LOGINDas Frühstück lief noch immer in diesem angenehmen, langsamen Rhythmus weiter, bei dem niemand es eilig hatte aufzustehen, obwohl jeder eigentlich schon halb wusste, dass der Tag draußen weitergehen würde.
Die Tassen wurden nachgefüllt, jemand schob sich das letzte Stück Brot auf den Teller, und Giotto lag noch immer zufrieden unter dem Tisch, als wäre er der stille Mittelpunkt des gesamten Chaos.
„Also wirklich“, begann Eric und lehnte sich zurück, „wenn wir schon so einen freien Tag haben, sollten wir ihn nicht komplett im Haus verschwenden.“
„Danke“, murmelte Derek. „Endlich jemand mit einem funktionierenden Gehirn am Tisch.“
„Ich dachte eher an irgendwas draußen“, fuhr Eric fort. „Spaziergang war gut, aber vielleicht danach noch irgendwo hin? Stadt? Irgendwas?“
„Zu viele Menschen“, kommentierte Chris sofort.
„Zu wenig Schlaf“, ergänzte Milo.
Katy hatte inzwischen ihr Handy endgültig beiseitegelegt und schob es leicht außer Reichweite, als würde sie sich bewusst aus dem kleinen Sog der Ablenkung zurückziehen. Stattdessen lehnte sie sich etwas vor, stützte die Arme auf dem Tisch ab und hörte zu.
„Wir könnten auch einfach irgendwo hinfahren“, schlug Taylor vor. „Kaffee trinken, bisschen rauskommen.“
Flynn hörte die Vorschläge, aber sein Blick blieb kurz bei Lia hängen, die noch immer halb entspannt an seiner Seite saß. Seine Hand ruhte ruhig an ihrem Rücken, als hätte er sich längst entschieden.
„Ich würde gerne mit Lia und Giotto ein bisschen für uns sein“, sagte er dann plötzlich.
Der Satz war nicht laut, aber er schnitt trotzdem klar durch das Gespräch.
Für einen Moment wurde es still.
Chris blinzelte. „Wie bitte?“
„Du willst was?“ fragte Eric sofort.
„Allein?“, hakte Derek nach, als wäre das Wort grundsätzlich verdächtig.
Milo zog langsam eine Augenbraue hoch, sagte aber noch nichts.
Lia hob den Kopf leicht, sah Flynn kurz an – nicht überrascht, eher ruhig, als hätte sie es schon gespürt.
Flynn blieb entspannt. „Nur ein Spaziergang. Nichts Großes. Einfach wir drei.“
„Und wir?“ platzte Chris heraus.
„Ihr seid auch eingeladen zu atmen“, murmelte Brian trocken, bevor die Stimmung kippen konnte.
„Das ist unfair“, begann Taylor, doch bevor sich die Diskussion aufschaukeln konnte, lehnte sich Brian leicht nach vorne.
„Okay“, sagte er ruhig.
Alle sahen ihn an.
Brian ließ den Blick einmal über die Runde gehen, als würde er die Energie im Raum sortieren. „Dann machen wir es so: Flynn und Lia gehen mit Giotto spazieren. Wir anderen fahren in die Therme.“
Ein paar Sekunden lang war es still.
„Therme?“ wiederholte Eric langsam.
Milo hob interessiert den Kopf. „Eigentlich… keine schlechte Idee.“
„Warm, ruhig, kein Stress“, ergänzte Brian sachlich. „Und jeder hat etwas für sich.“
Chris verzog das Gesicht. „Das klingt verdächtig nach Entspannung.“
„Genau das ist der Sinn davon“, murmelte Brian trocken.
Derek lehnte sich zurück. „Ich hasse es, aber es ist gut.“
Die ersten kleinen Proteste verpufften schnell. Die Idee begann, sich im Raum zu setzen, als wäre sie sowieso schon die ganze Zeit da gewesen.
Dann hob Brian noch einmal leicht die Hand.
„Und wir treffen uns später wieder“, sagte er.
