke aus den Händen und drückte sie an meine Brust. Sie war kalt und nass und schwerer, als sie sein sollte. Dann rannte ich los. Sechs Schritte schaffte ich in Richtung des brennenden Ostflügels, bevor sich ein Arm um meine Taille hakte und mich einfach vom Boden hob. „Lass los!" „Nein." „Er ist da drin! Er ist da drin, Declan, lass mich LOS!" Ich trat nach hinten und traf sein Schienbein, dann sein Knie. Ich hörte ihn grunzen, aber er ließ nicht los. Ich kratzte an seinem Handgelenk, und er warf mich über seine Schulter wie einen Mehlsack. Ich trommelte mit einer Faust auf seinen Rücken, in der anderen die Jacke, und er ging einfach weiter. „Du kannst mich dein ganzes Leben lang hassen", sagte er, ruhig und dicht an meinem Ohr. „Aber du wirst ein Leben haben." „Ich hasse dich jetzt schon!" „Gut. Heb es dir auf." Beck hatte den Truck bereit. Es war ein verbeulter Pick-up mit einer Räumschaufel an der Front und einer Ladefläche voller Benzinkanister. Er riss die Beifahrertür auf, und Declan setzte mich hinein. Ich versuchte, auf der anderen Seite hinauszuklettern, aber Elias war schon da. Er quetschte sich neben mich, die Tasche auf dem Schoß, und versperrte den Türgriff mit seinem ganzen Körper. Declan sprang mit dem Gewehr hinten auf die Ladefläche. „Fahr", sagte er und schlug zweimal aufs Dach. Beck gab Vollgas. Hinter uns fiel der Ostflügel mit einem Donnern in sich zusammen, das die Windschutzscheibe zittern ließ. Eine Säule aus Funken schoss in die Dunkelheit. Ich drehte mich um und presste das Gesicht an die Heckscheibe. Ich sah zu, wie das Feuer zu einer kleinen orangefarbenen Münze schrumpfte und dann zu nichts. Meine Kehle war zugeschnürt. Ich wusste nicht, ob ich atmete. „Er hat gesagt, er rennt", sagte ich zu niemandem. „Ich hab ihn es mir nachsagen lassen. Zweimal." Niemand sprach. Becks Hände packten das Lenkrad fester. Die Uhr am Armaturenbrett zeigte 4:12. Wir fuhren, und der Himmel wurde von Schwarz zu Grau zu einem flachen weißen Morgen. Jede große Straße war von toten Autos verstopft, also nahmen wir Nebenstrecken. Zweimal drehten wir um, weil Declan aufs Dach hämmerte und zeigte. Ich sah die Gebäude vorbeigleiten. Eine Bank, deren Fenster alle fehlten. Ein Schulbus mit tausend winzigen Handabdrücken auf der Innenseite der Scheiben. Die Jacke lag auf meinem Schoß, und ich hielt die Hand flach auf den Fuchs. Irgendwann nach Mittag merkte ich, dass Elias sie auch ansah. Er war stundenlang still gewesen. Jetzt hatte er eine kleine Lampe herausgeholt. Er beugte sich über den Kragen, berührte den Fleck mit einer behandschuhten Fingerspitze und rieb ihn dann zwischen Daumen und Zeigefinger. „Lass das", sagte ich. „Tut mir leid." Er hörte nicht auf. Er hob den Stoff näher ans Licht und runzelte die Stirn. „Das ist merkwürdig." „Was ist merkwürdig?" „Nichts." Aber seine Lippen bewegten sich weiter. „Es ist zu dunkel. Zu alt." „Was hast du gesagt?" „Nichts, Wren. Iss etwas." Er drückte mir einen zerdrückten Müsliriegel in die Hand und wandte sich wieder dem Fenster zu, die Kiefer angespannt. Ich legte den Riegel aufs Armaturenbrett. Ich hatte keinen Hunger. Ich hatte das Gefühl, etwas Großes zu übersehen, wie ein Puzzleteil, das unters Sofa gefallen ist. Im Spiegel traf ich Becks