LOGINFlora's POV
Der Rest der Woche war absolut schrecklich gewesen. Seit diesem desaströsen Abendessen war Eugene in seiner eigenen Welt verschwunden. Ich bekam ihn im Haus kaum noch zu Gesicht; entweder ging er frühmorgens zur Arbeit oder er schloss sich bis spät in die Nacht in seinem Arbeitszimmer ein. Seine plötzliche Kälte gab mir das Gefühl, winzig klein zu sein. Es bewahrheitete sich, was ich am Dienstagabend schon befürchtet hatte – ich hatte mir das Prickeln zwischen uns nur eingebildet. Ich hatte meine eigenen törichten Wünsche auf einen Mann projiziert, der in mir nichts weiter als die Freundin seiner Tochter sah. Nun war es Samstagabend, und die Realität dieses Blind Dates brach über mir zusammen. „Hör auf dich zu bewegen, Flora! Wenn du dich weiter verdrehst, landet der Eyeliner auf deiner Stirn“, ermahnte mich Emily sanft und hielt mein Kinn fest. „Tut mir leid“, murmelte ich und starrte geistlos an die Wand ihres Schlafzimmers. „Ich … ich habe heute Abend einfach absolut keine Lust rauszugehen, Em. Mein Kopf ist ganz woanders.“ „Das ist nur Lampenfieber vor dem Date“, versicherte mir Emily und drückte aufmunternd meine Schulter. „Glaub mir, du bist seit Monaten in deinen Lehrbüchern vergraben und warst die letzten Tage so niedergeschlagen. Du wirst dich so viel besser fühlen, wenn du erst einmal aus dem Haus raus bist und etwas Spaß hast. Und jetzt steh auf. Lass uns das Endergebnis ansehen.“ Ich seufzte, stand auf und drehte mich langsam zu dem ganzkörpergroßen Spiegel an der Wand. Ich erstarrte. Ich konnte das Mädchen, das mich da anstarrte, ehrlich gesagt kaum wiedererkennen. Emily hatte mich makellos geschminkt; meine Augen wirkten dunkel und umwerfend. Aber es war das Kleid, das alles veränderte. Es war in einem tiefen Smaragdgrün gehalten, schmiegte sich an genau den richtigen Stellen an meine Kurven und besaß einen Herz-Ausschnitt, der mein Schlüsselbein betonte. Es war definitiv sexy, aber Emily hatte es so perfekt kombiniert, dass es trotzdem elegant und stilvoll wirkte. „Oh mein Gott“, keuchte Emily und schlug die Hände zusammen. „Flora, du siehst absolut umwerfend aus. Sam wird den Verstand verlieren.“ „Es ist … viel“, flüsterte ich, während mein Herz einen seltsamen Satz machte. An Sam dachte ich dabei überhaupt nicht. Ein verruchter, verzweifelter Gedanke schoss mir durch den Kopf: Ich frage mich, ob Eugene mich jetzt ansehen wird. „Es ist perfekt. Und jetzt komm, Josh holt mich in zehn Minuten ab und Sam wartet in der Bar auf dich. Lass uns nach unten gehen“, sagte Emily und griff nach ihrer Handtasche. Meine Brust zog sich zusammen, als ich Emily aus dem Zimmer und die Treppe hinunter folgte. Als wir das Ende der Treppe erreichten, sah ich Eugene. Er stand an der Haustür, den Schlüsselbund in der Hand, und sah aus, als wollte er selbst gerade gehen. Als er unsere Schritte hörte, drehte er sich um. In dem Moment, als sein Blick auf mir landete, fror Eugene auf der Stelle ein. Die Schlüssel in seiner Hand klirrten laut im ruhigen Flur. Er war vollkommen sprachlos. Seine Kiefermuskeln spannten sich an, und seine dunklen Augen wanderten mein Kleid hinab, wo sie jedes einzelne Detail in sich aufsogen, ehe sie blitzartig wieder zu meinem Gesicht hochschnellten. Für eine lange, atemlose Sekunde konnte er nicht einmal sprechen. Der ruhige, unerschütterliche ältere Mann war völlig erstarrt. Eugene starrte mich an, seine Brust hob und senkte sich schwer. Für den Bruchteil einer Sekunde schien seine professionelle, gelassene Maske komplett zu zerbrechen. Seine Augen verdunkelten sich mit einem intensiven, verlangenden Hunger, der einen gewaltigen Stromschlag direkt durch meine Mitte jagte. Ich hatte es mir nicht eingebildet. Die Hitze aus der Küche war zurück – und sie brannte heller denn je. „Wow!“, sagte Emily beiläufig, durchbrach die Stille und knuffte meinen Arm. „Siehst du, Papa? Ich habe dir doch gesagt, dass sie umwerfend aussehen wird. Ich glaube, ich sollte lieber einen Salon eröffnen, anstatt in die Finanzbranche zu gehen.