LOGINFloras Perspektive
Die Uber-Fahrt von der Bar zurück fühlte sich viel zu kurz an. Als das Auto vom Bordstein anfuhr und mich allein in der Einfahrt zurückließ, traf mich die absolute Stille der Nachbarschaft mit voller Wucht. Emily war offiziell im Haus am See. Das Haus war leer. Nun ja, fast leer. Ich schloss die Haustür so leise wie möglich auf und trat in den dämmrigen Eingangsbereich. Die einzige Beleuchtung stammte von den sanften, bernsteinfarbenen Akzentlichtern im Flur. Ich streifte meine High Heels ab und hielt sie in der Hand, während ich leise über den Hartholzboden schlich. Mein smaragdgrünes Kleid raschelte bei jedem Schritt leicht. Ich nahm an, dass Eugene bereits in seinem Zimmer schlief. „Du bist früh zurück.“ Ich schrak zusammen, ein leises Keuchen entkam meinen Lippen. Eugene saß in dem Sessel in der Ecke des Wohnzimmers, völlig von Schatten umhüllt. Das einzige Licht, das ihn traf, war der schwache Schein aus dem Flur. Er hatte seine Schuhe abgelegt, trug aber immer noch jene dunkle Jeans und den tannengrünen Rollkragenpullover, der mich schon den ganzen Abend um den Verstand gebracht hatte. Er hielt ein Glas mit einer bernsteinfarbenen Flüssigkeit locker in der Hand, und seine Augen waren starr auf mich gerichtet. „Eugene“, hauchte ich, während meine Hand zu meiner Brust flog, direkt über den tiefen Ausschnitt meines Kleides. Mein Herz hämmerte plötzlich wild gegen meine Rippen. „Du hast mich erschreckt. Ich dachte, du schläfst schon.“ „Konnte nicht schlafen“, sagte er, seine Stimme tiefer und rauer als sonst. Er nahm einen langsamen Schluck aus seinem Glas, während sein Blick an der unbedeckten Haut meiner Schlüsselbeine haftete und verfolgte, wie sich meine Brust hob und senkte, während ich versuchte, wieder Atem zu holen. „Wie war der Rest deines Dates?“ „Es war … ganz nett“, log ich und trat einen winzigen Schritt näher in den Raum, von ihm angezogen wie von einem Magneten – trotz all der Warnglocken, die in meinem Kopf schrillten. „Sam ist wirklich sehr nett.“ Eugene stieß ein leises, dunkles Geräusch aus, das fast wie ein Spott klang. Er stellte sein Glas mit einem leisen Klirren auf dem Beistelltisch ab und stand auf. In den Schatten wirkte seine breite Gestalt gewaltig und beherrschte den Raum zwischen uns vollkommen. „Nett“, wiederholte er und machte einen langsamen, bedächtigen Schritt auf mich zu. „Ist es das, was du willst, Flora? Einen netten Jungen?“ Eugenes Frage hung schwer im dunklen Raum, seine tiefe Stimme vibrierte durch meinen ganzen Körper. „Ist es das, was du willst, Flora? Einen netten Jungen?“ Ich blieb standhaft, als er diesen langsamen, bedächtigen Schritt auf mich zumachte. Die Schatten dehnten sich über seine breiten Schultern aus, und sein Duft – teures Herrenparfüm, Whiskey und pure Wärme – erfüllte den kleinen Raum zwischen uns. „Warum kümmert es dich, was für einen Typen ich will, Eugene?“, konterte ich, meine Stimme zitterte leicht, obwohl ich mich zwang, ihm direkt in die Augen zu sehen. „Du bist doch derjenige, der mir gesagt hat, ich soll gehen. Du bist derjenige, der am Tisch saß und mich praktisch darum gebeten hat, mir jemanden in meinem Alter zu suchen.“ Eugene blieb nur wenige Zentimeter vor mir stehen. Er war so nah, dass ich die Hitze spüren konnte, die von seiner Brust ausging, während er im dämmrigen Licht über mir ragte. Seine Kiefermuskeln spannten sich so stark an, dass ein Muskel in seiner Wange zuckte. „Ich habe das getan, was ich tun musste“, knurrte er leise. Sein Blick sank zu meinen Lippen, ehe er blitzartig wieder zu meinen Augen hochschnellte. „Ich habe versucht, der Erwachsene zu sein. Ich habe versucht, mich an meinen Platz zu erinnern.“ „Und was ist mit jetzt?“, flüsterte ich, während mein Herz so laut gegen meine Rippen hämmerte, dass ich sicher war, er könne es hören. Ich machte einen winzigen Schritt nach vorne und schloss ganz bewusst den letzten Rest Abstand, sodass meine nackte Schulter den weichen grünen Stoff seines Rollkragenpullovers streifte. „Versuchst du heute Abend immer noch, dich an deinen Platz zu erinnern?