Blick, und er sah schnell weg. Die Sonne stand tief und orange, als wir den Fluss erreichten. „Äh", sagte Beck. „Das ist neu." Die Brücke war kaputt. Ein großes Stück in der Mitte war ins Wasser gestürzt und hatte eine schwarze Lücke von etwa zehn Metern hinterlassen. Auf unserer Seite neigte sich die Straße zur Lücke hin, eine Rampe aus rissigem Beton und verbogenen Metallstäben. Ein ausgebrannter Tanklaster lag quer über beiden Spuren, rostig und verdreht. „Wir fahren über den Tanker", rief Declan durchs hintere Fenster. „Wir nehmen ihn als Rampe." „Über den … Dec, das ist hundertprozentig Selbstmord." „Der andere Weg ist sechzig Kilometer lang. Wir haben nicht genug Sprit." „Klar. Super. Liebe ich." „Beck." „Ich mach's ja. Ich mach's ja!" In diesem Moment fing das Klicken an. Es kam von den Bäumen rechts von uns. Ein trockenes, schnelles Klicken, als würde jemand tausendmal mit den Fingern schnippen. Gestalten glitten zwischen den Stämmen hervor. Sie rannten nicht wild wie die Läufer. Sie bewegten sich in einem weiten Bogen, tief, grau und lautlos, und breiteten sich aus, um die Straße abzuschneiden. Es waren ein Dutzend, vielleicht mehr. Die vorderste hob den Kopf, und ich schwöre, sie sah direkt in unsere Windschutzscheibe. „Blutige", sagte Elias leise. „Sie jagen im Rudel." „Sind die schlau?", flüsterte ich. „Sie sind geduldig." Declans Gewehr knallte von der Ladefläche. Eine der Gestalten zuckte und fiel. Die anderen zuckten nicht einmal zusammen. Sie wurden nur schneller und breiteten sich weiter aus, und das Netz zog sich zu. „Haltet euch irgendwo fest", sagte Beck. „Woran?" „An irgendwas! An deinem eigenen Gesicht!" Er trat aufs Gaspedal. Der Truck sprang auf den Tanker zu und hüpfte die Rundung seiner Seite hinauf, und der ganze Rahmen kreischte. Eine lange Sekunde lang waren wir in der Luft. Ich sah durch die Windschutzscheibe hinunter auf graues Wasser, weit unten. Dann schlugen die Räder auf der anderen Seite auf die Straße, und der Aufprall schlug mir die Zähne aufeinander. Etwas polterte auf dem Dach. „Eine sitzt auf uns!", brüllte Declan. Ich hörte ihn zweimal schießen, dann das Geräusch eines Körpers, der hinten herunterrutschte. „Weiterfahren!" Ich drehte den Kopf und sah eine Hand, grau mit langen Krallen, die sich um die Kante der Heckklappe legte. Dahinter tauchte ein Gesicht auf, das mit zu vielen Zähnen grinste. Declans Stiefel traf es am Kiefer, und es stürzte in den Fluss. Die Brücke blieb hinter uns zurück. Das Rudel hielt am Rand der Lücke an und stellte sich Schulter an Schulter in einer Reihe auf. Sie sahen uns nach. Lange sprach niemand. „Okay", sagte Beck schließlich, seine Stimme ein wenig zittrig. „Ich möchte hiermit offiziell erklären, dass ich das nie wieder mache." „Das hast du letzten Monat auch gesagt", sagte Elias. „Letzten Monat hab ich es weniger ernst gemeint." Ich stieß einen Atemzug aus, halb Schluchzen, halb Lachen. Beck sah herüber, mit einem kleinen, vorsichtigen Lächeln, und ich konnte ihm nicht böse sein. Das war das Problem mit ihm. Die Bergstraße wand sich durch dunkle Kiefern nach oben. Als die Bäume sich endlich lichteten, ragte in der Dämmerung ein hoher Metallzaun auf. Er war mit scharfem Draht gekrönt und mit hellen Flutlichtern bestückt. Dahinter