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ELARA
Die Lichter flackerten mit einem Summen auf, das wie das Sterben eines Insekts klang, und Elara spürte, wie ihr Herz ihr bis zum Hals schlug.
„Elara Vance.“
Die Stimme kam aus den Schatten am hinteren Ende des Lagerhauses, und für einen schrecklichen Moment war sie sich sicher, dass sie gleich sterben würde. Ihre Finger schlossen sich fester um ihr Handy – ihre einzige Waffe, die ihr in einem Kampf absolut nichts nützen würde –, und sie machte instinktiv einen Schritt zurück.
Ihre Ferse blieb an etwas hängen – einem Stück Schutt, einem losen Kabel, sie wusste es nicht –, und sie stolperte, während ihre Arme wild durch die Luft ruderten.
„Whoa, ganz ruhig …“
Eine Gestalt trat aus der Dunkelheit und hob beschwichtigend die Hände. Elara erkannte sie, und ihre Angst verwandelte sich augenblicklich in etwas völlig anderes.
Wut.
„Das darf doch nicht wahr sein!“
Julian Sterling stand vor ihr und sah genauso verblüfft aus, wie sie sich fühlte. Sein blondes Haar war zerzaust, seine teure Jacke fehlte, und auf seiner Wange klebte ein dunkler Schmierfleck, bei dem es sich um Öl oder Blut handeln konnte. Er sah aus, als hätte er gerade ein Kriegsgebiet überlebt.
„Was machst du hier?“, fragten sie gleichzeitig.
Elara fand zuerst ihre Stimme wieder.
„Was ich hier mache?“ Sie breitete die Arme aus und deutete auf das staubige Lagerhaus, die flackernden Lichter und die allgemeine Atmosphäre des unmittelbar bevorstehenden Untergangs. „Ich bin hier, weil du mir gesagt hast, ich soll herkommen!“
Julian runzelte die Stirn. „Wovon redest du? Ich habe dir nicht gesagt, dass du irgendwohin kommen sollst.“
„Ach nein? Und wer hat mir dann das hier geschickt?“ Sie hielt ihm ihr Handy direkt vor das Gesicht. Die Nachricht leuchtete auf dem Bildschirm.
„Julian wird nicht kommen. Wenn du Antworten willst, komm zu der unten angegebenen Adresse. Komm allein.“
Julian las die Nachricht. Sein Gesichtsausdruck veränderte sich von Verwirrung zu Besorgnis. Er zog sein eigenes Handy hervor und scrollte durch seine Nachrichten.
„Ich habe dir nie etwas geschickt“, sagte er langsam. „Ich wollte mich mit dir in deiner Wohnung treffen, aber etwas ist dazwischengekommen. Ich wollte dich morgen anrufen und es dir erklären …“
„Erklären was?“ Elara verschränkte die Arme und ignorierte das Zittern ihrer Hände. „Dass du ein Lügner bist? Dass du mich die ganze Zeit belogen hast? Dass du …“ Sie brach ab, holte tief Luft und zwang sich zur Ruhe. „Fang an zu reden, Julian. Was ist in der Nacht der Feier passiert? Was weißt du?“
Julian fuhr sich mit der Hand durch die Haare und wirkte sichtlich verzweifelt. „Ich … das ist kompliziert.“
„Kompliziert.“ Elara lachte scharf und freudlos. „Weißt du, was noch kompliziert ist? In einem fremden Hotelzimmer aufzuwachen, ohne mich daran erinnern zu können, wie ich dorthin gekommen bin. Bedrohliche Nachrichten von unbekannten Nummern zu bekommen. Wegen einer Anschuldigung, die nachweislich erfunden wurde, meinen Job zu verlieren.“
Sie trat näher und stieß ihm mit dem Finger gegen die Brust.
„Also entschuldige bitte, wenn ich nicht besonders viel Geduld für dein kompliziert habe.“
Julian hob beschwichtigend die Hände. „Okay. Okay. Das habe ich verdient. Aber du musst verstehen, dass ich diese Nachrichten nicht geschickt habe. Ich wusste nicht einmal, dass du hier bist, bis ich dich gesehen habe.“
„Wer dann?“
„Ich weiß es nicht.“
Elara musterte ihn und suchte nach einer Lüge. Sein Gesicht wirkte offen und aufrichtig – doch sie kannte Julian lange genug, um zu wissen, dass er verdammt gut darin war, ehrlich zu wirken.
