เข้าสู่ระบบVictoria betrachtet die Hand von Léa auf meinem Oberschenkel und sagt nichts. Sie sagt absolut nichts. Ihre grauen Augen wandern von Léas Hand zu meinem Gesicht und dann wieder zurück zu Léas Hand, während ihr Ausdruck unmöglich zu deuten ist. — Ich habe gelitten, fährt Léa fort, während sie ihre Finger leicht auf meinem Oberschenkel bewegt, und diese Bewegung ist so sanft, so langsam, so verstörend, dass ich nicht weiß, ob sie absichtlich geschieht oder nicht. Ich habe gelitten wie eine ausgesetzte Hündin, Victoria. Ich habe monatelang jede Nacht geweint. Ich war kurz davor, alles hinzuwerfen, alles zu verlassen, alles zu vergessen. Und dann habe ich verstanden. Ich habe verstanden, dass du Angst hattest. — Ich habe vor nichts Angst, sagt Victoria. — Du hast Angst vor der Liebe, sagt Léa. Du hast Angst davor, die Kontrolle zu verlieren, du hast Angst davor, verletzlich zu sein, du hast Angst davor, dass jemand hinter der Maske der
Sie schließt die Tür hinter sich, und ich bleibe allein zurück, nackt unter meinem schwarzen Kleid, die Kette um den Hals, das Herz in tausend Stücke zerbrochen. Die Nacht fällt langsam herein, eine graue und regnerische Dämmerung, die das Haus früh in Dunkelheit hüllt. Ich esse allein in der Küche, ein von Victoria vorbereitetes Tablett, eine einfache und stille Mahlzeit, und kehre anschließend in mein Zimmer zurück, ohne zu wissen, was ich tun soll, ohne zu wissen, was ich tun will. Und dann, gegen Mitternacht, höre ich die Türklingel. Ich stehe auf, verlasse mein Zimmer, gehe zum Geländer der Treppe und sehe, wie Victoria die Tür öffnet. Ich sehe Léa eintreten, ihren roten Mantel vom Regen durchnässt, ihre lockigen Haare an den Schläfen klebend, ihre grünen Augen vom Weinen gerötet. — Ich konnte nicht allein bleiben, sagt Léa. Ich konnte es nicht, Victoria. Bitte, lass mich diese Nacht hierbleiben, nur eine Nacht.
Léa erhebt sich langsam, nimmt ihre Serviette und legt sie auf den Tisch. — Du hast recht, sagt sie. Ich bin gekommen, um mich zu verabschieden. Also auf Wiedersehen, Victoria. Auf Wiedersehen, Maya. Pass auf dich auf. Pass auf dein Herz auf. Lass es nicht in diesem Haus zurück, wenn du gehst, so wie ich meines zurückgelassen habe. Sie geht um den Tisch herum, tritt auf Victoria zu und küsst sie auf die Wange, ein keuscher und trauriger Kuss, der etwas zu lange dauert. Dann wendet sie sich mir zu, beugt sich vor und küsst mich ebenfalls auf die Wange. Ihre Lippen sind warm und weich, ihr Atem streift mein Ohr, und sie flüstert: — Wenn du mich brauchst, wenn du reden möchtest, wenn du verstehen willst, ruf mich an. Meine Nummer steht in Victorias Telefonbuch. Sie hat sie nie gelöscht. Sie richtet sich auf, nimmt ihren roten Mantel und geht, ohne sich umzudrehen. Die Eingangstür fällt mit e
Das Esszimmer ist ein kleiner Raum neben dem Wohnzimmer, mit einem runden Glastisch und Stühlen aus gebürstetem Stahl. Victoria setzt sich an das Kopfende des Tisches, Léa und ich setzen uns einander gegenüber, und ich kann nicht anders, als sie anzusehen, ihr Gesicht, ihre Bewegungen, ihre Mimik zu beobachten. Léa besitzt etwas Magnetisches, eine Präsenz, die den Raum erfüllt, ein inneres Licht, das im Gegensatz zu Victorias Kälte steht. — Du bist sehr schön, Maya, sagt Léa, während sie ihre Serviette auseinanderfaltet. Victoria hatte schon immer einen guten Geschmack bei der Auswahl ihrer Dinge. Das Wort Dinge fällt wie ein Stein. Es ist dasselbe Wort, das Victoria benutzt, dieselbe Sprache der Entmenschlichung. Doch aus Léas Mund klingt es anders, beinahe wie eine Behauptung, wie Stolz, wie eine Herausforderung. — Danke, sage ich und senke den Blick auf meinen Teller. — Senk den Blick nicht, sagt Léa. Vor mir musst
Gegen halb eins sagt Victoria mir, ich solle mich umziehen. Sie hat Kleidung im Schlafzimmer vorbereitet, diesmal ein schwarzes Kleid, eleganter als das graue, körpernaher und weiblicher. Dazu einfache schwarze Ballerinas und eine feine, transparente Strumpfhose, die meine Beine wie eine zweite Haut umschließt. — Du bist wunderschön, sagt sie, als ich wieder nach unten komme, und dieses Kompliment ist das erste, das sie mir macht, seit ich hier angekommen bin, das erste echte Kompliment, und ich spüre, wie meine Wangen heiß werden und mein Herz schneller schlägt. — Danke, Ma’am. — Setz dich auf das Sofa, beweg dich nicht und warte auf mich. Ich hole etwas aus meinem Büro und komme gleich zurück. Sie steigt die Treppe hinauf, ihre Schritte hallen durch die Stille, und ich bleibe allein im weißen Wohnzimmer zurück, auf dem schwarzen Ledersofa sitzend, die Hände auf den Knien verschränkt und den Blick auf den Garten geri
Ich gehe die Treppe hinunter, meine Beine zittern, mein Herz schlägt viel zu schnell, das Bild von Léa hat sich wie eine Verbrennung in mein Gedächtnis eingebrannt, und ich setze mich auf das Sofa, die Hände auf den Knien, den Rücken gerade, und warte auf Victoria, warte auf die Strafe. Doch in meinem Kopf kreisen Léas Worte immer wieder. Meine einzige Liebe, meine einzige Herrin, mein einziges Bedauern. Léa liebte Victoria. Victoria hatte sie zurückgewiesen. Und jetzt kommt Léa zurück. Was wird sie mir sagen? Was wird sie tun? Und warum hat Victoria dieses intime und belastende Foto aufbewahrt, versteckt in ihrem Büro wie einen beschämenden Schatz? Victoria hatte über Léa mit einer Kälte gesprochen, die ihre Verletzung kaum verbergen konnte. Vielleicht ist Victoria doch nicht so gefühllos, wie sie behauptet. Vielleicht hat Victoria Léa ebenfalls geliebt und diese Liebe hat ihr Angst gemacht, sie dazu gebracht davonzu