sah ich Dächer, Kaminrauch und ein breites Lodge-Haus aus Stein. Von einem Turm ertönte ein Horn, lang und tief, und rollte über das Tal. Declan sprang von der Ladefläche, noch bevor Beck ganz angehalten hatte. Das Tor rüttelte und blieb zu. Darüber stand auf der Mauer eine Frau im grellen Licht der Scheinwerfer, ein Gewehr auf der Schulter. Sie war etwa fünfundvierzig, mit kurz geschnittenem, eisengrauem Haar, und ihr Gesicht sah aus, als wäre es aus demselben Stein gehauen wie das Haus. „Warden", sagte Declan, die Hände erhoben. „Wir sind zurück. Wir haben noch eine mitgebracht." Die Frau sah mich lange an. Hinter uns, zwischen den Bäumen, begannen sich die ersten grauen Gestalten zu sammeln. „Die Sonne ist untergegangen", sagte sie. „Die Tore sind zu. Regel ist Regel.”Boots ließ die Dosen fallen. Eine nach der anderen schlugen sie auf dem Kies auf und rollten bis zum Dachrand. Er sah ihnen nicht nach. Obwohl ich mich nicht bewegt hatte, streckte er den Arm schützend vor mich und starrte so lange auf die Baumgrenze, wie ich brauchte, um zweimal zu atmen.„Sie kommen nicht bei Tageslicht heraus“, sagte ich.„Nein.“„Warum stehen sie dann dort?“„Ich weiß es nicht.“ Seine Stimme war leise. Kein Scherz lag darin. „Wren, geh die Leiter hinunter.“„Beck …“„Jetzt. Bitte.“Auf dem Nordturm rief ein Wachposten etwas, das ich nicht verstehen konnte. Die Glocke an der Veranda der Lodge begann schnell und heftig zu läuten, und entlang der Hüttenreihen öffneten sich überall Türen.Ich kletterte mit meiner verbundenen Hand an die Brust gedrückt hinunter. Beck kam direkt über mir nach unten, und seine Stiefel trafen zweimal meine Finger. Unten war der Hof voller Menschen, die in alle Richt
Draußen überquerten Stiefel den Kies. Ein Schlüssel kratzte im Vorhängeschloss der Haupteingangstür.Beck hielt mein Handgelenk mit einer Hand und Coras Jackenkragen mit der anderen fest. Er sagte kein Wort. Er zog uns den Gang entlang zurück zu dem Korridor, in dem durch das Gitter ein schmaler Streifen graues Licht fiel. Zuerst hob er Cora hinauf, dann schob er von unten gegen meinen Stiefel, während ich mich mit meiner gesunden Hand nach draußen zog. Er kletterte hinter mir her und senkte das Gitter lautlos wieder ab. Wir legten uns flach auf den Boden hinter dem Kohlebunker. Durch die Fundamentwand hörte ich, wie eine Stahltür geöffnet und wieder geschlossen wurde. Sonst hörte ich nichts, und ich beschloss, dass ich auch nichts hören wollte.„Das war das lauteste Anschleichen, das ich je erlebt habe“, flüsterte Beck. „Ihr beide. Wirklich beeindruckend.“„Ich war nicht laut“, flüsterte Cora zurück.„Deine Jacke quietscht.“Er schickte
Ich schob den Ausweis in meinen Ärmel und hielt meine verbundene Hand darüber. Elias drehte sich vom Waschbecken weg, trocknete sich die Hände ab und sah zu dem Feldbett, auf dem ich saß. Eine Sekunde lang war ich sicher, dass er fragen würde. Stattdessen nahm er seine Tasche. „Halte ihn trocken“, sagte er noch einmal und ging. Ich wartete, bis seine Schritte im Flur verklungen waren. Dann stand ich auf, holte den Ausweis hervor und folgte ihm. Declan und Beck warteten vor der Küchentür. Declan lehnte mit verschränkten Armen an der Wand und hatte den Blick auf den Versammlungssaal der Lodge gerichtet. Beck saß auf einem umgedrehten Eimer und klappte immer wieder das Feuerzeug auf und zu. Elias war ein paar Schritte vor ihnen stehen geblieben. Alle drei sahen mich gleichzeitig an. Alle drei blickten auf meine geschlossene Hand. „Tom Dalton hatte das bei sich“, sagte ich und hielt den Ausweis am Band hoch. Beck
