เข้าสู่ระบบDiegos Sicht
Das Erste, was ich begriff, war der Schmerz, und das Zweite, dass ich nicht tot war, was mir wie ein Verwaltungsfehler vorkam. Licht drückte gegen meine Augenlider. Etwas piepte in einem gleichmäßigen, lästigen Rhythmus, ein Schlauch führte von meinem Arm zu einem Beutel mit klarer Flüssigkeit, und meine Brust fühlte sich an, als hätte jemand sie mit zerbrochenem Glas gefüllt. Ich versuchte mich aufzusetzen, und eine Hand drückte mich mit erstaunlicher Kraft wieder nieder.
„Untersteh dich.“ Die Stimme meiner Schwester, scharf und heiser vor Erschöpfung. Alessia saß auf der Bettkante, das dunkle Haar zu einem Knoten gebunden, die Wimperntusche unter beiden Augen verschmiert. „Du warst zwei Tage bewusstlos, du Idiot. Wenn du die Fäden aufreißt, bringe ich dich selbst um, und dann muss ich es Papa erklären.“
„Zwei Tage.“ Meine Stimme klang wie Kies. „Wasser.“
Sie hielt mir einen Plastikbecher an den Mund und stützte mit der anderen Hand meinen Kopf, und ich trank. Ihre Finger zitterten. Alessia hatte mich nie weinen sehen lassen, und sie würde jetzt nicht damit anfangen, aber ihr Kiefer war so fest zusammengepresst, dass ich genau wusste, wie knapp es gewesen war.
„Elf Wunden“, sagte sie und stellte den Becher ab. „Der Chirurg sagt, bei der Wunde nahe der Lunge wäre es einen Zentimeter weiter gegangen, und wir würden jetzt einen Sarg aussuchen. Papa ist draußen bei den Anwälten, und Victor ist bei ihm. Ich habe ihnen gesagt, du könntest niemanden sehen, aber du weißt, Papa hört das Wort Nein nicht.“
Ich schloss die Augen. Die Erinnerung kam in Bruchstücken zurück: Regen auf der Windschutzscheibe, der weiße Knall des Tasers, ihr Gewicht auf meiner Brust, das Messer. Und ihr Gesicht über mir, nass und weiß, wie ihre Hände gezittert hatten, selbst als die Klinge herabfuhr. Ich hatte mein ganzes Leben unter Menschen verbracht, die anderen für Geld oder aus Vergnügen wehtaten, und keiner von ihnen hatte je gezittert. „Wo ist sie?“, fragte ich.
„In einer Zelle, wo sie hingehört.“ Alessias Stimme wurde hart. „Die Polizei hat Papa gesagt, sie sei selbst auf die Wache gekommen und habe alles gestanden. Sie hat gesagt, du hättest ihren Vater getötet, Diego. Sie hat gesagt, sie habe Nachrichten auf deinem Handy gefunden.“
Ich öffnete die Augen. „Welche Nachrichten?“
„Ich weiß es nicht. Drohungen, glaube ich. Irgendetwas über Matteo Ricci.“ Sie runzelte die Stirn, als sie mein Gesicht sah. „Warum siehst du mich so an?“
Weil ich in meinem ganzen Leben nie eine einzige Nachricht an Matteo Ricci geschrieben hatte und nicht vorhatte, das laut zu sagen, bevor ich wusste, wer es getan hatte. „Wer hat mich auf dem Parkplatz gefunden?“, fragte ich stattdessen.
„Marco.“ Sie wischte sich mit dem Handrücken über die Wange, schnell, als hätte die Träne sie verraten. „Er hat seine Runde gemacht und dich im Wagen gefunden. Er hat seine Jacke gegen deine Seite gedrückt und sie dort festgehalten, bis der Krankenwagen kam. Er ist seitdem nicht vom Flur gewichen.“
Ich nickte langsam. Ich würde mich später bei ihm bedanken. In diesem Moment öffnete sich die Tür, und mein Vater trat ein, und der Raum schien um ihn herum kälter zu werden.
Alberto Valentino war immer ein großer Mann gewesen, aber nun stützte er sich auf einen Stock, und seine Hand hielt den Türrahmen einen Augenblick zu lange fest, bevor er sie löste. Sein silbernes Haar war so makellos zurückgekämmt wie immer, und sein Gesicht verriet nichts. Hinter ihm kam Victor Rodrigo, geschmeidig und mitfühlend in einem anthrazitfarbenen Anzug, mit dem Lächeln eines Mannes, der zu einer Beerdigung geht, die er selbst bezahlt hat. „Diego, Gott sei Dank“, sagte Victor, und ich bemerkte, dass das Lächeln seine Augen nie erreichte.
