Share

Kapitel 3

Penulis: merveille encre
last update Tanggal publikasi: 2026-03-18 10:40:40

Isabella konnte sich nicht erinnern, wann sie angefangen hatte, sich selbst zu belügen.

Vielleicht war es die Nacht, in der sich alles veränderte. Die Nacht, in der der Traum eines sechzehnjährigen Mädchens vom Abschlussball für eine einundzwanzigjährige Frau zur unausweichlichen Realität wurde.

Der Kassenbon lag auf der Marmortheke, wie ein Beweisstück am Tatort. Isabella starrte ihn an, bis die Zahlen verschwammen, dann zwang sie sich, sich zu bewegen. Die Zwillinge würden in sechs Stunden von der Schule nach Hause kommen. Sie musste ein Konzert vorbereiten, eine Maske tragen, eine Vorstellung geben.

Aber zuerst musste sie sich an die Wahrheit erinnern, an den wahren Anfang, nicht an das Märchen, das sie über die Jahre verfeinert und perfektioniert hatte.

Sie musste sich an diesen Hochschulball erinnern.

(Rückblende)

Sieben Jahre zuvor. Isabella war einundzwanzig, im letzten Jahr an der Sorbonne, mit einem fast abgeschlossenen Informatikstudium und einer Zukunft, die sich vor ihr ausbreitete wie eine offene Straße.

Der Hochschulball war Sophies Idee.

„Du musst mal ein bisschen leben“, beharrte ihre Mitbewohnerin und wedelte mit einem schwarzen Kleid herum, das man kaum als solches bezeichnen konnte. „Du hast vier Jahre lang in Büchern gesessen. Eine Nacht. Nur eine. Ich akzeptiere keine Absage.“

Isabella hatte geplant, den Freitagabend mit dem Debuggen des Codes für ihre Abschlussarbeit zu verbringen. Ein Sicherheitsalgorithmus, der laut Professor Durand eine echte Innovation darstellte. Echtes Potenzial.

Aber Sophie warf ihr diesen Blick zu. Den Blick, der bedeutete, dass sie die Karten bereits gekauft hatte und für ihre Freundschaft keine Rückerstattung akzeptieren würde.

Also ging Isabella.

Das Riverside Hotel war von jemandem mit Familiengeld und ohne Fantasie gemietet worden. Belanglose elektronische Musik dröhnte aus den Lautsprechern, während Studenten in Anzügen und Cocktailkleidern versuchten, mondän zu wirken. Die Art von Party, bei der man sich zu sehr anstrengt und kläglich scheitert.

Isabella nippte an einem Cranberry-Wodka und zählte die Minuten, bis sie endlich gehen konnte.

Dann packte Sophie ihren Arm. Fest.

„Hör auf zu gucken, Étienne Beaumont ist gerade reingekommen. Der geht so schnell nicht wieder.“

Isabella sah Étienne Beaumont an.

Natürlich sah sie ihn an.

Fünf Jahre nach der Gala war er nur noch attraktiver geworden, fast schon unfair. Dreiundzwanzig jetzt, frisch von der HEC Paris, mit einem MBA, den er sich wahrscheinlich mit Spenden erkauft hatte, obwohl man munkelte, er hätte ihn sich verdient. Er trug einen grauen Anzug, der zu seinen Augen passte, und bewegte sich durch die Menge wie ein sanfter Wasserstrahl.

Er sah sie nicht an.

Warum auch? Nur ein Tanz bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung vor fünf Jahren. Seitdem hatte er wahrscheinlich mit hundert Mädchen gesprochen. Tausend.

„Ich hole mir noch einen Drink“, sagte Isabella.

„Du hast den nicht ausgetrunken.“

„Dann gehe ich mal auf die Toilette.“

Sophie verdrehte die Augen. „Du bist hoffnungslos!“

Die Toilette war ihr Zufluchtsort gewesen. Ruhig, kühl, leer. Isabella presste die Hände gegen das Marmorwaschbecken und betrachtete ihr Spiegelbild. Dasselbe glatte schwarze Haar. Dieselben dunklen Augen. Dasselbe Mädchen, das nie dazuzugehören schien.