“ Eugene stieß einen scharfen, rauen Atemzug aus. Seine Hand zuckte an seiner Seite, seine Finger krümmten sich, als würde er gegen jeden einzelnen Instinkt in seinem Körper kämpfen, um mich nicht an der Taille zu packen. „Flora“, warnte er, seine Stimme sank in ein gefährliches, raues Register. „Du hast keine Ahnung, was du hier gerade tust. Du spielst mit einem Feuer, das dich absolut verbrennen wird.“ „Vielleicht will ich ja brennen“, forderte ich ihn leise heraus. Die Worte waren kaum meinem Mund entflohen, als Eugene völlig erstarrte. Für den Bruchteil einer Sekunde dachte ich, er würde mich an sich ziehen. In seinen Augen flammte etwas Urtümliches auf, und seine Hand hob sich tatsächlich – seine Knöchel streiften die nackte Haut meines Schlüsselbeins. Ein heftiger Stromschlag schoss mir direkt den Rücken hinunter. Doch dann, als hätte ihm jemand Eiswasser durch die Adern gegossen, riss er seine Hand weg. Er schloss fest die Augen, seine Brust hob und senkte sich schwer unter dem grünen Rollkragenpullover, während er eine brutale, erstickende Welle der Beherrschung über sich ergehen ließ. Als er die Augen wieder öffnete, war der verlangende Hunger hinter einer kalten, harten Wand aus Reue verschlossen. „Nein“, sagte er, seine Stimme sank zu einem flachen, angespannten Flüstern. Er machte einen gewaltigen Schritt rückwärts, brach die Hitze zwischen uns vollkommen ab und ließ mich fröstelnd in dem dunklen Raum zurück. „Nein, Flora. Das is falsch.“ Ich starrte ihn an, meine Lippen öffneten sich vor Schock; die plötzliche Zurückweisung brannte wie ein körperlicher Schlag. „Ich entschuldige mich“, sagte Eugene, sein Tonfall wurde schlagartig extrem formell, obwohl seine geballten Fäuste verrieten, wie sehr er gegen sich selbst kämpfte. „Ich habe zu viel getrunken und habe das hier viel zu weit gehen lassen. Ich bin der Vater deiner Freundin und ich bin der Erwachsene in diesem Haus. Das wird nicht wieder vorkommen.“ Bevor ich auch nur meine Stimme finden konnte, um zu antworten, drehte er sich auf dem Absatz um. Er ging mit starren, schnellen Schritten den Flur hinunter, und seine Schlafzimmertür schloss sich hinter ihm mit einem scharfen, endgültigen Klicken. Der Riegel schob sich vor. Ich blieb allein im dunklen Wohnzimmer stehen, meine Haut kribbelte immer noch dort, wo seine Knöchel mich gestreift hatten – vollkommen gedemütigt und völlig verzehrt von dem Feuer, von dem er gerade eben erst weggegangen war.Floras Perspektive Das Dröhnen von Joshs Vaters Geländewagen, das auf der kiesigen Einfahrt langsam verhallte, war das lauteste Geräusch, das ich je gehört hatte. Emily hatte den gesamten Nachmittag wie ein Schmetterling im Foyer verbracht, ihre Taschen kontrolliert, ihre Ladekabel doppelt überprüft und mich lange und fest umarmt, bevor sie schließlich durch die Tür trat. „Lern nicht zu viel, Flo“, hatte sie gelacht und mir eine Abschiedswelle über die Schulter zugeworfen. „Papa, lass dich nicht von der Firma zurückrufen. Genieß die Pause!“ „Das habe ich vor“, hatte Eugene von der Tür aus geantwortet, seine Stimme ein glattes, unumstößliches Schild väterlicher Ruhe. Doch in dem Moment, als die schweren eisernen Tore am Rande des Grundstücks ins Schloss fielen, löste sich dieses Schild auf. Die Stille, die in das Haus zurückströmte, war nicht leer; sie war dicht, schwer und vollkommen erstickend, geladen mit der plötzlichen Erkenntnis, dass die Wände uns endlich nicht mehr beobacht
Eugenes Perspektive Ich knöpfte meine Manschetten zu, holte tief und ruhig Atem und richtete den Kragen meines Hemdes. Das Gesicht, das mir aus dem Spiegel entgegenblickte, sah genau aus wie der Eugene Vance, den die Welt kannte – gefasst, diszipliniert und völlig unter Kontrolle. Doch unter der makellosen Baumwolle trug meine Brust noch immer die phantome Hitze der Mitternachtsstunde. Wenn wir das tun, darf Emily es niemals erfahren. Das waren meine Worte gewesen. Das war der Vertrag. Doch als ich den Flur entlang zur Küche ging und dem leichten, fröhlichen Klang von Emilys Lachen lauschte, begann sich ein dunkler, rücksichtsloser Impuls in meinem Magen zusammenzubrauen. Flora wollte einen Mann, der keine Angst davor hatte, die Kontrolle zu übernehmen. Sie wollte ein gefährliches Spiel in meinem Haus spielen. Mal sehen, wie gut sie es tatsächlich spielen konnte. Als ich die Küche betrat, verstummte das beiläufige Plaudern leicht. Flora saß auf dem Barhocker neben Emily, ihre