“ Der Klang der Stimme seiner Tochter schien Eugene in die Realität zurückzuholen. Er schluckte schwer, seine Kiefer arbeiteten, während er seine Beherrschung gewaltsam wieder an sich riss. Er rang sich einen gequälten, gezwungenen Scherz ab. „Vielleicht solltest du das tun, Emily. Mit solchen Fähigkeiten würdest du wahrscheinlich ein Vermögen verdienen, noch bevor du dein erstes Vorstellungsgespräch in einem Konzern hast.“ Er holte langsam und tief Luft und rückte die Manschetten seines Hemdes zurecht, während er uns beide ansah. Er vermied es sorgfältig, seinen Blick zu lange auf meinem Ausschnitt verweilen zu lassen. „Ihr seht beide … sehr schön aus heute Abend. Seid vernünftig und habt eine gute Zeit.“ Genau in diesem Moment ertönte draußen in der Einfahrt eine laute Autohupe. „Das ist Josh!“, jubelte Emily und griff nach ihrem Mantel. „Wir müssen los. Tschüss, Papa!“ „Auf Wiedersehen, Mädels“, sagte Eugene leise. Anstatt wie ursprünglich geplant hinter uns aus der Haustür zu gehen, drehte sich Eugene wieder um und steuerte auf sein Hauptschlafzimmer zu. Emily hielt an der Tür inne und blickte verwirrt zu ihm zurück. „Papa? Ich dachte, du wolltest dich heute Abend noch mit deinen Kollegen treffen? Warum gehst du zurück in dein Zimmer?“ Eugene drehte sich nicht um. Er ging einfach weiter, seine Schultern angespannt. „Ich habe es mir anders überlegt“, murmelte er mit rauer, angespannter Stimme. „Ich bleibe doch zu Hause … und ruhe mich etwas aus.“ Bevor Emily noch etwas fragen konnte, zog sie mich hinaus in die kühle Abendluft. Doch als die Haustür hinter uns ins Schloss fiel, konnte ich an nichts anderes denken als an den Blick in Eugenes Augen. Er war nicht gleichgültig. Er kämpfte gegen sich selbst an.Floras Perspektive Das Dröhnen von Joshs Vaters Geländewagen, das auf der kiesigen Einfahrt langsam verhallte, war das lauteste Geräusch, das ich je gehört hatte. Emily hatte den gesamten Nachmittag wie ein Schmetterling im Foyer verbracht, ihre Taschen kontrolliert, ihre Ladekabel doppelt überprüft und mich lange und fest umarmt, bevor sie schließlich durch die Tür trat. „Lern nicht zu viel, Flo“, hatte sie gelacht und mir eine Abschiedswelle über die Schulter zugeworfen. „Papa, lass dich nicht von der Firma zurückrufen. Genieß die Pause!“ „Das habe ich vor“, hatte Eugene von der Tür aus geantwortet, seine Stimme ein glattes, unumstößliches Schild väterlicher Ruhe. Doch in dem Moment, als die schweren eisernen Tore am Rande des Grundstücks ins Schloss fielen, löste sich dieses Schild auf. Die Stille, die in das Haus zurückströmte, war nicht leer; sie war dicht, schwer und vollkommen erstickend, geladen mit der plötzlichen Erkenntnis, dass die Wände uns endlich nicht mehr beobacht
Eugenes Perspektive Ich knöpfte meine Manschetten zu, holte tief und ruhig Atem und richtete den Kragen meines Hemdes. Das Gesicht, das mir aus dem Spiegel entgegenblickte, sah genau aus wie der Eugene Vance, den die Welt kannte – gefasst, diszipliniert und völlig unter Kontrolle. Doch unter der makellosen Baumwolle trug meine Brust noch immer die phantome Hitze der Mitternachtsstunde. Wenn wir das tun, darf Emily es niemals erfahren. Das waren meine Worte gewesen. Das war der Vertrag. Doch als ich den Flur entlang zur Küche ging und dem leichten, fröhlichen Klang von Emilys Lachen lauschte, begann sich ein dunkler, rücksichtsloser Impuls in meinem Magen zusammenzubrauen. Flora wollte einen Mann, der keine Angst davor hatte, die Kontrolle zu übernehmen. Sie wollte ein gefährliches Spiel in meinem Haus spielen. Mal sehen, wie gut sie es tatsächlich spielen konnte. Als ich die Küche betrat, verstummte das beiläufige Plaudern leicht. Flora saß auf dem Barhocker neben Emily, ihre