„Das Mädchen ist Matteo Riccis Tochter.“ Mein Vater verschwendete keine Zeit mit einer Begrüßung. „Eine verwirrte junge Frau mit einem Groll. Die Polizei wird sie wegen versuchten Mordes anklagen, und wir sorgen dafür, dass sie nie wieder das Tageslicht sieht.“
„Nein.“ Ich zwang das Wort heraus, und es kostete mich Kraft. „Keine Anklage.“
Die Stille, die folgte, war so vollkommen, dass ich die Maschine meinen Herzschlag zählen hören konnte. Alessia starrte mich an. Victors Lächeln flackerte, nur einmal, und die Augen meines Vaters verengten sich. „Das ist nicht dein Ernst“, sagte Alberto. „Der Vorstand stimmt in sechs Monaten darüber ab, ob du Präsident wirst, und du willst der Frau vergeben, die versucht hat, dich zu ermorden? Ein solcher Mann wirkt schwach, Diego.“
„Ein Mann, dessen Firmenname in der Akte ihres Vaters steht, wirkt schuldig.“ Ich hielt seinem Blick stand, obwohl die Anstrengung den Schmerz durch meine Rippen rollen ließ. „Wenn sie vor Gericht kommt, werden ihre Anwälte Matteo Riccis Fall ans Licht zerren, und jeder Reporter in Mailand wird ihn lesen. Zieh die Aussage bei der Polizei zurück. Ich mache meine eigene, sobald ich sitzen kann.“
Victor trat vor und breitete die Hände in einer vernünftigen Geste aus. „Diego, du hast ein Trauma erlebt. Überlass das uns. Sie ist gefährlich, und offensichtlich füttert jemand sie mit Lügen. Wir sollten nicht großzügig sein.“
„Ich habe Nein gesagt.“ Ich sah ihn nicht an. Ich sah meinen Vater an, der mich lange mit einem Ausdruck anstarrte, den ich nicht benennen konnte, und dann einmal knapp nickte. „Deine Entscheidung“, sagte er, drehte sich um und ging, Victor im Schlepptau. Die Tür fiel ins Schloss.
Alessia stieß einen Atemzug aus, den sie angehalten hatte. „Du hast den Verstand verloren. Warum willst du sie schützen?“
„Ich schütze sie nicht.“ Ich starrte an die Decke und dachte daran, wie Sofia Ricci vor drei Wochen mit erhobenem Kinn und einem Blick voller Dinge, die sie zu verbergen suchte, in mein Büro gekommen war. Ich hatte gewusst, wer sie war, in dem Moment, als sie hereinkam. Ich hatte sie trotzdem eingestellt, und ich hatte sie seither beobachtet. „Sie hat nicht versucht, mich für Geld zu töten, Alessia. Sie hat versucht, mich zu töten, weil sie an etwas geglaubt hat. Ich will wissen, woran.“
Meine Schwester sagte nichts. Ich drehte den Kopf zum Fenster, wo das Nachmittagslicht schräg über die Laken fiel, und traf meine Entscheidung. „Besorg mir die Akte über Sofia Ricci“, sagte ich. „Alles. Und finde heraus, wer ihr diese Nachrichten geschickt hat.“
Diegos SichtDer Lastwagen war drei Tage zuvor von einem Verladehof in Lambrate gestohlen worden. Die Kennzeichen fehlten, die Fahrgestellnummer war abgefeilt, und als die Polizei ihn fand, war er an einem Kanal am Stadtrand ausgebrannt. Marco legte den Bericht um sieben Uhr morgens auf meinen Schreibtisch, und ich las ihn zweimal, ohne mich zu rühren. Dann klappte ich die Mappe zu und sah zu dem Mann auf, der sie gebracht hatte. „Hat niemand den Fahrer gesehen?“„Niemand, Herr Valentino.“ Marco Vitale stand mit hinter dem Rücken verschränkten Händen da, ruhig und ein wenig zerzaust, wie immer nach einer langen Nacht. Er war einunddreißig, still, loyal und der beste Sicherheitschef, den mein Vater je eingestellt hatte. Er hatte auf einem regennassen Parkplatz seine Jacke an meine Seite gedrückt und sie dort gehalten, bis der Krankenwagen kam, und das würde ich nicht vergessen. Ein schwacher Hauch von etwas Scharfem, Metallischem umgab ihn, ein Parfüm, das ich nie recht gemocht hatte.
