Lara Dimson
Am Morgen meines achtzehnten Geburtstages brach ich in der Rudelklinik zusammen – nach meiner neunundneunzigsten Blutspende für meine Zwillingsschwester Maeve.
Sie trug seit ihrer Geburt einen Fluch – einen dunklen Fluch, der nur durch mein Blut in Schach gehalten werden konnte. Die Verbindung, die uns bereits im Mutterleib verband, war das Einzige, was die dunkle Magie in Schach hielt.
Als ich erwachte, erklärte mir die Heilerin, dass ich aplastische Anämie entwickelt hatte – ein seltenes Leiden, bei dem das Knochenmark versagt. Die jahrelangen, ununterbrochenen Blutspenden hatten meinen Körper endgültig zermürbt, und meine Wölfin Aurora war zu geschwächt, um dagegen anzukämpfen.
Ich beeilte mich, meiner Familie von der Diagnose zu erzählen, in der Hoffnung, dass es diesmal anders sein würde – und fand sie stattdessen in einer Bäckerei, wo sie eine Geburtstagstorte bestellten, auf der nur Maeves Name stand.
Sie hatten meinen Geburtstag schlicht vergessen, obwohl wir Zwillinge waren, keine fünf Minuten auseinandergeboren.
Anfangs war mein Opfer mit Liebe und Anerkennung bedacht worden. Inzwischen war es kaum mehr als eine Pflicht, die alle für selbstverständlich hielten.
Meine Familie hatte sich unzählige Male für Maeve und gegen mich entschieden.
Diesmal beschloss ich, mich für mich selbst zu entscheiden.
Zwei Wochen lagen noch vor mir, bevor ich mich aus diesem Rudelhaus und aus ihrem Leben stehlen würde. Zwei Wochen, um alles im Stillen vorzubereiten, während sie ahnungslos blieben.
Sie würden glauben, ich habe endlich meinen Platz als Maeves Blutreservoir akzeptiert.
Sie würden nie begreifen, dass ich die Tage zählte, bis ich für immer aus ihrem Leben verschwand.
Dann war es zu spät.