Floras PerspektiveDie helle Morgensonne strömte durch die Küchenfenster, als ich nach unten ging. Das Licht spiegelte sich scharf auf genau jenen Marmorflächen wider, auf denen Eugene und ich noch vor wenigen Stunden gewesen waren. Mein ganzer Körper fühlte sich angespannt an, geladen mit einer rastlosen, elektrisierenden Energie, die es mir unmöglich machte, stillzusitzen.„Morgen, Schlafmütze!“, rief Emily mir fröhlich von der Kücheninsel aus zu. Sie war bereits in einen lässigen Oversized-Sweatshirt gekleidet und goss sich eine riesige Schüssel Müsli ein.„Morgen“, sagte ich und zwang mir ein Lächeln auf, während ich zur Kaffeemaschine ging. Ich goss mir eine Tasse ein, da ich die heiße Flüssigkeit brauchte, um meine zitternden Hände zu beruhigen.„Woah, du bist ja richtig gut gelaunt“, bemerkte Emily und stieß mich leicht mit dem Ellbogen in die Hüfte, als ich mich auf den Barhocker neben sie setzte. „Hast du tatsächlich noch etwas Schlaf gefunden, nachdem ich gestern gegangen bi
Eugenes PerspektiveMeine Brust hob und senkte sich so heftig, dass es sich anfühlte, als würde mein Brustkorb unter dem Druck bersten. Ich stand wie angewurzelt in der Mitte der dunklen Küche, meine Beine zitterten leicht, während die letzten, heftigen Wellen der Erlösung meinen Körper verließen. Unter mir kniete Flora immer noch, ihre kleinen Hände ruhten auf meinen Oberschenkeln, und ihr Gesicht blickte im dämmrigen Licht zu mir auf – mit einem Ausdruck, der völlig frei von Reue war.Ich sah auf sie hinab – auf die geschwollene Röte ihrer Lippen, das zerzauste Chaos ihres Haars und die dunklen, tiefen Seeen ihrer Augen. Das erdrückende Gewicht dessen, was wir gerade getan hatten, krachte in meinen Verstand, doch zum ersten Mal an diesem Wochenende weckte die Schuld in mir nicht den Wunsch wegzulaufen. Sie konfrontierte mich nur mit der kalten Realität.Langsam griff ich nach unten, meine Hände fassten sie unter den Armen, um sie wieder auf die Beine zu führen. Ihre Haut war immer n
Floras PerspektiveIn dem Moment, als seine Hände meine Taille umfassten, verengte sich die Welt auf die rasende Hitze seiner Haut. Die kühlen, logischen Gründe, die er eben noch aufgezählt hatte, lösten sich in der dunklen Küche auf und wichen dem tiefen, schweren Rauschen seines Atems.„Flora“, stöhnte er, seine Stimme rau an meinem Mund, bevor seine Lippen auf meine trafen.Dieser Kuss war nicht wie der am Nachmittag. Es war kein plötzlicher Ausbruch von panischer Gier; er war langsam, bedächtig und von einer dunklen Art der Anbetung erfüllt. Er nahm sich Zeit, seine Zunge drang tief in meinen Mund ein und schmeckte nach dem bitteren Kaffee, den er getrunken hatte. Meine Hände schnellten zu seinen nackten Schultern hoch, meine Finger gruben sich in die feste Muskulatur, um mir Halt zu geben, während sich alles um mich drehte.Langsam, ohne den Kuss zu unterbrechen, hob Eugene mich hoch. Meine nackten Füße verließen den kühlen Fliesenboden, während er mich zurück gegen die glatte Ob
Floras PerspektiveIch wälzte mich gefühlte Stunden unter der Bettdecke hin und her. Jedes Mal, wenn ich die Augen schloss, spielte die Erinnerung an die Küchentheke vor meinem inneren Auge ab. Der schwere Druck von Eugenes Körper, die brennende Hitze seiner Hände an meiner Taille und der verlangende Geschmack seines Mundes nahmen mich völlig ein.Aber da war noch ein anderer Gedanke, der in meinem Kopf kreiste und mir die Brust einschnürte. Ich war noch Jungfrau. Ich hatte nie jemanden nah genug an mich herangelassen, um das zu ändern – ich hatte immer auf etwas Echtes gewartet, etwas, das sich nicht wie ein oberflächliches Spielchen unter Studenten anfühlte. Während ich nun im Dunkeln lag, wuchs ein tiefes, ruheloses Verlangen in mir heran. Zum ersten Mal in meinem Leben spürte ich das verzweifelte, überwältigende Bedürfnis, mich jemandem hinzugeben – und ich wollte, dass er der Einzige war.Um 2:00 Uhr morgens fühlten sich die Laken wie Feuer an. Ich konnte nicht schlafen. Mein Hal







