Ozzy Nyakie
Lucas Okon hatte einst alles – ein Eckbüro, eine Frau, die zu laut lachte, eine Zukunft, an der er nie gezweifelt hatte. Die Trauer hat ihm all das genommen. Jetzt repariert er undichte Rohre für Leute, die ihn nicht zweimal ansehen, zieht seine Dreijährige alleine groß und lächelt nur noch mit dem Mund.
Vivienne Kingston hat alles, was man mit Geld kaufen kann – und fast nichts, was es schützen kann. Sechs Monate nach der Beerdigung ihres Vaters leitet sie sein Imperium allein, umgeben von Cousins, die um das Erbe kreisen, und einem Onkel, der sie „Familie" nennt, wobei in diesem Wort eine Klinge mitschwingt. Sie ist die Einzige, die den Mann noch vermisst, nicht nur das, was er hinterlassen hat.
Dann sieht sie ihn – einen Klempner in der Einfahrt ihres Nachbarn, der die Traurigkeit wie einen Mantel trägt, den er nicht ablegen kann. Sie sagt sich, sie solle aufhören, hinzuschauen.
Sie tut es nicht.
Was als Neugier beginnt, wird zu etwas, das keiner von beiden gewollt hat. Eine vorsichtige, gefährliche Anziehungskraft zwischen einer Frau, die in Wölfen ertrinkt, die sich als Familie tarnen, und einem Mann, der mehr als nur seine Frau begraben hat, als er seinem alten Leben den Rücken kehrte. Auch Vivienne trägt das Erbe ihrer Mutter mit sich – einer Frau, der die Kingstons nie verziehen haben, dass sie ohne Erlaubnis eine Verbindung nach oben einging –, und die Geschichte wiederholt sich gern bei denen, die sich ihr nicht beugen wollen.
Er hat ihr nichts zu bieten außer Ehrlichkeit.
Sie hat alles – außer jemandem, der sie umsonst will.
Keiner von beiden sucht das. Beide brauchen es mehr, als sie je zugeben würden.
Trauer. Erbe. Und eine Liebe, die in Arbeitsstiefeln auftaucht, nicht im Sitzungssaal – und sich weigert, wieder zu verschwinden.