Sofias Sicht Der Schlüssel war die ganze Zeit da gewesen. Ich fand ihn am Morgen nach dem achten Stock, als ich mit dem Foto in der einen und dem Umschlag meines Vaters in der anderen Hand am Küchentisch saß und zu begreifen versuchte, was ein durchgestrichener Buchstabe überhaupt bedeuten konnte. Das Klebeband an der Klappe hatte die Farbe von altem Tee angenommen, und sieben Jahre lang hatte ich mich gehütet, es je zu berühren. An diesem Morgen war ich nicht vorsichtig. Ich löste es mit dem Daumennagel, und etwas Kleines, Hartes glitt heraus und klirrte wie eine Münze auf den Tisch.Es war ein Schlüssel, silbern und schlicht, mit einer eingravierten Zahl auf dem Kopf. 427. Es gab keinen Namen, keine Adresse, keine Notiz, nur diese eine Zahl und das Gewicht von allem, was mein Vater nicht hatte sagen können. Ich drehte ihn in den Fingern, bis er warm war. Dann fädelte ich ihn auf die dünne Kette, die ich unter dem Hemd trug, sodass er an meinem Brustbein ruhte, ein zweiter Herzschla
Sofias Sicht Ich hielt sechs Tage durch, bevor ich in einen verschlossenen Raum einbrach. In der ersten Woche war ich die perfekte Assistentin. Ich kam um halb acht, prägte mir Diegos Terminplan ein und brachte ihm seinen Kaffee genau so, wie er ihn mochte, schwarz und zu heiß. Ich hielt meine Augen auf den Bildschirm gerichtet und meine Stimme neutral. Und jedes Mal, wenn ich mich umdrehte, beobachtete er mich, die Arme verschränkt, den Kopf geneigt, als wäre ich eine Rechnung, die nicht aufging.Die Nachricht der unbekannten Nummer war mir in der ersten Nacht nach Hause gefolgt, und sie folgte mir in jede Besprechung danach. Ich weiß, warum du hier bist. Ich hatte die Nummer zweimal angerufen und ins Leere klingeln lassen. Ich erzählte es niemandem, nicht einmal Camila, denn sie hätte mich angefleht aufzuhören. Ich studierte jedes Gesicht im Gebäude nach einem Aufflackern des Wissens, und ich fand nichts. Victors Lächeln war zu warm, um ihm zu trauen. Diegos Schweigen war zu kalt,
Sofias SichtValentino Holdings residierte in einem Glasturm mitten in Mailand, vierzig Stockwerke aus Spiegel und Stahl, die das Morgenlicht wie eine Warnung auf die Straße zurückwarfen. Ich stand eine volle Minute auf dem Bürgersteig, unter dem Mantel das Kleid, das ich auf der Beerdigung meines Vaters getragen hatte, das einzige schwarze Kleid, das ich besaß, und sah zu, wie die Drehtüren Menschen verschluckten, die sich nie hatten fragen müssen, wie sie die Medikamente ihrer Mutter bezahlen sollten. Dann ging ich hinein.Elena Moretti empfing mich am Empfang. Sie war in den Vierzigern, scharf geschnitten, ein Tablet an ihr maßgeschneidertes graues Jackett gedrückt, und sie schüttelte meine Hand einmal, kurz, als prüfe sie ihr Gewicht. „Frau Ricci.“ Sie musterte mich einen Atemzug zu lang. „Herr Valentino führt keine Vorstellungsgespräche mit neuen Mitarbeitern. Das sollten Sie wissen, bevor wir hinaufgehen.“„Warum führt er dann eines mit mir?“, fragte ich.„Das“, sagte Elena und
Sofias SichtSieben Jahre reichen aus, um genau zu lernen, wie viel ein Mensch überleben kann. Ich hatte die Beerdigung überlebt, die unbezahlten Rechnungen und die Mahnungen des Vermieters, die an unserer Tür klebten. Ich hatte überlebt, tagsüber zu kellnern und nachts Büros zu putzen, und ich hatte überlebt, wie meine Mutter sich langsam in eine Welt zurückzog, in die nichts mehr vordringen konnte. Was ich nie überlebt hatte, nicht wirklich, war diese Nacht. Mein Vater hatte mir im Regen einen Umschlag in die Hände gedrückt, und eine Stunde später hatte ich zugesehen, wie sein Wagen auf einer Straße am See zu einem Feuer wurde.Vor der Explosion hatte ich ihn einen Namen zu dem Fremden im schwarzen Mantel sagen hören. Victor. Ich hatte ihn so oft ins Dunkel geflüstert, dass er glatt geworden war wie ein Stein in meiner Tasche, und ich hatte immer noch keine Ahnung, wer er war. Der Umschlag blieb unter einer losen Diele unter der Küchenspüle versteckt, versiegelt und stumm. Ich redet
Diegos SichtDas Erste, was ich begriff, war der Schmerz, und das Zweite, dass ich nicht tot war, was mir wie ein Verwaltungsfehler vorkam. Licht drückte gegen meine Augenlider. Etwas piepte in einem gleichmäßigen, lästigen Rhythmus, ein Schlauch führte von meinem Arm zu einem Beutel mit klarer Flüssigkeit, und meine Brust fühlte sich an, als hätte jemand sie mit zerbrochenem Glas gefüllt. Ich versuchte mich aufzusetzen, und eine Hand drückte mich mit erstaunlicher Kraft wieder nieder.„Untersteh dich.“ Die Stimme meiner Schwester, scharf und heiser vor Erschöpfung. Alessia saß auf der Bettkante, das dunkle Haar zu einem Knoten gebunden, die Wimperntusche unter beiden Augen verschmiert. „Du warst zwei Tage bewusstlos, du Idiot. Wenn du die Fäden aufreißt, bringe ich dich selbst um, und dann muss ich es Papa erklären.“„Zwei Tage.“ Meine Stimme klang wie Kies. „Wasser.“Sie hielt mir einen Plastikbecher an den Mund und stützte mit der anderen Hand meinen Kopf, und ich trank. Ihre Finge