„Na gut“, sagte sie. „Dann erklär mir die Jacke.“
„Welche Jacke?“
Sie deutete auf das Stück Stoff auf dem Boden. „Die Jacke.“
Julian ging in die Hocke und hob den zerrissenen Stoff auf. Er drehte ihn zwischen den Händen, während sein Gesichtsausdruck zunehmend besorgter wurde.
„Sie sieht aus wie meine“, gab er zu. „Dieselbe Farbe, dasselbe Material. Aber ich war noch nie zuvor hier. Das schwöre ich.“
Elara wollte ihm glauben. Wirklich. Aber irgendetwas ergab keinen Sinn.
„Warum wolltest du zu meiner Wohnung kommen?“, fragte sie. „Was wolltest du mir sagen?“
Julians Kiefer spannte sich an. „Ich wollte dich warnen.“
„Wovor?“
„Vor den Leuten, über die du Fragen stellst.“ Er blickte sich im Lagerhaus um, als würde er jeden Moment erwarten, dass jemand aus den Schatten sprang. „Es passieren Dinge, die du nicht verstehst, Elara. Dinge, die größer sind als du. Größer als ich. Ich habe versucht, dich zu beschützen.“
„Indem du mich anlügst? Verschwindest? Mich in eine Falle laufen lässt?“ Elara schüttelte den Kopf. „Was für ein großartiger Schutz.“
„Ich wusste nicht, dass du hier sein würdest.“ Julians Stimme wurde schärfer. „Ich wusste nicht, dass irgendjemand …“
Er verstummte plötzlich. Sein Kopf schnellte in Richtung des hinteren Endes des Lagerhauses.
„Was ist?“ Elara folgte seinem Blick, sah jedoch nichts als Dunkelheit. „Was ist los?“
„Psst.“
Die Stille zog sich in die Länge, dicht und erstickend. Elara hörte ihr Herz in den Ohren hämmern. Sie spürte es – eine Präsenz, etwas, das sie aus den Schatten beobachtete.
„Julian.“ Ihre Stimme war kaum mehr als ein Flüstern. „Was hast du gehört?“
Er antwortete nicht. Stattdessen stellte er sich vor sie, seinen Körper wie einen Schutzschild, seine Haltung angespannt und kampfbereit.
„Bleib hinter mir“, sagte er leise.
Elara wollte widersprechen – sie wollte sich eigentlich immer widersprechen –, doch etwas in seiner Stimme hielt sie davon ab. Das war nicht der charmante, sorglose Julian, den sie kannte. Das war jemand, der wusste, was Gefahr bedeutete.
„Wer ist da draußen?“, fragte sie.
„Ich weiß es nicht.“ Seine Stimme klang düster. „Aber ich glaube nicht, dass wir allein sind.“
Eine Bewegung in der Dunkelheit.
Aus dem Augenwinkel bemerkte Elara sie – eine Veränderung in den Schatten, eine Gestalt, die sich hinter den verrosteten Maschinen bewegte. Sie packte Julians Arm.
„Da! Hast du das gesehen?“
„Ja.“
Noch eine Bewegung. Diesmal näher.
Dann vibrierte ihr Handy.
Sie blickte nach unten, und ihr Blut gefror in den Adern.
„Du wurdest gewarnt, dich fernzuhalten. Jetzt werdet ihr beide dafür bezahlen.“
„Julian.“ Sie hielt ihm das Handy hin. Ihre Hand zitterte. „Jemand hat uns die ganze Zeit beobachtet.“
Julian las die Nachricht. Sein Gesicht wurde blass. Er sah sich im Lagerhaus um, suchte nach Ausgängen, sein Körper angespannt wie eine Feder, die jeden Moment losschnellen konnte.
„Wir müssen hier weg“, sagte er. „Sofort.“
„Wer ist das?“, verlangte Elara zu wissen. „Wer will uns wehtun?“
Julian antwortete nicht.
„Julian.“
„Ich weiß es nicht!“ Er packte ihre Hand und zog sie in Richtung Ausgang. „Aber wer auch immer dahintersteckt, wusste, dass wir beide hier sein würden. Das war geplant.“
Die Erkenntnis traf Elara wie ein körperlicher Schlag.
