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AMOR SPIELEN

Author: Chidoscorner
last update publish date: 2026-09-09 01:11:41

Flora's POV

Der Esstisch war erfüllt vom reichhaltigen Aroma von Steak und Ofenkartoffeln. Es sah aus wie ein perfektes, gemütliches Abendessen im Kreis der Familie. Emily saß mir gegenüber und aß vergnügt, während Eugene am Kopf des Tisches saß. Jedes Mal, wenn ich aufblickte, konnte ich Eugenes stillen Blick auf mir spüren. Meine Haut fühlte sich immer noch warm an von unserem Gespräch in der Küche, aber ich gab mein Bestes, mich ganz normal zu verhalten.

Emily wischte sich mit einer Servette den Mund ab und lehnte sich nach vorne, ihre Augen sprühten vor plötzlicher Vorfreude.

„Oh, Flora, ich habe gerade die beste Idee überhaupt gehabt“, sagte Emily beiläufig. „Du kennst doch meinen Freund Josh? Sein bester Freund Sam kommt dieses Wochenende zurück in die Stadt. Er ist Single, super nett und absolut dein Typ. Ich sollte euch zwei verkuppeln!“

Ich hätte mich beinahe an meiner Kartoffel verschluckt. Hastig nahm ich einen Schluck Wasser und versuchte, meine Panik zu verbergen. „Oh, Emily, ich weiß nicht. Ich bin gerade wegen der Abschlussprüfungen wirklich im Stress.“

„Ach, komm schon, es ist doch nur ein einziges Date!“, beharrte Emily lachend.

Eugene legte seine Gabel streng, aber ruhig ab. Er sah seine Tochter an, seine tiefe Stimme schnitt durch ihre Begeisterung. „Emily, warum spielst du Schicksal? Lass Flora sich auf ihr Studium konzentrieren. Der Abschluss ist nur noch ein paar Wochen entfernt.“

Emily drehte spielerisch die Augen im Kopf herum. „Ach, Papa, du verstehst das nicht. Ich will Flora verkuppeln, weil es einfach perfekt wäre. Stell dir vor – wenn Flora und Sam sich gut verstehen, würden wir beide mit den besten Freunden ausgehen! Wir könnten Doppel-Dates machen, zusammen verreisen und für immer eng befreundet bleiben.“

Als ich Emily das sagen hörte, zog sich mein Magen unter einer schweren Welle von Schuldgefühlen zusammen. Sie plante eine wunderschöne Zukunft für uns, völlig ahnungslos, dass der einzige Mann, der mein Herz zum Rasen brachte, direkt neben ihr saß.

Ich riskierte einen kurzen Blick zu Eugene. Sein Gesichtsausdruck war völlig unbewegt, aber seine dunklen Augen waren auf meine gerichtet. Eine plötzliche, intensive Spannung lag in der Luft.

„Ich denke, Flora kann selbst jemanden finden, wenn sie bereit dazu ist“, sagte Eugene leise. Seine Stimme sank in jenen tiefen, ernsten Tonfall, der mir ein Prickeln über den Rücken jagte.

„Exakt“, schaffte ich zu sagen und zwang mir ein kleines Lächeln für Emily ab. „Ich weiß das zu schätzen, Em, aber ich suche gerade nicht wirklich nach einem Typen in unserem Alter.“

Emily seufzte und winkte dramatisch ab. „Schön, schön. Aber falls du es dir anders überlegst: Sam wartet.“

Als Emily das Thema wechselte, um über ihre anstehenden Prüfungen zu sprechen, blickte ich auf meinen Teller hinab. Unter dem Tisch, für Emily unsichtbar, streifte mein Knie versehentlich Eugenes Bein. Ich erstarrte und wartete ab, ob er ausweichen würde.

Er tat es nicht. Stattdessen hielt er sein Bein sanft gegen meines gedrückt und bewahrte den heimlichen Kontakt, während er seiner Tochter ruhig zuhörte.

Gerade als die Wärme seines Beins an meinem mir den Kopf verdrehen wollte, zuckte Eugene plötzlich zurück. Er zog sein Bein auf seine Seite zurück, seine Haltung wurde steif. Es war, als hätte er sich gerade bei etwas Schrecklichem erwischt und sich schlagartig erinnert, wer ich war und wo wir hier saßen.

Er räusperte sich, sein Gesicht völlig ausdruckslos und kühl, als hätte die heimliche Berührung nie stattgefunden.

Genau in diesem Moment summte Emilys Handy auf dem Tisch. Sie hob es auf, und ihre Augen leuchteten auf, als sie die Nachricht las.