Was hatte sie erwartet? Dass Étienne Beaumont sich an einen Tanz mit einer Stipendiatin erinnern würde? Dass er fünf Jahre lang die Menge abgesucht hatte, in der Hoffnung, sie zu finden?

Sie trug gerade ihren Lippenstift nach, als der Schwindel einsetzte.

Zuerst nur ein leichtes Flattern. Als wäre man zu schnell aufgestanden. Dann kippte der Raum, und sie klammerte sich am Waschbecken fest, um das Gleichgewicht zu halten.

Der Wodka. Er schmeckte seltsam. Bitter unter der Süße der Cranberry.

Isabella spritzte sich kaltes Wasser ins Gesicht. Sie versuchte, durch den Schaum zu atmen. Doch die Grenzen der Welt verschwammen, und ihre Gedanken schwebten wie Honig dahin.

Sie musste Sophie finden. Sie musste nach Hause.

Der Flur vor den Toiletten erstreckte sich endlos. Türen zu beiden Seiten. Ein Versorgungsgang, vielleicht. Nicht der Hauptsaal.

Wie war sie hierhergekommen?

„Isabella?“

Die Stimme kam von überall und nirgends. Sie drehte sich zu schnell um und wäre beinahe gestürzt.

Jemand fing sie auf. Starke Hände auf ihren Schultern, die sie stützten.

„Vorsichtig. Ich halte dich.“ Sie blickte in die grauen Augen. Étiennes Gesicht, aber die Winkel waren fremd. Schärfer. Das Lächeln anders.

„Du erinnerst dich an mich“, sagte sie mit entrückter Stimme. „Vom Galaabend.“

„Natürlich erinnere ich mich.“ Seine Hände ruhten auf ihrer Taille. „Komm. Wir setzen dich.“

Sie versuchte zu gehen, aber ihre Beine gehorchten ihr nicht. Der Boden war feucht.

„Mir ist nicht gut“, sagte Isabella.

„Ich weiß. Nur noch ein kleines Stück.“

Lanjutkan membaca buku ini secara gratis
Pindai kode untuk mengunduh Aplikasi

Bab terbaru

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   EPILOG

    Die Gründung der Stiftung begann nicht mit einem Plan.Sie begann mit einer Frau namens Céline.Céline war einunddreißig Jahre alt. Sie hatte zwei Kinder unter fünf Jahren und hatte eine von Gewalt geprägte Ehe hinter sich gelassen – acht Monate bevor Isabella ihr in einem sozialen Zentrum im 18. Arrondissement begegnete, wohin sie gemeinsam mit Helene gefahren war, um Spenden abzugeben.Céline saß im Wartebereich, als Isabella eintraf. Sie hatte ihr jüngeres Kind auf dem Schoß und das ältere an ihre Seite geschmiegt; sie füllte ein Formular mit jener Konzentration aus, die man an den Tag legt, wenn Papierkram für einen stets eher ein Hindernis als eine bloße Formalität dargestellt hat.Isabella setzte sich neben sie, da der Wartebereich klein war und kein anderer Stuhl zur Verfügung stand.Sie hatten eigentlich nicht vor, miteinander zu reden.Doch das Kind auf Célines Schoß hatte Isabella mit jenem offenen, prüfenden Blick gemustert, mit dem kleine Kinder Fremde zu taxieren pflegen,