Milo sah auf. „Wie meinst du das?“
„Ganz einfach“, erklärte Brian ruhig. „Flynn, Lia und Giotto gehen spazieren. Wir fahren in die Therme. Und danach treffen wir uns alle wieder zum Essen.“
Chris hob sofort den Kopf. „Essen klingt gut.“
„Natürlich klingt Essen gut“, murmelte Derek.
Brian blieb gelassen. „Wir reservieren irgendwo in der Nähe. Dann hat jeder seinen Teil vom Tag gehabt, aber wir enden wieder gemeinsam.“
Für einen Moment blieb es ruhig.
Dann nickte Eric langsam. „Okay… das ist tatsächlich perfekt.“
Milo grinste. „Ich bin dabei.“
„Ich auch“, sagte Taylor.
Chris seufzte theatralisch. „Solange ich vorher nicht erfriere, ist mir alles recht.“
Flynn sah kurz zu Lia, dann zu Brian. „Guter Plan.“
Lia lächelte leise. „Ja… das ist wirklich schön so.“
Katy, die inzwischen wieder ganz im Moment angekommen war, nickte ebenfalls. „Dann ist das beschlossen.“
Unter dem Tisch bewegte sich Giotto, tapste einmal durch die Beine der anderen und setzte sich dann wieder hin, als hätte auch er offiziell zugestimmt.
Und so, ganz unspektakulär, hatte Brian aus einem wilden Morgen ein Gleichgewicht gemacht – eins, das sich aufteilte und trotzdem wieder zusammenfinden würde.
Nach und nach löste sich die Runde vom Tisch, als hätte Brian mit seinem Plan auch gleich die Energie des gesamten Morgens neu sortiert.
„Okay, Team Aufräumen oder Team Flucht?“, murmelte Milo und schob seinen Stuhl zurück.
„Ich bin definitiv Team Flucht“, antwortete Chris sofort.
„Überraschend“, kommentierte Derek trocken, stand aber trotzdem auf und griff nach ein paar leeren Tassen.
Der Tisch wurde Stück für Stück abgeräumt. Teller wanderten in die Spülmaschine, Tassen sorgfältig eingeräumt, der Aufschnitt in den Kühlschrank gelegt. Es war kein hektisches Aufräumen, eher dieses eingespielte Durcheinander von Leuten, die zwar nicht besonders organisiert waren, aber trotzdem gemeinsam funktionierten.
Taylor streckte sich kurz. „Ich geh duschen, bevor irgendjemand auf die Idee kommt, mich vorher noch zu irgendwas einzuteilen.“
„Gute Entscheidung“, murmelte Brian, während er eine Kanne in die Küche brachte.
Taylor verschwand auch schon im Flur, hörbar pfeifend auf dem Weg ins Badezimmer.
Derek zog sich währenddessen seine Jacke über. „Ich geh kurz raus zum Tor. Die kommen gleich, um das Partyzelt abzubauen.“
„Schon?“, fragte Katy.
„Derek hat alles zeitlich perfekt geplant“, meinte Milo grinsend. „Gruselig, aber effizient.“
Derek ignorierte ihn einfach und ging bereits in Richtung Garten.
Draußen war die Luft klar und kalt, aber angenehm frisch – genau das Wetter, das perfekt zu diesem ruhigen Nachmorgen passte.
Im Haus selbst begann sich die Gruppe langsam aufzuteilen. Flynn blieb noch kurz bei Lia stehen, seine Hand fand automatisch wieder ihren Rücken.
„Ich komme gleich zurück“, sagte er leise. “ Ich ziehe mir etwas passenderes an.”
„Okay”, antwortete sie ruhig und lächelte. “Ich mache mich auch gleich fertig.”
Katy sammelte währenddessen die letzten Gläser ein und stellte sie in die Spülmaschine. „Okay, Leute, wir haben ungefähr…“, sie warf einen Blick auf die Uhr, „…keine Zeit mehr, um langsam zu machen.“
„Sehr präzise“, murmelte Eric.
„Ich gebe mein Bestes“, konterte sie.
Einer nach dem anderen verschwand in Richtung Zimmer, um sich warm anzuziehen oder kurz frisch zu machen. Schritte hallten durch den Flur, Türen gingen auf und zu, Kleidung wurde gesucht, Jacken übergeworfen.