Ich bewegte mich nicht. Ein Wachmann überquerte mit einer Laterne den Hof. Ich wartete, bis er um die Ecke der Lodge verschwunden war, bevor ich antwortete.„Sie füttert es. Was soll das heißen? Einen Hund?“„Ein Hund würde bellen. Das würde ich hören.“ Cora hob zwei Finger. „Zweimal pro Woche. Direkt nach dem Dämmerungshorn, wenn die Wachen auf der Mauer wechseln und niemand auf die Rückseite der Lodge achtet. Sie geht mit einer abgedeckten Blechdose hinein und kommt mit einer leeren wieder heraus. Letzten Sonntag blieb sie zwanzig Minuten.“„Und du hast es niemandem erzählt?“„Wem denn? Sie ist der Warden.“ Sie sagte es, als wäre es eine einfache Tatsache, und ich verstand, dass es in Harlow Ridge auch genau das war. „Aber du bist anders. Du magst sie nicht.“„Ich kenne sie nicht.“„Eben. Du magst sie also noch nicht.“Ich sah auf meine verbundene Hand. Declan hatte gesagt, wir würden heute Abend reden. Elias hatte mir
Das Wort blieb im Raum hängen, nachdem er es ausgesprochen hatte. Ich konnte mich nicht bewegen. Der Stuhl stand noch immer zwischen uns. Seine Hände lagen noch immer auf den Stuhlbeinen. Seine trüben Augen waren weiterhin auf mein Gesicht gerichtet. Hinter ihm hatte Elias ein Knie unter seinen Körper gezogen. Glasscherben rutschten von seinem Rücken und klirrten auf dem Boden.„Woher kennst du diesen Namen?“, flüsterte ich.Der Kopf des Mannes neigte sich noch weiter zur Seite. Sein Kiefer begann sich langsam zu öffnen, als wollte er ein weiteres Wort hervorbringen.Der Riegel an der Tür wurde hochgehoben. Die Tür krachte gegen die Wand.„Wren. Runter!“Ich ließ den Stuhl los und warf mich flach zwischen die Feldbetten. Meine Arme legte ich schützend über den Kopf. Der Schuss war so laut, dass es in meinen Ohren schmerzte. Etwas Schweres fiel auf den Stuhl und klemmte meine Beine ein. Eine warme Flüssigkeit traf meinen Nacken und meine Hand. Einen Moment lang hörte ich nur ein hohes,
Die Krankenstation lag am Ende eines kurzen Flurs hinter der Küche. Als Elias dort ankam, stand die Tür bereits offen. Ich blieb keuchend im Türrahmen stehen und ließ den Blick durch den Raum schweifen.Sechs schmale Betten standen nebeneinander, jedes mit einem grauen Vorhang an einer Schiene. An einer Wand reihten sich Schränke mit Glastüren. Auf einem Metallwagen lag ein Tablett mit medizinischen Instrumenten.Eine ältere Frau in einem Schwesternkittel zog ein Bett in Richtung Tür. Ein kleiner Junge lag noch darauf, sein Bein in Gips. Die Luft roch nach Alkohol, Schweiß und etwas Säuerlichem.Am anderen Ende des Raumes, neben dem Fenster, kniete eine Frau neben dem letzten Bett und hielt die Hand eines Mannes mit beiden Händen fest. „Tom“, sagte sie immer wieder. „Tom, sieh mich an.“„Greta, was ist los?“, fragte Elias.„Bett sechs. Er kam letzte Nacht mit Fieber hierher.“ Die Krankenschwester zog das Bett weiter. „Seine Frau sagte, er hätte Fieber. Ich habe ihr geglaubt.“Elias gi