Die Nachricht war nicht nur an sie geschickt worden. Sie sollte Elara und Julian zusammenbringen – um sie beide in eine Falle zu locken.
Und wer auch immer das geplant hatte, war immer noch hier.
Sie hatten die Hälfte des Weges zum Ausgang zurückgelegt, als die Lichter ausgingen.
Elara schrie. Ihre Stimme wurde von der Dunkelheit verschluckt. Julians Griff um ihre Hand wurde fester.
„Lass nicht los“, sagte er. „Was auch immer passiert, lass meine Hand nicht los.“
Und dann erklang eine Stimme aus den Schatten.
Tief. Amüsiert. Vertraut.
„Hallo, Elara. Ich habe schon auf dich gewartet.“
Ihr Blut verwandelte sich in Eis.
Sie kannte diese Stimme.
Sie hatte sie schon einmal gehört.
Autor 💜---Elara glitt in den Schlaf, an Xanders Brust gelehnt. Der gleichmäßige Rhythmus seines Herzschlags wiegte sie in die Dunkelheit.Der Traum begann sanft.Sie befand sich bei Sterling Designs und ging durch die vertrauten Korridore. Doch irgendetwas stimmte nicht. Die Lichter flackerten über ihr und summten in einem unregelmäßigen Rhythmus. Die Wände schienen sich endlos zu strecken, und jede Tür, die sie öffnete, führte in einen weiteren leeren Raum.„Hallo?“ Ihre Stimme hallte ins Nichts.Dann hörte sie es – Xanders Stimme, tief und dringlich, irgendwo vor ihr.Sie folgte ihr.Der Korridor bog sich und führte sie in eine verlassene Tiefgarage. Betonsäulen ragten wie Grabsteine auf, und die Luft roch nach Benzin und etwas Metallischem. In der Ferne entdeckte sie seinen schwarzen SUV, dessen Motor noch lief.Und dann sah sie ihn.Xander stand neben dem Wagen, sein Körper angespannt, die Hände leicht erhoben. Drei Männer umringten ihn, ihre Gesichter im Schatten verborgen. Ei
Autor 💜---Xander stand neben dem schwarzen SUV. Sein Kiefer war angespannt, während Enzo Morettis höhnische Worte noch immer in seinem Kopf widerhallten. Das Foto. Der Sicherheitsverstoß. Jemand aus seiner eigenen Familie hatte ihn verraten.„Boss.“ Marco trat an seine Seite. „Die Fahrzeuge sind bereit. Wir können innerhalb einer Stunde am Anwesen sein.“Xander nickte und griff nach dem Türgriff.Sein Telefon klingelte.Er warf einen Blick auf das Display.Elara.Einen Moment lang starrte er einfach nur auf ihren Namen. Seit ihrem Kuss hatte er immer wieder an sie gedacht – daran, wie sie ihn herausgefordert hatte, an das Feuer in ihren Augen und an den Geschmack ihrer Lippen. Doch er hatte nicht erwartet, dass sie ihn anrufen würde. Nicht jetzt. Nicht, während er kurz vor einem Krieg stand.Er nahm ab.„Elara?“Ihre Stimme klang anders. Die neckische Selbstsicherheit war verschwunden und hatte etwas Ruhigerem, Unsicherem Platz gemacht.„Bist du beschäftigt?“Xander warf einen Blic
Autor 💜---Das Anwesen der Morettis lag hinter hohen Eisentoren, während die Fenster im Licht der Mitternacht erstrahlten.Drei schwarze SUVs fuhren durch das Tor, ohne langsamer zu werden. Bewaffnete Wachen beobachteten die Kolonne von der Auffahrt aus. Ihre Hände schwebten in der Nähe ihrer Waffen, doch keiner von ihnen wagte es, die Fahrzeuge aufzuhalten.Sie wussten, wer kam.Und sie wussten, was das bedeutete.Xander Marchetti stieg aus dem ersten Wagen und richtete die Manschette seines schwarzen Anzugs. Der kalte Wind Chicagos strich über sein Gesicht, doch sein Gesichtsausdruck blieb unverändert.Marco trat zu ihm.„Enzo wartet drinnen. Er hat die meisten seiner Männer versammelt.“„Gut.“„Da ist noch etwas, Boss. Seine Leute haben Waffen auf dem Grundstück verteilt.“Xander warf einen Blick auf das Anwesen.„Dann sollten sie vorsichtig sein, wohin sie damit zielen.“Er ging auf den Eingang zu.Die Türen öffneten sich, noch bevor er sie erreichte.Drinnen saß Enzo Moretti in