„Oh! Wenn man vom Teufel spricht“, sagte Emily mit einem breiten Grinsen. „Das war Josh. Er hat gerade mit Sam gesprochen, und Sam hat diesen Samstag definitiv Zeit. Er möchte dich auf einen Drink einladen, Flora!“

Ich schluckte schwer und blickte zu Eugene hinüber. Ich rechnete damit, dass er wieder einschreiten oder zumindest das Thema wechseln würde, so wie er es zuvor getan hatte.

Stattdessen sah Eugene mich direkt an, seine Augen vollkommen ernst. „Du solltest gehen, Flora“, sagte er mit ruhiger, fester Stimme.

Ich starrte ihn an, völlig vor den Kopf gestoßen. „Was?“, flüsterte ich.

„Mein Papa hat recht!“, jubelte Emily. „Siehst du? Selbst er hält es für eine gute Idee.“

„Ganz genau“, fuhr Eugene fort und nickte gelassen, während er ein weiteres Stück Steak abschnitt. „Es sind eure letzten Ferien vor dem Abschluss. Du hast hart gearbeitet und du hast es verdient, auszugehen, Spaß zu haben und jemanden in deinem Alter kennenzulernen. Sam klingt nach einer guten Partie für dich.“

Ich saß schweigend da, mein Verstand war völlig verwirrt von seiner plötzlichen Kehrtwende. Noch vor wenigen Minuten in der Küche war seine Stimme rau vor Spannung gewesen, als er mich davor warnte, mit dem Feuer zu spielen. Und vor wenigen Sekunden erst hatte er sein Bein unter dem Tisch gegen meines gedrückt. Doch jetzt drängte er mich in die Arme eines anderen Typen und tat so, als könnte es ihm nicht egaler sein.

Ich starrte auf meinen Teller, während ein scharfer Schmerz der Zurückweisung meine Brust einschnürte. Ich konnte nicht sagen, ob er nur versuchte, Emily zu beschützen, oder ob er mich am Ende doch einfach nur als Kind sah.

Eine heiße Welle der Beschämung stieg mir ins Gesicht. Ich blickte hin und her zwischen Emilys begeistertem Gesichtsausdruck und Eugenes kühler, ruhiger Miene.

„Ich glaube wirklich nicht, dass das eine gute Idee ist, Emily“, protestierte ich, meine Stimme angespannter, als ich beabsichtigt hatte. „Ich muss so viel lernen, und ehrlich gesagt klingt ein Blind Date gerade einfach nur anstrengend.“

„Ach, komm schon, Flora! Spiel nicht die Spielverderberin“, bat Emily mit einem Schmollmund. „Es ist doch nur ein Drink. Zwei Stunden an einem Samstagabend wirst du wohl erübrigen können.“

„Deine Freundin hat recht, Flora“, schaltete sich Eugene erneut ein, sein Tonfall vollkommen flach und beiläufig. Er blickte nicht einmal von seinem Teller auf. „Eine kurze Pause von deinen Büchern könnte deiner Konzentration sogar guttun. Es schadet nicht, neue Leute kennenzulernen.“

Ihn das sagen zu hören – so beiläufig, als wäre er nur ein ganz normaler Onkel, der Ratschläge fürs Leben erteilt – ließ etwas in mir zerbrechen. Die Verwirrung wandelte sich in tiefe Scham.

Ich habe mir das alles nur eingebildet, dachte ich, während ein flaues Gefühl meinen Magen erfasste.

Ich sah ihn an und suchte in seinem Gesicht nach irgendeinem Zeichen des Mannes, der mir in der Küche etwas zugeflüstert hatte, oder des Mannes, der noch vor Momenten sein Bein an meines gedrückt hielt. Aber da war nichts. Er sah einfach nur aus wie Emilys Vater.

Mir wurde klar, dass ich meine eigenen albernen Teenager-Schwärmereien auf ihn projiziert haben musste. Ich hatte so dringend gewollt, dass er mich als Frau ansah, dass ich ein ganz normales Gespräch und eine zufällige Berührung unter einem engen Tisch in etwas Romantisches umgedichtet hatte. Er sah mich überhaupt nicht so. Für ihn war ich nur die College-Freundin seiner Tochter.

„Gut“, sagte ich und zwang mir ein strahlendes, falsches Lächeln auf, um den Schmerz in meiner Brust zu verbergen. „Ihr habt gewonnen. Sag Josh, er soll Sam meine Nummer geben, Emily. Ich gehe mit.“

„Ja!“, jubelte Emily und tippte sofort eine Antwort an ihren Freund. „Du wirst es nicht bereuen, Flo!“

„Da bin ich mir sicher“, murmelte Eugene leise. Er stand auf und nahm seinen leeren Teller. „Entschuldigt mich, Mädels. Ich muss im Arbeitszimmer noch ein paar geschäftliche E-Mails erledigen.“

Ohne mich noch einmal anzusehen, verließ er das Esszimmer.

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