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KAPITEL 5 — DIE ANDERE FRAU

ผู้เขียน: L'invincible
last update วันที่เผยแพร่: 2026-10-31 22:20:46

Sie antwortet nicht; sie kann nicht; die Dienstboten wissen alles, aber sie sagen nichts; das ist die Regel; die erste Regel in Häusern wie diesem: sehen, schweigen, dienen.

Ich lasse es fallen; ich nehme eine Tasse, ich gieße Kaffee ein; die Flüssigkeit ist schwarz, bitter, brennend; ich trinke ihn im Stehen, an die Arbeitsplatte gelehnt, die Augen auf das Fenster gerichtet; jenseits des Gartens glänzt die weiße Villa in der Sonne; ich frage mich, ob sie jetzt dort ist, ob sie sich auch einen Kaffee zubereitet, ob sie lächelt, wenn sie an die vergangene Nacht denkt.

Ein Auto in der Auffahrt; ich erkenne den Motor; er ist es; er kommt zurück.

Ich stelle meine Tasse ab; meine Hände zittern; ich verstecke sie in den Taschen meines Morgenmantels; er betritt die Küche; er hat das Hemd gewechselt, er riecht nach Seife, Eau de Cologne, frischer Morgenluft; er sieht mich, seine Augen gleiten über mich, halten eine Sekunde inne, gleiten weiter.

— Du bist auf, sagt er.

Es ist keine Frage; es ist eine Feststellung; wie man sagt, es regnet, oder es ist kalt.

— Ja.

Er nimmt eine Tasse, schenkt sich Kaffee ein; er trinkt in kleinen Schlucken, den Blick in den Garten verloren; er spricht nicht mit mir, er sieht mich nicht an; ich bin ein Möbelstück in dieser Küche, ein Stuhl, ein Tisch, ein Gegenstand, den man weggeräumt und vergessen hat.

Ich sollte etwas sagen; ich sollte ihn fragen, wer sie ist; ich sollte schreien, weinen, etwas zerbrechen; ich tue nichts; ich bleibe dort, stehend, die Hände in den Taschen, die Augen auf die weiße Villa gerichtet.

— Ich werde ein paar Tage verreisen, sagt er plötzlich.

Ich drehe mich um; er sieht mich endlich an; seine Augen sind ruhig, gleichgültig; er erwartet nichts von mir; er erwartet nicht einmal eine Antwort.

— Wohin gehst du? sage ich.

Meine Lippen formen die Frage, ohne dass ich es entschieden habe; die Frage ist heraus, dumm, nutzlos; er zuckt mit den Schultern.

— Auf Reisen; mit Freunden.

Mit Freunden. So nennt er die, die in der weißen Villa lacht. Mit Freunden.

Er stellt seine Tasse ab, er verlässt die Küche; ich höre ihn die Treppe hinaufgehen, einen Schrank öffnen, einen Koffer schließen; zehn Minuten später kommt er herunter, einen Koffer in der Hand; er durchquert die Halle, ohne mich anzusehen; er öffnet die Tür; das Auto wartet auf ihn.

Er wird drei Tage fort sein; drei Tage mit ihr; drei Tage ohne mich; drei Tage, in denen ich allein in dieser zu großen Villa sein werde, aus dem Fenster schauend, bitteren Kaffee trinkend, mich fragend, was ich getan habe, um das zu verdienen.

Nichts. Ich habe nichts getan. Ich bin arm geboren, ich habe einen Vertrag unterschrieben, ich habe mein Leben verkauft, um das meines Vaters zu retten. Das ist kein Fehler. Das ist eine Tragödie. Aber Tragödien erlebt man allein. Niemand kommt, um sie zu teilen.

Die Tür knallt; der Motor startet; die Kieselsteine knirschen; die Stille.

Ich bleibe in der Küche; Lorenzos Tasse steht noch da, halb voll; ich nehme sie, ich leere sie in das Spülbecken; das Wasser läuft, es spült den Kaffee fort, es spült die Spur seiner Lippen von dem Porzellan.

Ich gehe in mein Zimmer; ich setze mich vor das Fenster; die weiße Villa ist noch da, in der Sonne, mit ihren Oleandern und ihrem erloschenen Licht.

Ich kenne ihren Namen nicht; ich weiß nichts über sie; ich weiß nur, dass sie schön ist, dass sie lacht, dass sie ihre Hand auf dem Arm meines Mannes hat, dass sie dort existiert, wo ich nur ein Schatten bin.

Ich hole ein Notizbuch aus meinem Koffer; ein kleines Notizbuch mit schwarzem Einband, Wochen vor der Hochzeit gekauft, als ich es noch nicht wusste, als ich vielleicht noch glaubte; ich öffne die erste Seite; der Stift ist in meiner Hand; er zittert.

Ich schreibe das Datum; ich schreibe den Namen der Villa; ich schreibe, was ich heute Morgen gesehen habe, was ich gestern gesehen habe, was ich für die kommenden Tage erahne.

Ich schreibe ihren Namen nicht; ich kenne ihn nicht; ich nenne sie die andere Frau; ich nenne sie die, die lacht; ich nenne sie die, die lebt.

Als ich fertig bin, schließe ich das Notizbuch; ich verstecke es unter dem Kissen; es ist mein Geheimnis, mein einziger Besitz, mein einziges Territorium.

Ich bleibe dort, schaue aus dem Fenster, warte darauf, dass etwas geschieht; nichts geschieht; der Garten ist leer, die weiße Villa ist leer, der Tag ist lang, endlos, flach.

Der Abend senkt sich; ich habe nicht gegessen, ich habe keinen Hunger; ich lege mich in das zu große Bett, die zu weißen Laken, das zu kalte Zimmer; ich schließe die Augen; ich denke an mein Atelier, ich denke an meine Leinwände, ich denke an die Frau, die ich gemalt habe, die, die an der Tür lauscht, die nicht zu öffnen wagt.

Ich bin diese Frau. Ich werde diese Frau bleiben. Fünf Jahre. Fünf Jahre an einer Tür lauschen, die sich niemals öffnen wird.

Endlich weine ich; die Tränen kommen, warm, schwer, endlos; ich weine in das Kissen, damit man es nicht hört; ich weine um meinen Vater, um meine Mutter, um meinen Namen, um mein Atelier, um meine Leinwände, die ohne mich vergilben werden; ich weine um die Liebe, die ich niemals haben werde.

Ich weine, bis ich erschöpft bin; dann schlafe ich; ein traumloser Schlaf, schwer, dicht wie ein Stein.

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