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 373

    DAS GESCHÄFTSIMPERIUMDie Ankündigung der Fusion erfolgte an einem Dienstagmorgen im Oktober, sechs Wochen nach den Ereignissen in Positano.Isabella stand am Rednerpult im Atrium von Beaumont Industries; über ihr wölbte sich die hoch aufragende Glasdecke des Gebäudes, durch die das Herbstlicht in langen, blassen Säulen einfiel.Étienne stand zu ihrer Linken.Marc stand zu ihrer Rechten.Hinter ihnen, auf einer Leinwand, die die gesamte Breite der Atriumwand einnahm, war das neue Logo zu sehen.„BEAUMONT SENTINEL GROUP“Die Pressevertreter belegten die ersten zehn Sitzreihen. Dahinter saß die vereinte Belegschaft von Beaumont Industries und Sentinel Security Solutions – mehrere hundert Menschen, die früh eingetroffen waren, nun mucksmäuschenstill verharrten und das Podium mit der konzentrierten Aufmerksamkeit jener verfolgten, deren berufliche Zukunft gerade in Echtzeit gestaltet wurde.Isabella ergriff als Erste das Wort.Sie hatte die Erklärung selbst verfasst; Marc hatte sie geprüf

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 372

    POSITANO, NACHTAls sie vom Abendessen zurückkehrten, herrschte in der Villa Stille.Sie hatten in einem kleinen Restaurant auf halber Höhe des Klippenwegs gegessen – einem Lokal ohne feste Speisekarte, dessen Inhaber entschied, was auf den Tisch kam, je nachdem, was an jenem Morgen aus dem Meer gefischt worden war. Das Essen war außergewöhnlich gewesen, so wie es einfache Dinge immer sind, wenn sie mit größter Sorgfalt zubereitet werden.Sie waren langsam zurückgegangen.Das Dorf leuchtete warm in der Dunkelheit; das Meer unter ihnen war zwar unsichtbar, aber hörbar – eine ständige, leise Präsenz, die allem zugrunde lag.Irgendwo auf dem Rückweg hatte Isabella ihre Schuhe mit den Absätzen ausgezogen; sie trug sie nun in der einen Hand, während ihre nackten Füße auf dem warmen Stein ruhten.Étienne ging neben ihr; seine Jacke hatte er über den Arm gelegt, die Ärmel hochgekrempelt.Auf dem Rückweg sprachen sie kaum miteinander.Während des Essens hatten sie sich angeregt unterhalten –

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 371

    DIE FLITTERWOCHENDie Villa in Positano lag am Rand einer Klippe über dem Tyrrhenischen Meer.Sie hatte weiße Wände, Terrakottaböden und eine Terrasse, die über den Rand der Felswand hinausragte, sodass man sich beim Stehen darauf wie am Bug eines Schiffes fühlte. Das Wasser unter ihr hatte jenen besonderen Blauton, den es nur in diesem Teil der Welt gab – und auf Gemälden von Menschen, die diesen Teil der Welt gesehen hatten und ihn nicht vergessen konnten.Am ersten Morgen stand Isabella auf der Terrasse, die Hände um eine Kaffeetasse geschlossen, und blickte auf das Meer.Sie hatte nicht auf ihr Handy geschaut.Das war neu.Sie war sich der Anstrengung bewusst, die das erforderte: des leichten Zugs des beruflichen Reflexes hin zu dem Gerät auf dem Tisch im Inneren, hin zu den Benachrichtigungen, von denen sie wusste, dass sie sich dort ansammelten, hin zu jenem Teil ihres Geistes, der so lange auf Hochtouren gelaufen war, dass Stille sich fast wie ein Systemfehler anfühlte.Sie atm