Das Haus füllte sich für einen kurzen Moment noch einmal mit Bewegung – diesem letzten Rest Chaos, bevor der Tag wirklich auseinandergehen würde.
Und irgendwo zwischen all dem stand Lia noch immer mitten in diesem Gefühl von Ruhe und Aufbruch, während Flynn ihre Hand kurz drückte, bevor auch er sich langsam in Richtung Zimmer bewegte.
Der Morgen war vorbei.
Und der Tag begann gerade erst richtig.
Langsam wurde es auch im Gruppenchat ruhiger. Die ersten verabschiedeten sich bereits. Chris hatte noch drei weitere Vorschläge für die Party geschickt. Taylor versprach, sich direkt am nächsten Tag um die Liste zu kümmern. Derek hatte noch einmal betont, dass er die Kontaktaufnahme übernehmen würde. Und Brian erinnerte alle daran, dass sie nebenbei auch noch ein Album fertigstellen mussten. Katy musste lächeln. Dann tippte sie eine letzte Nachricht. „Danke euch allen.“ „Wirklich.“ „Und schreibt morgen, sobald die Liste steht.“ „Dann können wir anfangen zu planen.“ Kurz darauf erschienen die ersten Antworten. Brian: „Machen wir.“ Derek: „Bekommst du.“ Taylor: „Ich arbeite bereits daran.“ Flynn: „Natürlich tut er das.“ Eric: „Gute Nacht, ihr zwei.“ Chris: „Und viel Glück mit der Geheimmission.“ Katy schüttelte grinsend den Kopf. „Und ihr viel Glück beim Album.“ „Und überarbeitet euch nicht.“ Brian reagierte sofort. „Zu spät.“ Chris: „Definitiv zu spät.“
Katy starrte einen Moment auf ihre eigene Nachricht. Dann begann sie zu tippen. „Ich würde Milo gerne eine richtige Überraschungsparty zum 30. Geburtstag schenken.“ Für einen kurzen Moment blieb der Chat still. Ungewöhnlich still. Dann erschien die erste Antwort. Brian: „Von wie groß reden wir hier?“ Katy: „Groß groß.“ Chris: „Ich mag die Richtung.“ Taylor: „Ich auch.“ Flynn: „Mir macht das Angst.“ Derek: „Mir auch. Aber auf eine gute Art.“ Katy musste lachen. Dann schrieb sie weiter. „Ich meine seine Eltern.“ „Seine Schwester.“ „Seine Freunde.“ „Menschen, die ihm wichtig sind.“ „Einfach alle.“ Wieder erschien für einen Moment keine Antwort. Dann schrieb Eric: „Meinst du wirklich, dass er das wollen würde?“ Chris: „Das habe ich gerade auch gedacht.“ Brian: „Milo steht normalerweise nicht gern im Mittelpunkt.“ „Genau“, schrieb Derek. „Er freut sich nicht wirklich über Geburtstage. Und dann eine riesige Feier?“ Katy las die Nachrichten. Dann wurde ihr B
Während Katy mit Julien im Bad verschwand, blieb Lia einen Moment im Wohnzimmer. Die Stimmen aus dem Bad waren gedämpftes Platschen, gelegentlich ein empörtes „Mama!“, und Katys ruhige, aber bestimmte Antworten. Lia schüttelte leicht grinsend den Kopf und ging zum Kamin. Ein paar Holzscheite lagen schon bereit. Sie kniete sich hin, ordnete das Holz neu und zündete das Feuer an. Nach ein paar Sekunden begann es zu knistern. Wärme breitete sich langsam im Raum aus. Sie lehnte sich kurz zurück und beobachtete die Flammen. Zuhause. Dieses Gefühl war plötzlich sehr präsent. Nach etwa zwanzig Minuten kamen die Geräusche aus dem Bad näher. Schritte im Flur. Dann Katys Stimme. Wenig später kam Katy mit Julien auf dem Arm wieder ins Wohnzimmer, sein Haar noch leicht feucht, sein Gesicht zufrieden müde vom Bad. „Oh“, sagte Lia und drehte sich um. „Sieht aus, als hätte jemand gewonnen.“ „Ich habe gewonnen“, erklärte Katy. Julien schüttelte sofort den Kopf. „Ich auch.“ „Natürlic
