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Kapitel 2: Die Wahrheit im Dunkeln

Author: Ash Fleming
last update publish date: 2026-05-16 05:00:49

Ich saß stundenlang wie erstarrt auf meinem Bett, nachdem Elena gegangen war. Die kleine Uhr an meiner Wand tickte unerbittlich auf Mitternacht zu, jede Sekunde ein Hämmern gegen meinen Schädel.

Sie log. Sie musste lügen.

Aber tief in mir wusste ich, dass sie es nicht tat. Jeder seltsame Blick, jedes geflüsterte Gespräch, das verstummte, sobald ich einen Raum betrat, jedes Mal, wenn Damien stundenlang spurlos verschwand. Die Zeichen waren die ganze Zeit da gewesen. Ich hatte nur zu viel Angst gehabt, sie zu sehen.

Mein Wolf wimmerte in mir, schwach und gebrochen. Die Seelenbindung hätte mich warnen müssen. Sie hätte mir Damiens Verrat zeigen müssen. Aber meine Verbindung zu meinem Wolf war so beschädigt, so unterdrückt, dass ich kaum noch etwas spürte.

Die Uhr schlug halb zwölf.

Ich sollte nicht gehen. Ich sollte in meinem kleinen Zimmer bleiben und so tun, als hätte ich Elenas Worte nie gehört. Unwissenheit war einfacher als die Wahrheit.

Aber etwas regte sich in mir. Ein winziger Funke von etwas, von dem ich dachte, es sei längst erloschen. Wut.

Mit zitternden Beinen verließ ich mein Zimmer.

Nachts herrschte Stille im Rudelhaus. Die meisten Wölfe schliefen oder waren auf Patrouille. Ich bewegte mich wie ein Geist durch die Schatten, was passend war, da ich ohnehin für alle hier unsichtbar geworden war. Die Gemächer der Lunas befanden sich im zweiten Stock des Ostflügels. Mein altes Zimmer. Der Ort, an dem ich einst davon geträumt hatte, mit meiner Gefährtin ein Leben aufzubauen.

Langsam stieg ich die Treppe hinauf, mein Herz hämmerte so heftig, dass ich dachte, es würde mir aus der Brust springen. Ein Teil von mir hoffte, Elena spiele mir einen grausamen Scherz. Ein anderer Teil wusste bereits, was mich erwarten würde.

Der Flur war leer. Mondlicht strömte durch die hohen Fenster und tauchte alles in Silber und Schatten. Ich erreichte die kunstvollen Doppeltüren und presste mein Ohr an das Holz.

Stille.

Vielleicht war niemand drinnen. Vielleicht konnte ich in mein Zimmer zurückkehren und so tun, als wäre diese Nacht nie geschehen.

Dann hörte ich es. Ein leises Stöhnen. Ein weibliches Lachen. Meine Hand griff nach dem Türgriff, bevor ich mich beherrschen konnte. Die Tür war unverschlossen. Natürlich war es so. Sie hatten nicht damit gerechnet, gestört zu werden. Wer hätte es auch gewagt?

Ich schob die Tür langsam auf, die Angeln knarzten.

Das Zimmer war von Kerzen erleuchtet. Dutzende Kerzen, die ein romantisches Licht erzeugten, das mir ein flaues Gefühl im Magen bereitete. Das massive Himmelbett dominierte den Raum. Mein Ehebett.

Und dort, in Seidenlaken gehüllt, lagen mein Mann und meine Schwester.

Damiens Lippen berührten Elenas Hals. Ihre Hände fuhren durch sein Haar. Sie hatten mich noch nicht bemerkt, zu sehr waren sie ineinander vertieft.

Ich stand wie erstarrt im Türrahmen, unfähig mich zu bewegen, unfähig zu atmen, unfähig irgendetwas zu tun, als zuzusehen, wie meine ganze Welt zerbrach.

Elena sah mich zuerst. Ihre Blicke trafen meine über Damiens Schulter hinweg, und sie lächelte. Sie lächelte wirklich. Dann stöhnte sie lauter und inszenierte es.

„Damien“, schnurrte sie. „Du bist so viel besser als sie. So viel stärker.“

Er wich zurück und sah sie an, sein Gesicht voller Verlangen, das ich noch nie zuvor bei mir gesehen hatte.

„Sprich nicht von ihr“, sagte er. „Du bist alles, was sie nie sein konnte.“

„Sag mir, dass du mich liebst“, forderte Elena, ihre Augen immer noch fest auf meine gerichtet.

„Ich liebe dich“, sagte Damien ohne zu zögern. „Ich habe dich geliebt, seit wir uns begegnet sind. An Aria gebunden zu sein, war der grausamste Scherz der Mondgöttin.“

Jedes Wort war wie eine Klinge. Jedes Wort riss Blut.

„Und das Baby?“, fragte Elena und legte seine Hand auf ihren Bauch. „Freust du dich auf unser Baby?“

Unser Baby. Nicht sein und meins. Sein und ihres.

„Ich kann es kaum erwarten, unseren Sohn kennenzulernen“, sagte Damien leise und zärtlich mit einer Stimme, die er noch nie zu mir benutzt hatte. „Du wirst eine perfekte Mutter sein. Eine perfekte Luna.“

„Aber du bist bereits verpaart“, sagte Elena und spielte ihr Spiel. „Was wirst du mit der armen, jämmerlichen Aria machen?“ Damiens Gesicht verhärtete sich. „Ich werde sie zurückweisen. Ich hätte es schon vor Jahren tun sollen. Sie ist nichts. Ein Fehler. Eine Last, die ich viel zu lange mit mir herumgetragen habe.“

Etwas in mir zerbrach.

Ich merkte gar nicht, dass ich einen Laut von mir gegeben hatte, bis sich beide umdrehten und mich anstarrten. Damiens Augen weiteten sich vor Schreck. Elenas Lächeln wurde noch breiter.

„Aria“, sagte Damien und stieg ohne jede Scham aus dem Bett. Er machte sich nicht einmal die Mühe, sich zu bedecken. „Was machst du hier?“

Was machte ich hier? In meinem eigenen Zimmer, in meinem eigenen Zuhause, und entdeckte, wie mein eigener Mann mich betrog?

„Wie lange schon?“, flüsterte ich.

„Spielt das eine Rolle?“, fragte Elena und setzte sich auf. Sie achtete darauf, dass das Laken gerade so weit herunterrutschte, dass es mich an all das erinnerte, was mir fehlte. „Es ist lange genug her. Lange genug, damit wir uns verlieben konnten. Lange genug, damit ich ihm geben konnte, was du ihm nie geben konntest.“

„Zwei Jahre“, sagte Damien kalt. „Ich bin seit zwei Jahren mit Elena zusammen. Das ganze Rudel weiß es. Alle außer dir, anscheinend.“

Zwei Jahre. Siebenhundertdreißig Tage voller Lügen. Demütigungen. In denen alle Bescheid wussten, nur ich nicht.

„Warum?“, fragte ich. „Warum hast du mich nicht einfach abgewiesen, als du sie kennengelernt hast?“ Damien lachte, ein hartes, grausames Lachen. „Weil eine Abweisung öffentlich ist. Sie braucht Zeugen und eine Zeremonie. Ich war nicht bereit für diese Komplikation. Es war einfacher, dich einfach zu verstecken, während ich mein Leben lebte.“

„Du bist ein Feigling“, sagte ich und war überrascht von der Ruhe in meiner Stimme. Seine Augen blitzten vor Wut. Mit zwei Schritten war er in

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