Floras PerspektiveDie helle Morgensonne strömte durch die Küchenfenster, als ich nach unten ging. Das Licht spiegelte sich scharf auf genau jenen Marmorflächen wider, auf denen Eugene und ich noch vor wenigen Stunden gewesen waren. Mein ganzer Körper fühlte sich angespannt an, geladen mit einer rastlosen, elektrisierenden Energie, die es mir unmöglich machte, stillzusitzen.„Morgen, Schlafmütze!“, rief Emily mir fröhlich von der Kücheninsel aus zu. Sie war bereits in einen lässigen Oversized-Sweatshirt gekleidet und goss sich eine riesige Schüssel Müsli ein.„Morgen“, sagte ich und zwang mir ein Lächeln auf, während ich zur Kaffeemaschine ging. Ich goss mir eine Tasse ein, da ich die heiße Flüssigkeit brauchte, um meine zitternden Hände zu beruhigen.„Woah, du bist ja richtig gut gelaunt“, bemerkte Emily und stieß mich leicht mit dem Ellbogen in die Hüfte, als ich mich auf den Barhocker neben sie setzte. „Hast du tatsächlich noch etwas Schlaf gefunden, nachdem ich gestern gegangen bi
Eugenes PerspektiveMeine Brust hob und senkte sich so heftig, dass es sich anfühlte, als würde mein Brustkorb unter dem Druck bersten. Ich stand wie angewurzelt in der Mitte der dunklen Küche, meine Beine zitterten leicht, während die letzten, heftigen Wellen der Erlösung meinen Körper verließen. Unter mir kniete Flora immer noch, ihre kleinen Hände ruhten auf meinen Oberschenkeln, und ihr Gesicht blickte im dämmrigen Licht zu mir auf – mit einem Ausdruck, der völlig frei von Reue war.Ich sah auf sie hinab – auf die geschwollene Röte ihrer Lippen, das zerzauste Chaos ihres Haars und die dunklen, tiefen Seeen ihrer Augen. Das erdrückende Gewicht dessen, was wir gerade getan hatten, krachte in meinen Verstand, doch zum ersten Mal an diesem Wochenende weckte die Schuld in mir nicht den Wunsch wegzulaufen. Sie konfrontierte mich nur mit der kalten Realität.Langsam griff ich nach unten, meine Hände fassten sie unter den Armen, um sie wieder auf die Beine zu führen. Ihre Haut war immer n
Floras PerspektiveIn dem Moment, als seine Hände meine Taille umfassten, verengte sich die Welt auf die rasende Hitze seiner Haut. Die kühlen, logischen Gründe, die er eben noch aufgezählt hatte, lösten sich in der dunklen Küche auf und wichen dem tiefen, schweren Rauschen seines Atems.„Flora“, stöhnte er, seine Stimme rau an meinem Mund, bevor seine Lippen auf meine trafen.Dieser Kuss war nicht wie der am Nachmittag. Es war kein plötzlicher Ausbruch von panischer Gier; er war langsam, bedächtig und von einer dunklen Art der Anbetung erfüllt. Er nahm sich Zeit, seine Zunge drang tief in meinen Mund ein und schmeckte nach dem bitteren Kaffee, den er getrunken hatte. Meine Hände schnellten zu seinen nackten Schultern hoch, meine Finger gruben sich in die feste Muskulatur, um mir Halt zu geben, während sich alles um mich drehte.Langsam, ohne den Kuss zu unterbrechen, hob Eugene mich hoch. Meine nackten Füße verließen den kühlen Fliesenboden, während er mich zurück gegen die glatte Ob
Floras PerspektiveIch wälzte mich gefühlte Stunden unter der Bettdecke hin und her. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, spielte die Erinnerung an die Küchentheke vor meinem inneren Auge ab. Der schwere Druck von Eugenes Körper, die brennende Hitze seiner Hände an meiner Taille und der verlangende Geschmack seines Mundes nahmen mich völlig ein.Aber da war noch ein anderer Gedanke, der in meinem Kopf kreiste und mir die Brust einschnürte. Ich war noch Jungfrau. Ich hatte nie jemanden nah genug an mich herangelassen, um das zu ändern – ich hatte immer auf etwas Echtes gewartet, etwas, das sich nicht wie ein oberflächliches Spielchen unter Studenten anfühlte. Während ich nun im Dunkeln lag, wuchs ein tiefes, ruheloses Verlangen in mir heran. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich das verzweifelte, überwältigende Bedürfnis, mich jemandem hinzugeben – und ich wollte, dass er der Einzige war.Um 2:00 Uhr morgens fühlten sich die Laken wie Feuer an. Ich konnte nicht schlafen. Mein Hal