Autor 💜---Die Tür fiel hinter Elara ins Schloss, und Xander stand regungslos mitten in seinem Hotelzimmer.Ihre Worte hingen wie Rauch in der Luft.Wenn du mich willst, Xander, musst du dir mehr einfallen lassen als Eifersucht und besitzergreifende Erklärungen.Langsam atmete er aus und fuhr sich mit einer Hand durch die Haare. Sie hatte keine Ahnung, worum sie ihn bat. Keine Ahnung, was es bedeuten würde, sie hinter jene Mauern zu lassen, die er über Jahrzehnte hinweg errichtet hatte.Sein privates Telefon klingelte.Das Geräusch durchbrach die Stille mit einem schrillen, hartnäckigen Summen. Er zog das Gerät aus der Tasche, warf einen Blick auf das Display und nahm ab.„Marchetti.“„Wir haben ein Problem, Boss.“Die Stimme gehörte Luca, seiner rechten Hand. Sein Tonfall war knapp und kontrolliert, doch Xander hörte die Anspannung darunter.„Berichte.“„Die Moretti-Familie. Sie haben zugeschlagen.“Xanders Gesichtsausdruck veränderte sich nicht, doch hinter seinen Augen verschob si
ELARA---Ich drehte mich um, um zu gehen.„Elara.“Ich ging weiter.„Elara. Bleib stehen.“Irgendetwas in seiner Stimme – kälter und schärfer als zuvor – ließ mich erstarren. Ich blieb stehen, drehte mich aber nicht sofort um. Als ich ihm schließlich ins Gesicht sah, hob ich eine Augenbraue.„Haben Sie noch eine weitere dienstliche Anweisung für mich, Mr. Marchetti?“Er kam langsam auf mich zu. Sein Gesichtsausdruck war kontrolliert, doch in seinen Augen lag etwas Gefährliches – ein Riss in der makellosen Fassade, die er die ganze Woche über aufrechterhalten hatte.„Hast du vor, mit Adrian essen zu gehen?“„Ich habe die Einladung bereits angenommen.“ Ich legte den Kopf schief. „Ich kann mich nicht erinnern, dich um Erlaubnis gebeten zu haben.“Sein Kiefer spannte sich an. „Du gehst nicht.“Ich starrte ihn einen Moment lang fassungslos an, bevor mir ein kurzes, ungläubiges Lachen entwich.„Wie bitte?“„Ich sagte, du gehst nicht.“„Du hast mir nicht vorzuschreiben, was ich zu tun habe.“
ELARA---Ich hatte kaum geschlafen.Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, sah ich wieder, wie Xander mich angesehen hatte – das Verlangen in seinen Augen, die Wärme seiner Hand an meinem Nacken und die Art, wie sein Atem meine Lippen gestreift hatte, bevor das Klopfen an der Tür alles zerstörte.Bis zum Morgen hatte ich mich davon überzeugt, dass nichts geschehen war.Punkt sieben betrat ich das Hotelrestaurant. Xander war bereits da und las auf seinem Tablet Dokumente, als wäre in der vergangenen Nacht nichts passiert.„Guten Morgen, Miss Vance.“„Mr. Marchetti.“ Ich setzte mich ihm gegenüber. „Sie sind früh dran.“„Ich bin immer früh dran.“„Natürlich sind Sie das.“Ein Kellner kam an unseren Tisch. Ich bestellte Kaffee und etwas vom Frühstücksbuffet. Xander wandte sich wieder seinem Tablet zu.„Haben Sie gut geschlafen?“, fragte er, ohne aufzusehen.„Wie ein Baby. Ein Baby, das ständig peinliche Gespräche im Kopf wiederholt.“Seine Lippen zuckten. „Ihr Sarkasmus ist zur Kenntnis