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 370

    Der Torbogen war mit weißen Rosen geschmückt.Julien Mercier war anwesend, saß in der ersten Reihe, die Arme verschränkt, sein Gesichtsausdruck in jener bestimmten Pose, die verriet, dass er gerührt war, aber dennoch glaubhaft abstreiten wollte, es zu tun.Geneviève Beaumont saß zwei Plätze weiter, den Rücken gerade, die Hände im Schoß. Sie hatte kaum etwas über den heutigen Tag gesagt, als Étienne es ihr erzählt hatte. Sie hatte ihn lange angesehen und dann gesagt: „Sorg dafür, dass es diesmal ordentlich gemacht wird.“Étienne hatte das als Zustimmung verstanden.Sophie saß neben Helene, ihre Schultern berührten sich. Sophie griff bereits in ihre Tasche nach dem Taschentuch, das sie mitgebracht hatte, um es zu benutzen.Und am Ende des Gartenwegs, unter dem Rosenbogen, stand Étienne.Er trug einen dunklen Anzug, keine Krawatte, der Hemdkragen war bis auf einen Knopf geöffnet. Er war immer schon ein Mann gewesen, der am ehesten er selbst war, wenn die Förmlichkeit etwas nachließ.Er

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 369

    DIE ERNEUERUNG DES EHEVERSPRECHENSDer Garten von Château Laurent lag am frühen Morgen still da.Es war jene Art von Stille, die herrscht, bevor die Welt vollends erwacht. Bevor die Caterer mit ihrer weißen Tischwäsche und ihren sorgfältigen Arrangements eintrafen. Bevor die Floristin die weißen Rosen in den Torbogen am Ende des Gartenwegs geflochten hatte. Bevor Grace die Zwillinge in ihren Kleidern nach unten brachte.Isabella stand am Fenster des Ankleidezimmers im ersten Stock, eine Tasse Tee in den Händen, und blickte hinunter in den Garten.Das Morgenlicht war sanft und fiel flach von Osten über die Hügel ein; es verwandelte den Tau auf dem Gras in etwas, das für einen Moment wie verstreutes Glas wirkte.Sie hatte gut geschlafen.Das überraschte sie, selbst jetzt noch. Sie hatte erwartet, wach zu liegen, bedrückt von der Bedeutung dieses Tages. Von der ganzen Geschichte dessen, was sie hierhergeführt hatte: die sieben Jahre der Distanz, die Monate der Konflikte, der langsame, sc

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 4

    Eine Tür öffnete sich. Ein Zimmer. Dunkel, nur das Stadtlicht fiel durch die Fenster. Ein Bett.Sie versuchte zu protestieren. Zu sagen, dass sie Sophie brauchte, dass sie weg musste, dass dieses unangenehme Gefühl endlich aufhören musste.Aber sie brachte kein Wort heraus.Und dann spürte sie Händ

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 2

    Der zerknitterte Kassenzettel blieb zwischen Isabellas Fingern, unbewusst umklammert, während die Erinnerung sie überfiel.Unpassend. Unerwünscht. Scharf wie eine Glasscherbe.Im Nu war sie wieder das sechzehnjährige Mädchen, verloren in einem geliehenen Kleid, stehend an der Schwelle einer Welt, d

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 1

    Das Penthouse roch nach Leere und Luxus.Isabella Rousseau-Beaumont, barfuß auf importiertem italienischem Marmor, beobachtete durch die bodentiefen Fenster, die mehr kosteten als die meisten Häuser, den Sonnenaufgang über Paris. Die Stadt erwachte, das Dröhnen der Metro unten, der Duft von frische

  • Gebrochene Versprechen: Zu spät für die Liebe   Kapitel 7

    Das Anwesen der Beaumonts wirkte wie direkt einem Kostümfilm entsprungen. Makellos gestutzte Hecken, vergoldete Fensterrahmen und dieses alte Vermögen, das nicht prahlen musste, denn jeder wusste es bereits.Isabella hasste es.Sie hatte sich sorgfältig für den Abend angezogen. Ein lilafarbenes Kle

Bab Lainnya
Jelajahi dan baca novel bagus secara gratis
Akses gratis ke berbagai novel bagus di aplikasi GoodNovel. Unduh buku yang kamu suka dan baca di mana saja & kapan saja.
Baca buku gratis di Aplikasi
Pindai kode untuk membaca di Aplikasi
DMCA.com Protection Status