LOGINThomas hatte seinen Vater schon lange nicht mehr gesehen.Dass er inzwischen im Rollstuhl saß, war ein Grund dafür. Vor allem aber wusste er genau, dass Herr Stein immer auf Felix’ Seite gestanden hatte, und hatte sich deshalb kaum noch bei ihm blicken lassen.„Die Stein-Gruppe gehört ursprünglich mir. Felix ist tot, der Konzern steckt in einer Krise, und ich übernehme wieder die Führung. Was soll daran falsch sein?“Thomas sprach mit einer Selbstverständlichkeit, die Herr Stein nur noch wütender machte.Seine Brust hob und senkte sich schwer.„Thomas! Du hast doch nur darauf gewartet, dass Felix endlich weg ist, damit du genau das hier durchziehen kannst!“Herr Stein zeigte mit zitternder Hand auf ihn.Thomas wirkte kein bisschen ertappt.„Wenn du Felix all die Jahre nicht so bevorzugt hättest, würde Adrian den Konzern heute längst führen.“„Und Elena? Sie hat unsere Familie auseinandergebracht, und trotzdem willst du ausgerechnet sie weiterhin als Teil der Familie akzeptieren.“Thoma
Auf beiden Seiten des langen Konferenztisches saßen die Gesellschafter und Mitglieder der Unternehmensführung.Am Kopfende hatte Thomas im Rollstuhl Platz genommen. Adrian saß direkt rechts von ihm.„Die Stein-Gruppe steckt mitten in einer Krise. Wir können es uns nicht länger leisten, einfach abzuwarten. Felix ist tot, und als Mitglied der Familie Stein werde ich ab sofort wieder die Verantwortung für den gesamten Konzern übernehmen.“Thomas sprach mit solcher Entschlossenheit, dass seine Entscheidung längst festzustehen schien. Sein Gesicht blieb ernst, innerlich konnte er seine Freude jedoch kaum zügeln.Auf diesen Tag hatte er fünf Jahre gewartet!Seit Felix damals die Führung übernommen hatte, war Thomas’ Einfluss Schritt für Schritt geschwunden. Wartete er noch länger, blieb ihm irgendwann gar nichts mehr.Unter den Anwesenden machte sich Unruhe breit.Die Meldungen über Felix’ Tod beherrschten zwar seit dem Vorabend die Nachrichten, doch von der Familie Stein hatte es bislang ke
„Enttäuscht?“Stefan lachte leise und spöttisch.„Worüber genau? Darüber, dass Felix angeblich seinen Verletzungen erlegen ist? Oder darüber, dass es dir offenbar noch ziemlich gut geht?“„Du musst nicht um den heißen Brei herumreden. Wenn du etwas sagen willst, dann sag es.“Elena hatte auf Lautsprecher gestellt und warf Felix unwillkürlich einen Blick zu.An seinem Gesicht war nichts Auffälliges zu erkennen.Dann erklang Stefans tiefe Stimme erneut.„Bei einem Mann wie Felix frage ich mich schon, was wahrscheinlicher ist. Hat er seinen Gegner unterschätzt, oder war der Gegner diesmal tatsächlich besser?“„Inzwischen wartet ganz Königstadt auf eine Reaktion der Weiß-Gruppe und der Stein-Gruppe. Du bist heute früh ins Krankenhaus gefahren und seitdem nicht wieder herausgekommen. Willst du damit sicherstellen, dass auch wirklich jeder glaubt, Felix sei tot?“Stefans Worte waren voller Andeutungen, ohne dass er etwas offen aussprach. Trotzdem wurde die Stimmung im Zimmer sofort ernster.