Nach einer Weile hörte Lia, wie Flynn auf der anderen Seite der Leitung kurz leise seufzte. „Ich muss leider auflegen, Queen. Wir müssen weitermachen.“ „Natürlich.“ „Aber bevor ich gehe…“ Lia hob leicht eine Augenbraue, auch wenn er es nicht sehen konnte. „Ja?“ „Ich soll dir von Derek und Taylor ausrichten, dass sie dich lieben.“ Lia musste sofort lachen. „Natürlich sollst du das.“ „Und Derek vermisst deine Kochkünste.“ „Das überrascht mich jetzt gar nicht.“ Flynn lachte ebenfalls. „Ich soll dir außerdem sagen, dass Taylor schon wieder irgendetwas für unsere Hochzeit plant.“ „Oh nein.“ „Oh doch.“ „Das klingt gefährlich.“ „Ist es auch.“ Lia schüttelte grinsend den Kopf. „Ich sehe schon, ich heirate nicht nur dich.“ „Sondern?“ „Alle sechs Mitglieder gleich mit.“ Flynn prustete los. „Das klingt nach einer fairen Aufteilung.“ „Sehr großzügig von mir, ich weiß.“ Seine Stimme wurde etwas leiser. „Solange nur wir beide das Bett teilen, kann ich damit leben.“ Lia wur
Nach ihrem Gespräch blieben sie noch eine ganze Weile bei McDonald's sitzen. Julien hatte sein Happy Meal längst aufgegessen und beschäftigte sich inzwischen deutlich mehr mit der kleinen Überraschung als mit seinem Getränk. Zwischendurch erzählte er Geschichten, die nur er selbst vollständig verstand, zeigte den beiden Frauen mehrmals sein Spielzeug und verkündete mindestens dreimal, dass dies der beste Nachmittag überhaupt sei. „Vor einer Woche war es der beste Nachmittag überhaupt, weil du einen Keks bekommen hast“, erinnerte Katy ihn. „Das war ein anderer bester Nachmittag.“ „Ach so.“ „Ja.“ Damit war die Angelegenheit für Julien geklärt. Schließlich machten sie sich wieder auf den Heimweg. Diesmal verlief die Fahrt deutlich ruhiger. Die Aufregung über McDonald's hatte sich gelegt. Julien kuschelte sich zufrieden in seinen Sitz und hielt sein kleines Spielzeug fest umklammert. Als sie zuhause ankamen, schlüpfte er sofort aus seinen Schuhen. „Darf ich noch eine Folge gu
Kaum saßen sie im Auto, begann Julien aufgeregt mit den Beinen zu zappeln. „Wie lange noch?“ Katy warf einen Blick in den Rückspiegel. „Wir sind noch nicht einmal von der Einfahrt runter.“ „Aber wie lange noch?“ „Ein paar Minuten.“ Julien seufzte dramatisch. „Das dauert ja ewig.“ Lia, die am Steuer saß, musste lachen. „Du wirst es überleben.“ „Vielleicht.“ „Sehr mutig.“ Julien nickte ernst. „Ich weiß.“ Die nächsten Minuten bestanden hauptsächlich daraus, dass Julien alle dreißig Sekunden fragte, ob sie bald da seien. Zwischendurch sang er ein Lied, dessen Text offensichtlich spontan erfunden wurde, erzählte von seinem Schneemann und erklärte anschließend, warum Giotto definitiv traurig sei, dass er nicht mitkommen durfte. „Er mag nämlich Pommes.“ „Das glaube ich sofort“, sagte Katy. „Und Nuggets.“ „Wahrscheinlich auch die.“ „Und Burger.“ „Julien.“ „Ja?“ „Giotto ist ein Hund.“ „Ich weiß.“ „Gut.“ „Aber trotzdem mag er Pommes.“ Lia musste so lachen, dass sie ku