Jens rief Heinrich an und berichtete, dass Florian in letzter Zeit auffallend engen Kontakt zu Stefan pflegte.Heinrich wollte es zunächst nicht glauben.„Bist du dir sicher?“„Ja. Wir haben eindeutige Hinweise. Die beiden kennen sich schon lange. Florian hat außerdem schon früher versucht, eine Zusammenarbeit zwischen der Weiß-Gruppe und den Brandts voranzutreiben. Elena hat das damals abgelehnt.“Heinrichs Gesicht wurde sofort ernst.„Wenn er uns tatsächlich so in den Rücken fällt, hat er sich gewaltig verschätzt. Ich habe ihm diese Position verschafft, ich kann genauso gut dafür sorgen, dass er sie wieder verliert.“„Und eines steht fest. Die Weiß-Gruppe wird mit den Brandts nicht mehr zusammenarbeiten.“Zu gut erinnerte er sich daran, wie seine Schwiegertochter damals gestorben war.Das System selbst hatte Elena entwickelt, doch die späteren Sicherheitsprüfungen und die Markteinführung waren eng mit der Brandt-Gruppe verbunden gewesen.Seit diesem Vorfall hatten beide Familien ihre
„Na endlich. Ich dachte schon, den kriegt überhaupt keiner klein!“Thomas lachte laut auf. Von Trauer war ihm nichts anzusehen. Im Gegenteil, er hatte auf genau diese Nachricht gewartet.Adrian dagegen hatte in der Nacht kaum geschlafen.Als er die Meldung zum ersten Mal sah, konnte er sie kaum glauben. Dann überwog die Aufregung. Doch sobald er sich wieder etwas gefangen hatte, kamen die Zweifel zurück.War Felix wirklich so leicht zu erledigen?Andererseits hatte Adrian selbst gesehen, wie der Angreifer zugestochen hatte. Auf dem Boden war sofort eine große Menge Blut gewesen.Der Mann hatte ihm den Rücken zugewandt und damit die Sicht versperrt, sodass Adrian nicht erkennen konnte, wo genau Felix getroffen worden war. Aber allein die Blutmenge hatte nach einer schweren Verletzung ausgesehen.„Papa, selbst wenn Felix wirklich tot ist, hält Elena immer noch zwanzig Prozent der Anteile. Was machen wir damit?“Thomas winkte ab.„Das ist später unser Problem. Erst holen wir uns die Stein
Die Meldungen verbreiteten sich innerhalb kürzester Zeit über sämtliche Plattformen und landeten sofort ganz oben in den Trends.Elenas Handy begann beinahe im selben Moment zu klingeln. Ein zufriedener Ausdruck glitt durch ihre Augen, doch sie nahm keinen der Anrufe an. Stattdessen ging sie ins Bad und duschte in aller Ruhe.Den ganzen Abend über kamen weitere Anrufe und Nachrichten herein.Freunde meldeten sich besorgt, Geschäftspartner wollten wissen, was passiert war, und auch aus mehreren Unternehmen kamen Rückfragen.Elena reagierte auf nichts davon. Sie stellte ihr Handy auf lautlos und ging schlafen.Am nächsten Morgen waren die meisten großen Meldungen bereits aus den Trends verschwunden, doch im Netz wurde noch immer heftig darüber diskutiert.Elena fuhr früh zum Krankenhaus. Sie war bewusst unauffällig gekleidet, trug eine Maske und eine große Sonnenbrille und war auf den ersten Blick kaum zu erkennen.Jens hielt vor dem Krankenhaus und sah zu den Reportern und Fotografen hi
Einen Moment lang setzte bei Elena der Verstand aus. Sie wurde knallrot, biss sich auf die Unterlippe, stellte sich auf die Zehenspitzen und hauchte Felix einen Kuss auf die Wange.„Reicht das jetzt?“Kaum hatte sie ihn geküsst, wollte sie sich schon wieder zurückziehen.Felix’ Pupillen weiteten sic
Elenas Worte waren für ihren Großvater kaum zu glauben. Nachdem er ein ums andere Mal nachgefragt hatte, lachte er noch herzlicher als zuvor.„Gut, Hauptsache, du bist verheiratet. Wann bringst du ihn mal bei mir vorbei, damit ich mir den Jungen ansehen kann?“Elena antwortete brav: „Kein Problem, O
Zum Glück klingelte in diesem Moment Elenas Handy und rettete sie aus der peinlichen Situation.„Hallo?“Ihr Herzschlag wurde schneller, sie ging hastig ran.Am anderen Ende meldete sich ihre beste Freundin, das Topmodel Mara Schmitt, mit spöttischem Ton. „Na, meine große Elena, du bist gestern unte
Elena erstarrte, ihr Herz schlug immer schneller.In dem Moment, als Felix sich noch einmal zu ihr hinunterbeugte, um sie zu küssen, begann ihr Körper unwillkürlich zu zittern.Als er ihre Reaktion bemerkte, hielt Felix inne. In seinen dunklen Augen lag deutlich sichtbare Beherrschung.„Na? Hast du







